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Kanarienallerlei

als Artikel erschienen in verschiedenen Ausgaben der Zeitschrift Garten und Kleintierzucht des VKSK der DDR, Ausgabe B aus den Jahren 1955 bis 1980, diese sind hier unverändert gesammelt und zusammengestellt worden.

Verfasser dieser Artikel sind:

  •  Arthur Parteke,  Gleiwitz – Meiningen
  •  Max Lorenz,  Leipzig
  •  E. Neise,  Bad Langensalza

 Übersicht:

(Parteke) Vorteile der Kaltüberwinterung der Kanarienweibchen:

Wenn die Blätter fallen, haben die Zuchtweibchen längst ihre Winterquartiere bezogen. Die kalte Überwinterung ist jeder anderen vorzuziehen und zwar deshalb, weil kalt überwinterte Weibchen widerstandsfähiger und daher gesünder bleiben. Auch eine vorzeitige Heckreife wird dadurch unterbunden. Es versteht von selbst, dass für diesen Zweck nur ein Raum in frage kommt, der gut durchsonnt ist. Selbst bei strenge Kälte ist das Fenster täglich für kurze Zeit zu öffnen und zugleich auf Sauberkeit zu achten, damit die Stubenluft nicht durch Verunreinigung und Ausdünstungen verschlechtert wird. Bei Entziehung des Eifutters und reichlicher Verabfolgung von gutem vollwertigen Rübsen als auch fetthaltigem Körnermischfutter sowie einem Napf ausgelassenem Rindertalg oder anderer animalischer beikost können selbst erhebliche Kältegrade keinen Schaden bringen. Größte Bewegungsfreiheit und anstrengende Flugtätigkeit tragen dazu bei, dass alle Organe brauchbar bleiben und somit gegen Temperatureinflüsse gestählt werden. Abgesehen von der Besserung der Blutbeschaffenheit kräftigt sich die Herztätigkeit, vertieft sich die Atmung des Vogelkörpers, steigert sich der Stoffwechsel und sämtliche Körperteile werden stärker durchblutet. Den kalten Temperaturen kommt eine ausgesprochene Reizwirkung zu, die umso größer wird, je tiefer die Temperaturen fallen. Dieser Umstand verdient besondere Beachtung.

Verschiedene andere Gesichtspunkte sind für den Aufenthalt im Überwinterungsraum mitbestimmend, und zwar, ob der geräumige Flugkäfig so aufgestellt ist, dass er auch genügend Sonnenstrahlen erhält und die Vögel keiner Zugluft ausgesetzt sind., weiterhin ob der Käfig mehr oder weniger weit vom Fenster entfernt ist bzw. ob er nach dieser oder jener Himmelsrichtung entsprechend geschützt bleibt. Daraus ergeben sich die Schutzanwendungen für die einzelnen Zuchtweibchen. Jedes gesunde und vollkräftige Weibchen kann also ohne gesundheitliche bedenken selbst bei sehr niedrigen Kältegraden im zugfreien Überwinterungsraum Aufnahme finden. Darüber hinaus müssen wir unsere Weibchen als Träger unserer Stämme gleich den Hähnen sorgfältig pflegen und ihnen in den Wintermonaten das geben, was sie benötigen, damit sie ihren Pflichten bei Beginn der nächstjährigen Zuchtperiode nachkommen können.

(Lorenz) Unliebsame Vorkommnisse während der Hecke

Wieder stehen wir vor Beginn des Heckbetriebes. Die Auswahl des Heckmaterials ist auf Grund der gewissenhaften Eintragung im Zuchtbuch sorgfältig erfolgt. Grundbedingung ist, dass die Zuchthähne und Zuchtweibchen gesund und kräftig sind. Weibchen und Hähne mit Leberflecken, erkennbar an dem dunklen violetten Fleck unterhalb des Brustbeins oder rotleibige und solche mit Darmstriemen sind trotz guter Vererbung vom Heckbetrieb auszuschließen. Der Züchter, der diese Hinweise nicht beachtet, hat nur Ärger und Verdruss, außerdem Verluste. Alle Hindernisse oder Störungen in der Kanarienhecke können verschiedene Ursachen haben, ein gutes Züchterauge erkennt sofort bei Betreten der Heckstube und bei der Durchsicht in den Heckfächern der Weibchen, wo etwas nicht in Ordnung ist. Die Temperatur in der Heckstube soll 18 bis 20 Grad betragen.

1. Paarung: Den Weibchen, die sich trotz Heckreife nicht befliegen (Treten) lassen, gibt man am besten in den Abendstunden (Dämmerung) oder bei Morgengrauen einen kräftigen und feurigen Hahn. Der Züchter muss in diesem Fall beobachten, wie sich das Weibchen verhält. Der Hahn bleibt während der Nacht im Heckkäfig, denn bei Morgengrauen sind solche widerspenstigen Weibchen geneigter.

2. Die Legenot: Von der Legenot sind hauptsächlich schwächliche und blutarme Weibchen befallen. Die Ursache ist meistens auf zu niedrige Temperatur und auf zu lange Nächte zurückzuführen. Die geringste Erkältung kann bei den Weibchen zu Legenot führen. Damit befallene Weibchen erkennt man sofort an dem aufgeplusterten Gefieder. Solche Weibchen sitzen während der Legezeit immer auf dem Käfigboden. Abhilfe geschieht, indem man dem betreffenden Weibchen mit etwas Speichel die Bauchfedern frei legt und einige Tropfen kaltes Wasser auf den Leib tropfen lässt. Anschließend wird das Weibchen in ein Tuch gehüllt und in die Käfigecke gesetzt. Sollte der Legeprozess nicht einsetzen, muss dieses Verfahren wiederholt werden. Weiterhin ist die Massage des Unterleibes zu empfehlen. Zeigefinger und Daumen werden mit etwas Salatöl benetzt und der Leib schwach nach unten massiert. Nach kurzer Zeit setzt der Legeprozess ein, und das Ei fällt auf ein bereitgehaltenes Tuch.

3. Schier-Eier: Schier-Eier entstehen, wenn eines der Elterntiere steril ist oder eine Abneigung vorliegt. Der Züchter muss ausprobieren, ob es am Hahn oder Weibchen liegt. Das Beste ist in solchen Fällen die Entfernung des betreffenden Elterntieres. Sterile Weibchen sind meistens gute Fütterer. Solchen Weibchen gibt man deshalb befruchtete Eier eines anderen, das schlecht füttert, oder solchen, die das Gelege frühzeitig verlassen haben.

4. Das Absterben der Jungen im Ei: Die Ursache kann verschiedenartig sein, die Gefahrenquelle liegt bei den Elterntieren, die alle Krankheitsstoffe auf das Embryo übertragen. Leberkranke Elterntiere, sowie schlechtes Brüten, sauerstoffarme Luft, zu kalte und zu warme Lufttemperatur sind die Hauptursache für das Absterben der Jungen im Ei. Deshalb ist es notwendig, alle hier aufgeführten Ursachen zu beachten und bei der Auslese der Elterntiere einen strengen Maßstab anzulegen.

5. Das Abfressen der Krallen und Schnäbel ist eine Erbkrankheit, die auf zu große Inzucht und Inzestzucht zurückzuführen ist. Hier gibt es kein anderes Mittel, als solche Weibchen von der Zucht für immer auszuschließen.

6. Das Verlassen der Eier während der Brutzeit ist eine Erscheinung, die weniger auftritt, aber für den Kleinzüchter unangenehm wirken kann, da er die Eier nicht immer in andere Nester unterbringen kann, während der Großzüchter die Eier auf verschiedene Nester mühelos verteilen kann. Die Ursache liegt darin, dass solche Weibchen durch künstlichen Trieb zur Hecke gezwungen wurden.

7. Schlecht fütternden Weibchen gibt man Grünfutter in zerkleinertem Zustand unter das Eifutter vermengt. Die bekömmlichsten Arten sind Spinat, Vogelmiere und Löwenzahn. Dadurch werden die bekannte Kropfmilch erzeugt und die Kropfschleimhäute angeregt. Sollten diese Hinweise fehlschlagen, dann sind die Jungen auf andere Nester zu verteilen.

8. Das Rupfen der Jungen durch die Weibchen, sobald die Federkiele anfangen zu sprießen, ist angeboren. Solche Weibchen sind dauerhaft von der Zucht auszuschließen. Das Rupfen der Schwanzfedern und der Bauchfedern beim Ausfliegen der Jungen durch das alte Weibchen ist durch die Schuld des Züchters entstanden, weil er versäumt hat, dem Weibchen rechtzeitig Nistmaterial zum neuen Nestbau zu geben. Zu hitziges und üppiges Futter ist die Ursache, wenn die Weibchen ihre Jungen rupfen. Durch Grünfütterung wird das Rupfen bedeutend eingeschränkt, zum Teil ganz eingestellt, wenn in vernünftiger Form gefüttert wird.

9. Das Rupfen der Jungen im Flugkäfig ist auf Spielerei zurückzuführen. Es wird hervorgerufen durch die rosaroten Stellen an den Flügeln während der Mauser. Das beste Mittel gegen dieses Rupfen ist, dass der Flugbauer und die Volieren nicht überbesetzt werden.

Durch verabreichen von Schwefelblüte im Trinkwasser wird das Rupfen gemindert. Gerupfte Vögel sind mit warmem Wasser vom Blut zu reinigen. Die Enden der Federkiele sind mit einer Pinzette zu entfernen, weil sonst die Blutungen nicht aufhören. Stark gerupfte Jungvögel sind aus dem Flug zu entfernen und einzubauern. Erst, wenn sämtliche Federn wieder gewachsen sind, kommen sie in den Flugkäfig zurück.

10. Die Bezeichnung Schweißsucht ist eine irrtümliche, denn Vögel schwitzen nicht. Sie ist eine Verdauungsstörung der brütenden Weibchen. Die Ursache ist auf eine schwere Erkältung des Heckweibchens zurückzuführen. Es werden besonders solche Zuchträume befallen, wo die Wände nass und mit Salpeter durchzogen sind. Die Erkennungsmerkmale sind, dass das Gefieder der Jungen und des alten Weibchens mit dünnen Abgängen benetzt und beschmiert ist.

Die Bekämpfung dieser Erscheinung ist folgende: Die Temperatur muss auf 20 bis 24 Grad Wärme erhöht werden. Die Jungen und das alte Weibchen werden mit warmem Wasser gereinigt. Das Nest ist zu erneuern und laufend zu wechseln. Beim Umbetten sind die Jungen auf einem warmen Wolltuch anzuwärmen. Das Futter besteht aus Biskuit, dieser ist nicht zu feucht und mit viel Mohn zu verabreichen. Es sind nur mehlhaltige Sämereien, Grieß, Haferflocken und Glanz zu geben, kein Grünfutter und Möhren. Wenn alle diese Mittel nicht einschlagen, gibt es nur noch eins, die Jungvögel reinigen und auf andere gesunde Nester verteilen. Das alte Weibchen erhält eine Sonderbehandlung in einem Käfig, möglichst in der Nähe des Ofens.

(Parteke) Vor der Zuchteröffnung:

Bevor man die Kanarienzucht eröffnet, ist vor allem die Raumfrage zu überprüfen, denn es ist nicht gleichgültig wie man die Sachen anfasst. Es lässt sich zwar in jedem Zimmer eine Kanarienhecke einrichten, doch die Erfolge sind verschieden. Schon die Lage des Zimmers spielt eine große Rolle. Aus begreiflichen gründen ist es nicht jedem Möglich, sein heim so zu gestalten, wie man es gern möchte bzw. wünschte. Man sollte sich zu helfen wissen, so gut es geht und seine Wünsche entsprechend zurückschrauben. Wer über heizbare Räume nicht verfügt, wird sich gedulden, bis die natur die zur Zucht nötige Wärme spendet. Die beste Zimmerlage ist nach Osten bzw. Südosten, weil hier die Morgensonne ihre wärmenden Strahlen spenden kann, ohne lästig zu fallen. Bis die Mittagssonne im Sommer kommt, steht die Sonne im Süden und hat ihre Schuldigkeit für das Heckzimmer getan, in das sie ihre Morgenstrahlen senden kann. So notwendig die Sonne für die Kanarienzucht ist, so unerwünscht erscheint sie uns, wenn sie des Guten zuviel gibt. Zuviel Sonne macht die Vögel träge und leistet der Milbenbrut die besten Dienste zu ihrer Entwicklung. Wenn die hecke gedeihen soll, so gehören zur Sonne ferner Licht und Luft. Ist der Raum zu klein, so schränke man die Zucht ein. Wer gezwungen ist, etwa im Schlafzimmer Kanarien zuhalten, sollte es lieber unterlassen.

(Parteke) Was den Kanarienzüchter jetzt besonders interessiert:

Der Verlauf kanarischer Wettbewerbe hat bewiesen, dass wiederum gute Erfolge erzielt werden konnten. Die errungenen Leistungen gaben deutlich zu erkennen, was zum Enderfolg des ganzen Zuchtjahres wesentlich beigetragen hat. Auch wenn einige enttäuschte Gesichter über unerwünschte Misserfolge zu verzeichnen waren, so erwecken Wettbewerbe trotzdem immer wieder neue Hoffnungen, das Ziel zu erreichen. Die feste Zuversicht gründet sich darauf, aus der Tiefe wieder zur Höhe zu gelangen, denn wer vorwärts kommen will, muss nach festen Grundsätzen arbeiten. Die Aufstellung eines arbeitsplanes für die künftige Zuchtperiode ist daher schon jetzt notwendig und erfordert diesen unter allen Umständen einzuhalten. Wer in seinem Bestreben nach vorne zu kommen nachlässt, ohne wirklichen Grund hierzu zu haben, der gelangt in den Rückstand, und Rückstände lassen sich in der Regel schwer einholen. Gerade die Zeit von Weihnachten bis zum Beginn der Hecke ist dazu da, dass man Ordnung schafft und alle Vorbereitungen für gutes gelingen trifft. Vor allem sichert richtige Zuchtwahl aufgrund der Vererbungsvorgänge hochwertige Leistungen, denn Gutes kann nur wieder von Gutem kommen. Bei Nichtbeachtung sind Misserfolge unvermeidlich, denn der Berufene, der die Aufgabe hat, sein Amt als Zuchtrichter auszuführen, achtet nur auf die Leistung der Prüflinge und erfüllt seine Pflicht. Seine gut gemeinten anspornenden Worte in dem Streben zum Ziele vereint zusammenhalten für unseren schönen und edlen Kanariensport.

(Parteke) Inzuchtfragen

Über den Begriff der Inzucht gibt es noch mancherlei widersprechende Ansichten, obwohl diese fragen schon längst als gelöst anzusprechen sind. Um eine oder mehrere gute Eigenschaften besonders in gesanglicher Hinsicht bei der Nachzucht zu festigen, ist die überlegt vorgenommene Inzucht bzw. nicht zu enge Blutsverwandtschaft sogar vorteilhaft. Nachteilige Folgen sind nur dort zu erwarten, wo man wahllos die Verpaarung der Elterntiere vornimmt. Wer Maß hält und sein Zuchtbuch ordnungsmäßig führt, wird die Zuchtlinie verfolgen können und wissen, wie weit er gehen darf, ohne dass die folgen der Degeneration sich allzu rasch einstellen. Im gewissen Sinne ist die Bezeichnung Inzucht sehr dehnbar, und doch besteht ein Unterschied, wie man zusammenpaart. Für die Festigung der einzelnen Touren ist zuweilen verstärkte Inzucht notwendig, doch sind die vermuteten gefahren nicht so groß, als man sie annimmt. Es ist dies die Paarung von Vater und Tochter oder Mutter und Sohn. Die Verwandtschaft, gleich der Summe der in ihr vereinigten Erbmasse, ist in diesen Paarungen nicht so groß, dass man mit Rückschlägen zu rechnen hat, wie es allerdings bei Inzestzucht zu erwarten ist. Wer sich bei Anwendung der Inzucht keine Vorteile verspricht, soll es mit anderen Mitteln versuchen, ohne die nachteile der Blutsverwandtschaft fürchten zu müssen. Inwieweit Inzuchtmaßnahmen von Nutzen sind, beurteilt ein fachkundiger Gesangskanarienzüchter an anderer Stelle mit folgenden Worten. „Der Züchter muss bei seinen Kanarien den Singmuskelapparat durch eine begrenzte Inzucht so zu gestalten suchen, dass dieser die Fähigkeit besitzt, die entsprechende Tiefe und gute Touren zu bringen. Inzucht empfiehlt sich, wie bereits erwähnt, im begrenzten Sinne und Dauer" Auch ein Kleintierzüchter bezeugt sein Wissen mit dem Hinweis: „Grundbedingung für die erfolgreiche Durchführung der Inzucht ist zunächst kerngesundes Zuchtmaterial mit besten Eigenschaften."

(Parteke) Kanarien – Kreuzung:

Diese Frage ist auch heute noch ein viel umstrittenes Gebiet. In Wirklichkeit handelt es bei Kanarien-Kreuzungen um die Verbindung zweier nicht blutsverwandter Tiere (oder Stämme), mit dem Ziel, die gesanglichen Leistungen zu verbessern. Die daraus gezüchteten Nachkommen werden dann untereinander verpaart. Gehören die zu verpaarenden Kanarien derselben Gesangsrichtung an, nennt man die Kreuzung eine solche mit Einmischung desselben Blutes. Kreuzt man dagegen Kanarien aus Stämmen, die verschiedenen Gesangsformen angehören, so bezeichnet man diese Kreuzung als Einführung fremden Blutes. Den Begriff Kreuzung wenden wir an, wenn Kanarien miteinander gepaart werden, die zwar eines Stammes sind, aber in irgendeiner anderen Beziehung sich unterscheiden, z.B. wenn man Kanarien mit und ohne Schockel zusammensetzt, um diese Tour auf den schockellosen Stamm zu übertragen. Eine derartige Kreuzung wird dann von der kanarischen Wissenschaft als „Gesangskreuzung" bezeichnet. Zu Kreuzungszwecken benutzt man in der Regel einen Hahn aus einem anderen gut durchgezüchtetem Stamm, der womöglich eine Tour mehr hat als die Vögel des eigenen Stammes. Wir können aber auch mit fremden Weibchen kreuzen. wenn wir die Überzeugung haben, dass sie die geforderten Eigenschaften in hohem Maße besitzen. Die Kreuzung wird in Anwendung gebracht, sobald die Vögel eines Stammes gesanglich und körperlich zurückgegangen sind. Die Vorteile, die mit einer Kreuzung verbunden sind, bestehen darin, dass die Nachkommen aus den gekreuzten Stämmen kräftiger und gesünder werden als die Stammtiere und auch in gesanglicher Beziehung fallen aus dieser Verbindung Hähne, die vielfach den erwarteten Wünschen entsprechen. Die Kreuzung hat aber auch Nachteile, deshalb ist auf diesem Gebiet Erfahrung notwendig, weil es Grenzen gibt, die nicht überschritten werden dürfen. Der Edelroller kann bekanntlich nicht alles bringen und wenn es viel ist, so ist es in der Regel doch wenig, weil ihm die Fülle und Kraft fehlt, eine Reihe von guten Touren hervorzubringen.

(Parteke) Heckmethoden:

Vor Beginn der kanarischen Zuchtperiode muss man wissen, welche Heckmethode am Besten sich bewährt. So z.B. ist die Einzelhecke, bestehend aus einem Hahn und einem Weibchen, als die natürlichste anzusehen und wird von Anfängern vielfach mit Vorliebe betrieben. Als Zuchtraum genügt ein einfacher Heckkäfig in den Abmessungen 350 x 400 x 350 mm, in welchen das ununterbrochene natürliche zusammenleben der beiden Elterntiere betrieben wird..

Für die Gesellschafts- oder Käfighecke soll der Käfig etwa 1300 x 600 X 500 mm groß sein. In einem solchen Käfig findet ein Hahn mit drei bis vier Weibchen Aufnahme. Bei dieser Heckart ist mit mehr oder weniger großen Überraschungen zu rechnen.

Als Flugraum für die so genannte Flughecke, bestehend aus mehreren Hähnen unter vielen Weibchen, benutzt man ein geeignetes kleines Abstellzimmer. Diese Heckmethode wird jedoch nicht empfohlen, weil durch die entbrannten Liebeskämpfe die erhofften Wünsche zunichte gemacht werden.

Im Gegensatz der vorgenannten Zuchtmethoden verdient jedoch die Wechsel –oder Wanderhecke die allerbeste Empfehlung und wird von der heutigen kanarischen Züchterwelt bereits allgemein angewandt. Diese Art Zuchtmethode wird zu Unrecht Wechselhecke genannt, denn in Wirklichkeit wird ja gar nicht gewechselt, sondern der nach dem Zuchtbuch gewählte Hahn wird täglich - je nach Bedarf - nacheinander zu den vorgesehenen Weibchen gebracht und nach erfolgter Begattung wieder aus dem Heckkäfig entfernt und außer Hör- und Sehweite des Weibchens in einen anderen Raum gebracht, so dass das Weibchen allein im Käfig verbleibt. Unter Berücksichtigung der Zuchtbuchnotizen werden mit der Wechselhecke die denkbar besten erfolge erzielt, weil man die Elterntiere hier viel besser in der Hand hat, als dies bei anderen Heckmethoden möglich ist. In diesem Zusammenhang wird besonders darauf hingewiesen, Zuchthähne als auch Zuchtweibchen einige Wochen vor beginn der Zucht getrennt in je einem geräumigen Käfig fliegen zu lassen, damit die Fluggewandtheit für beide Elterntiere gesichert bleibt.

(Parteke) Heckreife:

Ein sicheres Kennzeichen der Heckreife beim Kanarienzuchtweibchen ist das häufige Flügelschlagen und die immerwährenden Flugbewegungen. Ferner ist die reife auch daran zu erkennen, indem sich die Bauchfedern teilen bis zur Brustpartie und der Hinterleib etwas leicht anschwillt. Wenn auch junge Weibchen ihre Pflichten erfüllen, so sind zwei Jahre alte Weibchen entschieden zuverlässiger. In diesem Zusammenhang wird ferner bemerkt, dass die schlanke Form von ausschlaggebender Bedeutung ist. Kanarienweibchen mit voller fleischiger Brust sowie leicht gewölbtem Hinterleib und einer dünnen Fettschicht verdienen den Vorzug. Alle kurzgebauten, schwächlichen und schmalbrüstigen Weibchen mit struppigem Gefieder, die Striemen oder Leberflecken auf der Bauchseite aufweisen, schließe man von der Hecke aus. Nur gesunde vollbrüstige Zuchttiere, die höchste Leistung garantieren, sind als brauchbar zu verwenden. Gut genährte, gesunde Weibchen lassen sich in der Regel bis zu einem Lebensalter von 4 – 5 Jahren verwenden. Solange also ein Weibchen heckfähig und gesund ist, kann es in der Zuchtperiode benutzt werden. Auch bei der Auswahl der Zuchthähne ist nicht nur auf die Gesundheit zu achten, es sind auch die gesanglichen Leistungen zu berücksichtigen.

(Parteke) Das Kanarienei:

Das normal gelegte Kanarienei ist nicht nur die Wiege, sondern auch die Vorratskammer des sich entwickelnden Embryos. Es muss also alle die Stoffe in sich aufgespeichert enthalten, die der Embryo zu seiner Entwicklung benötigt, die auch ausreichen müssen, bis der Jungvogel soweit entwickelt ist, dass er die Schale sprengen und an das Licht der Welt gelangen kann. Langen z.B. diese Stoffe nicht aus, dann ist das Absterben des Jungvogels unvermeidlich. Da gibt es z.B. Eier, die aus weiter nichts bestehen als aus dem vom Eierstock abgestoßenen Dotter und der im Eileiter gebildeten Schale. Vielfach hat sich im Ei nur eine wässrige Masse angesammelt, die dann beim bebrüten vollständig verdunstet und zu einem Klümpchen hartgetrocknetem Dotters zusammengeschrumpft

Ist. Die Beschaffenheit des Eies muss in der Hauptsache davon abhängen, in welchem Maße und in welcher Güte sich das Eiweiß um den Dotter lagert. Entspricht dies nicht der normalen Beschaffenheit, dann dürfte die Ursache mangelhaft entwickelter Kanarieneier darin bestehen, dass dem Weibchen die erforderlichen Bestandteile der Nährstoffe fehlen, was ein Zeichen von Schwächlichkeit bzw. unzweckmäßiger Ernährung sein könnte. Man achte also bereits in der Vorbereitungszeit auf alle sonstigen Mängel und sorge vor allem dafür, dass die Zuchtweibchen entsprechend gefüttert bzw. vollwertige Sämereien sowie animalische Futtermittel erhalten. Betrachten wir in diesem Zusammenhang die übliche Fütterung unserer frei lebenden Vögel, so müssen wir staunend erkennen, dass wir alles andere tun, nur nicht der natürlichen Ernährung Rechnung tragen. Wissenschaftliche Feststellungen haben erwiesen, dass vor allem nur die gemischte kost Höchstleistungen hervorbringen kann, wozu unter anderem auch das hartgekochte Hühnerei in Verbindung mit Zwieback und sonstigen Grünfutterbeigaben vorzügliche Dienste leistet.

(Parteke) Die Entwicklung im Kanarienei:

Sie gab schon oft Veranlassung zu Meinungsverschiedenheiten. Eines kann jedoch als festgestellt gelten, dass zugleich mit der Keimbildung ein Blutnetz sich entwickelt. Nach etwa zweitägiger Bebrütung macht das Wachstum des Embryos rasche Fortschritte und nach 7 tagen ist der Jungvogel soweit entwickelt, dass Kopf, Flügel und Füßchen durchs Licht gehalten, deutlich als solche zu erkennen sind. Sitzt das Weibchen ungestört auf dem Ei, so ist der Vogel nach 13 tagen zum Schlüpfen reif. Nach dieser zeit ist das Eiweiß voll verbraucht bzw. verdunstet, der Rest des Dotters wird vom Jungvogel nach innen eingezogen und dient als erste Nahrung nach dem Schlüpfen. Während des Schlüpfens der Jungen, soll man die Nester in Ruhe lassen. Das Weibchen entfernt die hindernden Eierschalen von selbst, nachdem die Jungen die Schalen aus eigener kraft und in der Regel zur richtigen zeit sprengten. Vor einiger zeit hat die kanarische Wissenschaft sich der Mühe unterzogen und frisch gelegte Kanarieneier überprüft. So haben die Feststellungen ergeben, dass das normal gelegte Kanarienei etwa 2 bis 2,5 Gramm wiegt. Davon kommt auf die Schale, einschließlich Schalenhaut im Mittel 0,25 Gramm. Der Eiinhalt besteht aus 1,25 g Eiweiß und 0,65 g Eigelb. Das Eiweiß enthält nur Spuren von fett, die kaum messbar sind und nicht mehr als 0,004 g betragen, dagegen enthält das Eigelb im Kanarienei mindestens 0,2 g Fett, also 50mal als das in doppelter Menge vorhandene Eiweiß. Die Annahme, dass die gelegten Eier mit dunkler Eischale befruchtet sind, ist irrig, weil aus Eiern heller Farbe ebenso gut kräftige Jungvögel sich entwickeln können wie aus dunklen Eiern. Die Praxis lehrt eben oft andere Sachen wie die Theorie. Das Schlußei, welches im Allgemeinen etwas bläulicher bzw. dunkler gefärbt ist, macht insofern eine Ausnahme in der Abweichung von Theorie und Praxis, als das vorausgesagte zutrifft. Aber auch hier gilt der Grundsatz, keine Regel ohne Ausnahme.

(Parteke) Hindernisse beim Schlüpfen:

Hindernisse beim Schlüpfen der Kanarien-Nestlinge treten weniger auf, wenn man die Finger bei diesem Prozess davon lässt. Meistens tritt der Fall ein, dass die nicht ANZURATENDE Hilfeleistung beim Schlüpfen zum Verhängnis des Jungvogels wird. Jeder Kanarienjungvogel durchbricht bekanntlich erst dann die Eischale, wenn er voll entwickelt und der Dotter aufgesogen ist. Sind die Voraussetzungen für die normale Entwicklung des Vogels nicht gegeben, dann bleibt derselbe in der Eischale stecken. Es hat also hier keinen Zweck, etwa helfend einzugreifen, da bei gewaltsamer Entfernung der Eischale der Nabel blutet, was den Tod des Vogels herbeiführen kann. Betrachtet man sich das kleine Vogelgeschöpf etwas näher, so wird man feststellen müssen, dass jeder Blutverlust zum Verhängnis wird. Es dürfte bekannt sein, dass ein lebensfähiger Nestvogel sich stets so stark fühlt, dass er die dünne Eischale sprengen kann. Ist er jedoch dazu nicht in der Lage, so ist es besser, er bleibt im Ei stecken, weil an diesem schwachen Tier nichts gewonnen ist. Wenn auch nicht gleich, so geht ein solches Geschöpf bestimmt bei der Mauser ein, wie wir dies bereits vor einiger Zeit zum Ausdruck brachten. Weshalb also Hilfe leisten, wenn nur beschränkte Lebensdauer gewährleistet ist? Oft kann man auch beobachten, dass der eine oder andere Vogel etwas aus der Art schlägt, sei es, dass er erkrankt oder aus anderem Grunde in der hecke versagt, schlecht brütet, mangelhaft füttert, rupft und dergleichen Untugenden zeigt. Man plage sich mit solchen Kanarien nicht allzu lange herum, wenn man in der Lage ist einen Reservevogel einzusetzen. Heraus aus der hecke ist die einzige richtige Abhilfe. Nur wenn besondere Gründe vorliegen, lasse man sich bestimmen, Kuren während der hecke durchzuführen. Hierbei ist auch auf jede Veränderung der Umwelt zu achten, weil sie für den Organismus des Vogels eine mehr oder weniger große Belastung darstellt.

(Parteke) Unbefruchtete Gelege:

Die Ursache unbefruchteter Kanariengelege ist nicht immer beim Zuchtweibchen zu suchen. Der Zuchthahn kann gleichfalls hier beteiligt sein, auch wenn man annimmt, dass der Akt des Befliegens scheinbar ordnungsgemäß ausgeführt wurde. Es fragt sich nur, ob derselbe auch zur richtigen zeit erfolgte und ob Überanstrengungen des Hahnes oder sonstigen Zufälle vermieden wurden. Wenn beispielsweise ein Hahn mehrere Weibchen zu betreuen hat, dann ist es falsch, wenn derselbe nach erfolgtem Akt sofort zum nächsten Weibchen gebracht wird und so der reihe nach, bis alle ihm zugedachten Weibchen beflogen wurden. Bei einer solchen Maßnahme wird der Hahn übermäßig ausgenutzt, und das auftreten unbefruchteter Kanariengelege ist dann unvermeidlich. Richtiger ist es, den Hahn nach jedesmaligen begatten etwa 30 Minuten ausruhen zu lassen. Man achte auch darauf, dass unnötige Paarungskämpfe vermieden werden und lasse den Hahn erst dann zum Weibchen, wenn es die erforderliche Heckreife besitzt. Dieser Zeitpunkt ist in der Regel erst dann eingetreten, wenn das Weibchen am Nest baut. Die geeignetste zeit sind die frühen Morgen – oder Abendstunden. So sehr die Beachtung aller Symptome zur Erzielung der richtigen Heckreife wichtig ist, so mehr muss auf der anderen Seite davor gewarnt werden, durch gewisse Mittel die Weibchen zu treiben, um eine vorzeitige Heckreife zu ermöglichen. Erst wenn die erforderliche Heckreife bei beiden Eltentieren vorhanden ist, und die kürzeste Zeit, in der die Begattung erfolgen soll, das sind etwa vier Tage vor dem legen des ersten Eies, kann man die vollzogenen Begattung als wirksam bezeichnen. Es unterliegt keinem Zweifel, dass auch mangelhafte Flugfähigkeit oder heftige Erregung bei Hähnen den Befruchtungsakt beeinträchtigen können. Schließlich kann auch das Fehlen sauerstoffhaltiger Luft oder zu hohe Stubenwärme die Entwicklung des Embryo beeinflussen. Abschließend sei bemerkt, dass die normale Kanarienhecke erst in der zweiten Hälfte des Monat März beginnen soll.

Parteke) Befruchtungsverhältnisse nicht immer zufrieden stellend.

Im Körper des Zuchtweibchens gibt es verschiedentlich verborgene Vorgänge, die eine Befruchtung der Eier verhindern. auch wenn der Hahn wirksam beflogen hat. . Es wird erkennbar, wenn z.B. bei einem Gelege von vier Eiern nur ein oder zwei befruchtet sind. Dass der Hahn getreten hat, beweisen die im Gelege befruchteten Eier. Die Vermutung, dass nur ein oder zwei Samensporen vorhanden waren, ist falsch, denn die natur arbeitet immer im Überfluss. In einem einzigen tritt sind eine Unmenge von Samensporen enthalten. Die Ursache muss also anderweitig gesucht werden. Es gibt Weibchen, die niemals ein unbefruchtetes Ei legen und solche, bei denen fast stets einzelne Eier schier sind oder die auch zwischen zwei Bruten sich ein vollständiges schieres Gelege leisten. Man kann also mit Sicherheit annehmen, dass Weibchen, die in den Verdauungsorganen vollkommen gesund und kräftig sind, stets befruchtete Eier legen, wie die Fütterung auch sein mag. Die teilweise schier legenden Weibchen sind an einzelnen etwas unpässlich, und daher finden im Körper Vorgänge statt, die eine normale Befruchtung verhindern.

Parteke) Selbständige Jungkanarien:

Das sicherste Zeichen der Selbständigkeit ist eingetreten, wenn sich die Schwänze der Jungvögel nicht nur gabeln, sondern auch eine schmale Form angenommen haben. Ist dies der Fall, so bringt man die Vögel für einige Tage in den Übergangskäfig und erst dann in den Flugkäfig Der Übergangskäfig soll so mindestens so groß oder etwas größer als der Heckkäfig sein. Im Flugkäfig muss genügend Gelegenheit vorhanden sein, sich tüchtig auszutummeln. Mit Rücksicht auf das Gesangsstudium der jungen Hähne ist es ratsam, von vornherein ein Trennung der Geschlechter vorzunehmen. Da der Flugkäfig eine Erholungsstätte darstellt, ist es notwendig, diesen nicht zu übervölkern. Für einen Käfig von einem Meter Länge rechnet man 15 Kanarien. Eine Überfüllung in den Flugkäfigen hat stets nachteilige Folgen, weil derartige Kanarien gern zum Federrupfen neigen. Die erste Gelegenheit bietet sich bei der Aufnahme des Futters an den Futternäpfen, indem sämtliche Vögel an die Futternäpfe wollen, und dabei häufig Streitigkeiten entstehen. In einem übervölkerten Flugkäfig können sich die schwächlichen Jungvögel nicht entwickeln, da sie durch die stärkeren Kanarien andauernd verdrängt werden. man sollte sein Augenmerk darauf lenken. Weiterhin ist wünschenswert, dass der Standort der Flugkäfige zugfrei und vor großen Störungen geschützt bleibt, so dass die gefiederten Pfleglinge auch während der kleinen Mauser unverändert an einem Platze verbleiben. Der Aufenthaltsraum aller Kanarien soll gut temperiert sein, denn ein sonnenloser, kühler Raum, eignet sich nicht oder müsste an allen anderen als warmen Sommertagen künstlich erwärmt werden. Giebelzimmer mit kalten Außenwänden sind immer ungünstig, am besten eignen sich kleinere Zimmer, die zwischen großen liegen und dadurch temperierte Wände haben, schmal sind, damit die Außenwand möglichst kurz ist und überdies nach Süden liegen und von den wärmenden Sonnenstrahlen beschienen werden können. Wärme und Reinlichkeit ist für alle Jungkanarien eine große Notwendigkeit, auf die geachtet werden muss.

(Parteke) Nach Schluss der kanarischen Hecke

In der Regel hat mit Ablauf des Monats Juli die Kanarienhecke ihr Ende gefunden. Nach dieser zeit wird immer etwas zu ergänzen oder zu verbessern sein. Die leer gewordenen Zuchtkäfige müssen gereinigt, gewaschen, desinfiziert und aus dem Heckzimmer entfernt und aufbewahrt werden. Die alten Brutweibchen werden dann gesellig in größere Käfige getan, wo sie sich von ihren Anstrengungen ausruhen können, bis der Gefiederwechsel eintritt. Je zeitiger die Mauser einsetzt, desto schneller geht sie vor sich. Geschieht dies erst in der kälteren Jahreszeit, dauert die Mauser entschieden länger und geht auch nicht so glatt von statten. Nach sieben bis acht Wochen kann die Mauserzeit bei den Elterntieren als beendet betrachtet werden, wobei das gesamte Gefieder erneuert wurde. Bei den Jungkanarien beginnt die erste Mauser, auch Jugendmauser genannt, im Alter von zwei bis drei Monaten. Hierbei verliert der Jungvogel die kleineren federn am Kopf, hals und Rücken und an der Brust. Alle übrigen federn, wie z.B. die längeren Flügel – und Schwanzfedern, werden in der Hauptmauser des darauf folgenden Jahres erneuert. In der Regel vollzieht sich die Jugendmauser fast unbemerkt, und man findet lediglich im Käfig oder in dessen Nähe einige kleine Federchen. Während des Mauserprozesses wird das Studieren des Kanarienliedes keineswegs eingestellt, sondern fortgesetzt. Auch wenn die Vorsänger infolge der Mauser ihren Gesang eingestellt haben, sind die Junghähne keineswegs sich selbst überlassen, denn es gibt im Flugkäfig gleichfalls gewisse vorlaute schneidige Junghähne, welche gesanglich die Führung übernehmen, und die übrigen Junghähne folgen willig. Ist ein solcher Führerjunghahn gesanglich gut veranlagt und ruhig im Gesange, kann man ihn ruhig gewähren lassen. Vereinzelt kommen bei der Jugendmauser nicht alle Jungvögel gleich gut durch, und es wird immer welche geben, die aufgeplustert auf dem Sprungholz oder am Futternapf sitzen und eingehen. Begünstigt wird der Verlust infolge Fütterungsübergang von der Nahrung der Elterntiere im Heckkäfig zu der selbständigen, vorzugsweisen Körnernahrung im Flugkäfig, wobei letzten Endes im Verein mit der Mauser die so genannte Fresssucht das ihrige zur Erschöpfung des Vogels beiträgt, worauf besonders zu achten ist.

(Parteke) Gute Leistungen der Kanarien-Junghähne

werden schneller erreicht, wenn bereits im Flugkäfig auf alle Vorkommnisse genau geachtet wird. Damit der Erfolg nicht hinter den Erwartungen zurückbleibt, ist es zweckmäßig, eine Trennung der Geschlechter vorzunehmen, damit die Junghähne durch die Jungweibchen beim Studieren nicht gestört werden. Auch kann man mit dem Ausmerzen im Flugkäfig beginnen, und zwar werden zunächst alle diejenigen Hähne entfernt, die den Schnabel beim studieren weit öffnen. Ein gutes Zeichen bleibt nach wie vor, der fast geschlossene Schnabel des Vogels sowie die ruhige Haltung desselben auf der Stange. . Hähne mit leichten Fehlern sind vorläufig nicht auszumerzen, denn es kann vorkommen, dass Fehler mit fortschreitender Gesangsentwicklung allmählich verschwinden. Ferner dürfte es von großem Nutzen sein, den Vorsänger schon jetzt in unmittelbarer Nähe bei den Junghähnen aufzustellen. Hierbei ist besonders darauf zu achten, dass derselbst außer Sehweite der Junghähne platziert wird, damit jede unnötige Aufregung vermieden bleibt und auf diese Art der Gesang in ruhiger Weise zum Vortrag gelangt. Bekanntlich soll der Vorsänger möglichst der Vater der Junghähne und ohne jeden Fehler sein. Da es vollkommen fehlerfreie Hähne nur selten gibt, ist darauf zu achten, dass die gesanglichen Leistungen keine spitzen, harten Klingeln oder Pfeifen enthalten sowie auch frei von scharfen Aufzügen und näselnden Touren bleiben. Zum guten Vorsänger gehören klangvolle Touren mit Übergängen.

Es gibt Zuchtfreunde, welche die Ansicht vertreten, möglichst früh mit der Zucht aufzuhören und sich der Ausbildung zu widmen. Doch wird die Absicht meist nicht ausgeführt, weil eben die erste Brut ungünstig ausfiel und um die beabsichtigte Zahl zu erreichen, gewöhnlich bis in den Monat August hinein gezüchtet wird.

Würde man statt Anfang bzw. Mitte März 4 Wochen später mit der Zucht beginnen, und dann bis Mitte August, also 4 Monate die Zucht aufrechterhalten, so würde man wahrscheinlich ein besseres Resultat erzielen und so manche Unannehmlichkeiten und Kosten ersparen.

(Parteke) Die kanarische Gesangsentwicklung

Die Zeit zur Beobachtung und Beurteilung der Gesangsübungen bei den Junghähnen im Flug ist gekommen. Ein Jubilieren und Musizieren schallt dem Züchter munter und lebensfroh entgegen, wenn er den Raum in dem sich seine gefiederten Lieblinge befinden betritt. Es ist ein buntes Durcheinander von Stimmen und Tönen, teils noch verworren, teils schon glockenrein. Der Wettstreit aus zahlreichen kleinen Vogelkehlen beginnt. Die Zeit der Gesangsübungen ist von großer Bedeutung, sie erfordert viel Umsicht und Aufmerksamkeit, denn von ihr hängt der erwünschte Enderfolg ab. Besonders pocht das Züchterherz wenn aus der Schar der Junghähne die ersten tiefen Töne in Hohl, in Knorre oder die ersten tiefen Pfeifen und vereinzelt gar schon Schockelschläge ertönen. Freudestrahlend wird sortiert und manche Auswahl getroffen, denn dieser oder jener Junghahn verspricht ein Primaner oder jener Hahn ein Wettbewerbshahn zu werden. Das ständig scharfe Beobachten der Junghähne, das kritische Beurteilen des werdenden Gesanges sollte man nie außer Acht lassen. Insbesondere sind Junghähne mit gesanglichen Fehlern, mit schrillen, scharfen Tönen, spitzen Pfeifen und Aufzügen festzustellen und von den übrigen Vögeln zu entfernen. Es darf keine Zeit reuen, aber auch keine Arbeit und Mühe verdrießen, bis nicht der letzte grobe Fehler entdeckt und die Urheber entfernt wurden. In diesem Zusammenhang wird auf die Notwendigkeit eines geeigneten Vorsängers, den natürlichen Lehrmeister der Junghähne, aufmerksam gemacht. Es ist keineswegs einerlei, wie der Edelroller sein Lied zusammensetzt und in welcher Reihenfolge er seine Touren zum Vortrag bringt. Dies gilt insbesondere für solche Junghähne, die später für kanarische Wettbewerbe in Frage kommen. Bekanntlich ist für die Junghähne derjenige der beste Vorsänger, der die gleiche Gesangsrichtung, also die gleichen Stammeseigenschaften aufweist. Man verwende möglichst die eigenen Väter der Junghähne, weil sie schon von frühester Jugend an ihre Stimme gewöhnt sind.

(Neise) Einbauerung der Junghähne und Vorbereitung zur Ausstellung

Nachdem sich unsere Junghähne im Flug zu kräftigen Hähnen entwickelt haben, beginnt Ende September, Anfang Oktober deren Einbauerung. Man achte darauf, dass alle Hähne gut abgemausert haben. Um den Hähnen den Übergang etwas zu erleichtern, warte man noch einige Tage, erst dann kommt ein Schieber zwischen die Käfige. Zuerst wird einige Tage Ruhe herrschen, bis dann die Hähne wieder mit dem Studium beginnen. Nach alter Gewohnheit kommen die Junghähne der Abstammung nach nebeneinander, um sich gesanglich besser unterstützen zu können. Der Züchter soll sich aber hierbei nicht gar zu viel versprechen, denn nach kaum drei Wochen hat sich im Regal schon ein ganz anderes Bild ergeben und kein Züchter fragt mehr danach, ob die Abstammung noch nebeneinander steht.

Nach einigen Wochen, wenn die Hähne voll in Touren gehen, hören wir die Gesangsfehler heraus. Diese Hähne müssen sofort entfernt werden und kommen außer Hörweite der anderen. Dagegen sollte der Züchter Milde walten lassen, wenn einige tief veranlagte Hähne zu kleinen gesanglichen Unebenheiten neigen. Damit die Vögel nicht von früh bis abends singen, ist es notwendig, dieselben abzublenden (nicht verdunkeln). Die Hähne sollen gedämpft noch hinter dem Vorhang singen, das ist ein Zeichen ihres Wohlbefindens. Oft wird gefragt, ist ein Vorsänger erforderlich? Diese Frage möchte ich verneinen. Alle Touren unserer Hähne werden vererbt und nach Veranlagung des Stammes gebracht. Jeder vorwärts strebende Züchter ist natürlich bemüht, seine Hähne möglichst lange auf gesanglicher Höhe zu halten. Zwei Faktoren spielen hierbei eine wesentliche Rolle, das Futter und die Temperatur. Bei reinem Rübsen und täglich eine Prise Eifutter sowie bei mäßiger Temperatur kann man viel erreichen. Es ist zu empfehlen, die oben angeführten Hähne mit groben Gesangsfehlern nach Wochen noch einmal abzuhören. Oft kann der Züchter feststellen, dass mancher in den Grundtouren seinen Stammesgenossen noch überlegen ist. Wenn auch der Züchter schon beim Abhören im Regal die besten Hähne herausgefunden hat, so kommen doch nochmals alle Hähne Kollektionsweise auf den Tisch, erst dann hat man die Gewähr, das Beste gefunden zu haben. Diese Auserwählten stellt man sechs bis acht Tage vor der Einlieferung ein- bis zweimal eine halbe Stunde auf den Tisch. Züchter, welche noch nicht über die Gesangskenntnisse verfügen, tun gut, sich von einem älteren Züchter beraten zu lassen.

(Parteke) Bessere Ausbildung im Kanarien-Gesangskasten

In früheren Zeiten hatte man für die Gesangsausbildung lediglich nur Regale und so genannte Gesangsspinde in Anwendung gebracht. Es ist kaum anzunehmen, dass sich heute noch Züchter derartige veraltete Einrichtungen beschaffen, denn die Ausbildung in diesen bleibt stets eine mehr oder weniger nur summarische, weil es nicht möglich ist, in einem Spind oder Regal die Entwicklung des einzelnen Sängers gesanglich in genügendem Maße zu verfolgen und zu berücksichtigen. Dies ist auch die Meinung maßgebender Zuchtrichter.

Der neuzeitliche Gesangskasten dient zur Aufnahme des Einsatzkäfigs nebst Edelroller, worin der Junghahn seine Gesangsausbildung vollendet. . Gesangskästen müssen in der Gesangskanarienzucht benutzt werden, denn ohne diese sind wirkliche Primaner nicht zu erzielen und zu erhalten. In einem gut gebauten Gesangskasten besitzt der Zuchtfreund ein geeignetes Mittel, einen Vogel selbst in einer stark bevölkerten Stube soweit zu isolieren, wie es notwendig ist, um ihn dem Einfluss der anderen Hähne zu entziehen, ihn genau zu beobachten und gründlich abzuhören. Schließlich gewährt ein Gesangskasten die Möglichkeit , jeden auszubildenden Hahn in dem Maße dunkel zu halten, wie es erforderlich erscheint, um die Gesangslust auf Zeit zu vermindern oder den Schall seiner Stimme zu dämpfen. Mit dem Gesangskasten verträgt jeder Edelroller eine Veränderung seines Standortes viel leichter bzw. ohne Störung.

Vor einiger zeit bot sich die Gelegenheit, bei einem Zuchtfreund einen ganz neuartigen, Selbstkonstruierten Gesangskasten in Augenschein zu nehmen, bei dem durch eine so genannte Resonanzrückwand eine bedeutend bessere Tonwirkung erzielt wurde.

Aus Sparsamkeitsgründen kann man sich Gesangskästen selbst anfertigen. Hierzu verwendet man gewöhnliches Tannenholz. Es kostet aber auch kein Vermögen, sich Gesangskästen aus Sperrholzplatten zu bauen. Von den verschiedenen Größen haben sich die Kästen mit folgenden Abmessungen am besten bewährt. Das Innen bzw. Lichtmaß beträgt 280 X 200 X 260 mm. Der Zwischenraum zwischen Einsatzkäfig und den Gesangskastenwänden soll auf beiden Seiten je 20 mm betragen.

(Parteke) Mehr Freude durch bessere Hohltouren

Gute Hohlrollen im Kanarienlied werden immer gern gehört. Gerade diese Tour, als Haupttour, bildet die Grundlage des Edelrollerliedes, wie sie auch unter allen Touren den größten Tonumfang besitzt. Deshalb auch ihre Beliebtheit nicht nur bei Laien, sondern auch bei Kennern. Wenn gutes Hohl in einem Stamme fehlt, kann überhaupt kein formvollendetes Lied zustande kommen. Wer aufmerksam auf den Vortrag dieser Tour achtet, wird beobachten können, dass der Schnabel, sobald der Vogel eine tiefe Hohlrolle singt , fast geschlossen ist, während eine Hohlrolle im anderen Falle stets mit mehr oder weniger geöffnetem Schnabel gesungen wird. Bei einer tiefen Hohlrolle, wo die Vokale ü und u brillieren, kann man sehen, wie sich hals und Kehle anstrengen. Der innere Hohlraum des Halses bläht sich fast zu einer Halbkugel auf. Die Klangfärbung wird geschwächt durch das mehr oder weniger Öffnen des Schnabels. Sobald der Edelroller seinen Schnabel auch nur eine Kleinigkeit öffnet, kommt der Nasallaut sofort zum Vorschein. Der Konsonant „r" gibt dieser Tour das Gepräge und je nach Lage und Gangart hören wir als Vokal ein „ü", „o", „u". Für den Wohlklang ist es notwendig, dass der Konsonant und der Vokal in gleicher Stärke zu Gehör gebracht werden, ausgenommen in der U-Lage.

In der so genannten Bogenhohlrolle verschwindet oft das rollende „r" und wir hören nur noch den tiefen „u"-Vokal. In diesem Stadium sprechen wir von einer heulenden Hohlrolle. Dieselbe ist, in dieser Form zum Vortrag gebracht, äußerst wertvoll und gelingt nur wenigen Hähnen. Wird die Hohlrolle auf „rü-rürü" gebracht, so ist es eine gerade Hohlrolle in der ü-Lage, die wir mit „genügend" bezeichnen. Tiefere Hohlrollen auf „o" oder „ü" können zwar auch in gerader Form gebracht werden, hören sich aber ihres Wohlklanges wegen viel besser an und verdienen, je nach Güte und Tiefe, mehr Bewertung.

Am besten und wertvollsten ist der Wohlklang in der u-Lage. Bei der Gangart wie z.B. „rü-rürü, ro-ro-ro, ru-ru-ru, ohne dass zwischen den einzelnen Tonlagen eine Unterbrechung stattfindet, ist es eine nach Abwärts gebogene Hohlrolle, deren Wohlklang verschönert wird, wenn der Gelbrock möglichst lange in der tiefsten Lage verbleibt und den Vokal deutlich zu Gehör bringt. Ebenso wertvoll und schön hört sich die Tour in umgekehrter Reihenfolge an, wenn sie der Vogel von unten nach oben ertönen lässt.

(Parteke) Gern gehörte Knorren

Neben der Hohlrolle als Haupttour nimmt die Knorre eine bevorzugte Stelle ein. Bedingt durch ihre tiefe Tonlage, ist sie gut dazu geeignet, den Kanarienstamm im Lied zu verbessern, da sie als tiefste Tour unter den Hohlrollen dem Liede Geschmeidigkeit und Würze verleiht. Die Gangart dieser Tour ist verschieden, fehlt sie aber in einem Stamm, vermissen wir sie sehr, weil wir es als selbstverständlich annehmen, dass jeder Gesangskanarienstamm Knorren bringt, und wenn es auch nur Knorrenansätze sind. Ohne Knorre ist der beste Sänger nicht das, was er sein soll. Diese Tour gehört in ihren tiefsten Brusttönen genauso zum Kanarienlied, wie der Bass zur Streichmusik. Deswegen kein Edelroller ohne Knorre.

Ganz abgesehen davon, vereinigt die Knorre in sich die voll- und hohlklingenden Grundtöne „o" und „u" als Vokale. Kommt nun das „o" bei der Knorre zur vollen Geltung, dann ist für dieselbe der richtige Ausdruck geschaffen. Anders beim „u". Das „u" liegt am tiefsten und Knorren auf „u" sind die wertvollsten. Die Grundtöne „o" und „u" werden von den Konsonanten „r" doppelt begleitet, als „rr", das ist das wesentliche hierbei. Eingeleitet wird die Knorre mit einem kaum hörbaren, weichen und zarten „k" als Konsonant und wird mit den Grundtönen „o" und „u" durchgeführt. Da die Knorre eine Brusttour ist, muss sie mit voller Kraft und mit fast geschlossenem Schnabel zum Vortrag kommen. Das „r" soll nicht nur weich erklingen, es darf auch nicht getrennt von den Vokalen „o" oder „u", also nicht stoßweise, gebracht werden. Das „o" und „u" soll voll, rund und vor allen Dingen hohl zu hören sein. An der Kehle muss es dem Sänger anzumerken sein, wenn er knorrt und sich förmlich in die Gangart einbohrt, und zwar in „korrorrorr", „kurrurrurr" oder „gorrorrorr" bzw. „gurrurrurr".

Bringt ein Hahn mehrere Lagen Knorren und geht von einer Lage in die andere, so nennen wir diesen Vorgang schraubende Knorren. Besonders ist ein Vortrag als wirkungsvoll anzusprechen, wenn eine Kollektion zusammen „knorrt". Wer derartige Kollektionen besitzt und an den Stammeseigenschaften festhält, ist mit seinem Stamm schwer zu besiegen.

(Parteke) Entwertungstouren im Kanarienlied

Nachdem über die einzelnen Werttouren wiederholt Betrachtungen angestellt wurden, soll nun auch zum besseren Verständnis der Entwertungstouren einiges gesagt sein. Die Fehltouren, die bei fehlerhaften Sängern immer wieder vorkommen, erfreuen keinen Zuchtfreund. Besonders in der Zeit, wo sich die Junghähne im Flugkäfig befinden, sind sie sehr aufnahmefähig und nehmen leicht an, was ihnen gesanglich geboten bzw. vorgesungen wird. Wenn gute Sänger schnell schlechte Gesangstouren annehmen, so ist es begreiflich, dass dies noch eher der Fall ist, wenn die Junghähne während ihrer gesanglichen Ausbildung ständig fehlerhafte Sänger um sich haben.

Nach den bisherigen Erfahrungen sollte man Vorsicht walten lassen und solche Hähne aus dem Flugkäfig bzw. Flugraum entfernen. Besonders nachteilig wirken alle Touren, die hoch, spitz, scharf, breit, flach, hart oder näselnd gebracht werden. Für weniger Geübte kann als Regel gelten: Alle Touren, die mit weit geöffnetem Schnabel ertönen, sind Fehltouren, die das Ohr des Hörers beleidigen. Ihre Mitlaute „s", „ss", „z", „w" und „n" hören sich hässlich an, ebenso einzelne Beiwörter und schlechte Lockrufe.

Ein weiterer oft schwer auszurottender Fehler sind die Aufzüge verschiedenster Art. Solange sie weich und als Übergänge von einer Tour zur anderen in Erscheinung treten, kann man sie bei sonst gut singenden Kanarien in Kauf nehmen. Sobald sie jedoch hart, scharf oder reißend zum Vortrag gelangen, wirken sie abstoßend. Früher sagte man, Aufzüge und spitze Pfeifen vererben sich nicht, heute hat man aber längst erkannt, dass es doch der Fall ist. Eine spitze Pfeife hat zwar weniger zu sagen, wenn der Hahn nur zum Befliegen in den Heckraum kam und als Vorsänger nicht verwendet wurde. Aufzüge aber vererben sich. Die Nachzucht bringt die Fehler ihrer Väter meist in noch verschärfter Form zum Vorschein, auch wenn Vorsänger verwendet wurden, die von diesen Fehlern frei waren. Künftig sollte auf die Führung unserer Zuchtbücher viel mehr Wert gelegt werden, denn sie sind ein gutes Nachschlagewerk zur Erforschung der Vererbungsgesetze in gesanglicher Beziehung bzw. in der Vermeidung fehlerhafter Touren.

(Parteke) Über Fragen des Kanarienliedes

Tiefe Touren im Liede des Edelrollers haben etwas an sich, was jedem Kenner imponiert. Bei fast geschlossener Schnabelstellung hören sich die gesanglichen Leistungen allerdings besser an, besonders bei Knorren die vom O zum U übergehen. Eine derartige Tour kann man als die wertvollste bezeichnen. Wird hierbei die Tonlage gewechselt, haben wir es mit einer hervorragenden Knorre zu tun, die jeden Zuchtfreund begeistert. Die Bezeichnungen „bohrende" oder „schraubende" Knorren haben von dieser Gangart ihre Benennung erhalten. Ferner wird für die tiefste, rauschende Gangart, bei der sich unschwer das Hohl heraushören lässt, die Bezeichnung „Hohlknorre" in Anwendung gebracht. In diesem Zusammenhang sei noch die „Hohlwasserknorre" erwähnt, eine Bezeichnung, die ebenso falsch ist, wie die Benennung der „Gluckknorre". Auch hier gilt es zu unterscheiden, ob es Wasserrolle oder Knorre ist, was der Edelroller zum Vortrag bringt. Wenn z.B. Knorren zu sehr verwässert sind, haben sie ihren Wert eingebüßt, das rollende „R" ist dann kaum noch zu hören. An dessen Stelle tritt das dem Wasser sein Gepräge gebende „bl", und es entsteht ein Tongebilde, das mit dem Ausdruck Knorre keine Gemeinschaft mehr hat. Solche Knorren hören sich nicht schön an, sie sind entartet und finden wenig Anklang. Jeder Edelroller, der Knorren in verschiedenen Lagen von sich hören lässt, ist ein wertvoller Sänger, wie überhaupt die Verschiedenheit der einzelnen Touren von der Beschaffenheit des Singmuskelapparates abhängt. Es ist daher vorteilhaft, bereits vor Beginn der Zuchtperiode die richtige Zuchtwahl der Elterntiere mit Hilfe des Zuchtbuches bzw. begrenzte Inzucht der Gesangsorgane der Nachzucht so zu gestalten suchen, damit die entsprechende Tiefe der gesanglichen Leistungen erreicht werden kann. Wer über langjährige Erfahrungen und gute Gesangskenntnisse verfügt, dem dürfte es nicht schwer fallen, das Gewünschte zu erreichen. Misserfolge sollten jedoch hierbei niemanden von seinem Vorhaben abschrecken.

(Parteke) Unser Edelroller einst und jetzt

Im allgemeinen sagt man, Gesang ist Gesang, und dennoch ist er sehr verschieden. Unsere Edelroller beherrschen ihr Lied und singen aus verschiedenem Anlass. Es wird behauptet, der Gesang sei ein Naturtrieb, und der Gelbrock singe nur deshalb, um die aufgespeicherte kraft zu betätigen. Diesen Feststellungen ist durchaus beizupflichten. Wenn sich z. B unsere Junghähne morgens durch die Futteraufnahme gesättigt haben, beginnen sie sehr bald mit den gesanglichen Leistungen. Es ist ein Ausdruck des Wohlbefindens und der angesammelten kraft, der sich im drang zum Gesang bemerkbar macht.

Das ererbte Kanarienlied vollzieht sich programmmäßig und wird ohne weitere Anzeichen zum Vortrag gebracht. Stellen wir z.B. eine Kollektion zusammen, so regt einer den anderen an, und jeder sucht den anderen zu überbieten. Der Kanarienvogel hat für den Gesang eine natürliche Veranlagung. Bei unseren Kanarien geht es vorwiegend um gesangliche Leistungen sowie die Erzielung brauchbarer und gut vererbender Weibchen, mit denen wir uns einen Stamm aufbauen können. Benötigt werden Weibchen aus bester Abstammung, die ihre Mutterpflichten erfüllen und uns eine gute Nachzucht schenken. An solchen gut vererbenden Weibchen haben wir unsere Freude, sie sind uns genauso viel wert wie der beste Hahn in unserer Zucht. Diese Feststellung machten bereits vor vielen Jahrzehnten die Zuchtfreunde im Harzgebiet, die trotz ihrer schweren Bergarbeiten die zeit fanden, den damaligen Kanarienvogel im Gesang zu verbessern. Man verfolgte hierbei das Ziel, besonders den Singmuskelapparat zu formen, um möglichst hohe gesangliche Leistungen zu erzielen. Auch heute streben viele Zuchtfreunde dahin, aus der kleinen kehle des Edelrollers weitere Erfolge herauszuholen, auch wenn der Natur Grenzen gesetzt sind.

In diesem Zusammenhang müssen wir Altmeister Trute , St. Andreasberg, erwähnen, der jahrzehntelang an der Veredelung seines Kanarienstammes arbeitete, bis ihm sein züchterisches Werk gelang, den deutschen Edelroller in höchster Vollendung auf die Stange zu bringen. Durch geschickte und überlegte Zuchtwahl, die sich auf langjährige Erfahrung aufbaute, erreichte Trute in seinem Stamme eine reiche Mannigfaltigkeit, die sich in der Länge und Tiefe der Touren bemerkbar machte. In dem reichhaltigen Vortrag waren besonders die Hohltouren verschiedener Gattungen vertreten, unter denen die markante Hohlrolle, gerade und gebogen, steigend und fallend vorgetragen wurde. Das letzte Prachtstück, die fallende Hohlrolle, verstanden die kleinen Primaner so wehmütig ertönen zu lassen, dass man davon hingerissen wurde und es einem schien, als wolle der kleine Sänger in seinem schwermütig Hingehauchten Lied der Umgebung sein Leid klagen. Und wie meisterhaft verstanden die Sänger des Altmeisters Trute das hohle Biegen. Da wurde von den besten der Primaner alles erdenklich Gute mit Sicherheit und Klarheit zum Vortrag gebracht.

Soweit wir aus alten Überlieferungen entnehmen konnten, wurde Wilhelm Trute am 05. März 1836 als einziger Sohn des Bergmannes Georg Konrad Trute und seiner Ehefrau Johanna Henriette Elisabeth, geb. Keidel zu St. Andreasberg geboren und starb am 20. Oktober 1889. In den Spalten der Fachliteratur hatte man vor vielen Jahren die unermüdliche Arbeit von Wilhelm trute auf dem Gebiet der Gesangskanarienzucht gewürdigt. Mit der Auswertung seiner Zuchtergebnisse hat Trute der kanarischen Züchterwelt große Dienste erwiesen. „Dieser einfache, schlichte Bergmann hatte ein Verständnis in der Ausbildung des Kanariengesangs wie kein zweiter jener Zeit" konnte man in der damaligen Fachliteratur lesen.

Die vorgenannten Feststellungen machen die Zusammenhänge der Edelrollerzucht in der Vergangenheit nicht nur zu einer fesselnden Schilderung über das Kanarienlied, sondern auch zu einer Würdigung des Altmeisters, der sich für die Veredelung der gesanglichen Leistungen voll und ganz einsetzte. Altmeister Trute wollte nie abseits stehen, und mit gutem Talent ausgerüstet, hat er immer wieder bewiesen, was sein Kanarienstamm an gesanglichem Können besaß.

Die Chronik hat von Wilhelm Trute überzeugend die guten gesanglichen Leistungen seines Kanarienstammes geschildert und das kanarische Gebiet zu damaliger Zeit wahrheitsgetreu dargelegt. Ohne auf Einzelheiten näher einzugehen, können wir uns nicht verschließen, die Verdienste des Altmeisters Trute um die Veredelung der Kanarienzucht voll Bewunderung anzuerkennen.

(Parteke) Kanarien fressen mit Vorliebe Glanzsamen

Zum Aufbau bzw. zum Wachstum des Vogelkörpers ist neben Rübsen als Hauptnahrung der Glanzsamen als meistverbreitete Futterart in unserer Kanarienzucht von besonderem wert. Der Korninhalt der so genannten Spitzsamens ist mehhaltig und von harter Beschaffenheit, deren hauptsächlichste Bestandteile, wie Kieselsäure, Salz, Kalk, Natron, Schwefel und Eisen, gute Wirkungen auf den Vogelorganismus ausüben. Seine reichhaltige Verdaulichkeit und die reichhaltigen Nährwerte sichern ihm unter den Futtermitteln eine bevorzugte Stelle. Die in reichlichen Mengen vorhandene Kieselsäure (61 %) hat einen besonderen Einfluss auf die Bildung der federn und ist notwendig, um ein glattes anliegendes Gefieder herzustellen, ebenso hat sie auch den Zweck, die neuen Federn Widerstandsfähiger zu machen. Besonders zur Mauserzeit, wenn der Gefiederwechsel beginnt, ist eine regelmäßige Verabfolgung von Glanz dienlich. Bei ungenügender Zufuhr von Glanzsamen leidet die Federbildung. Hellglänzendes Korn und recht großkörnig zeugt von guter Qualität, während dunkle Körner unreif oder verdorben sind. Im Allgemeinen wird der Glanzsamen von unseren Gelbröcken gern genommen, und es besteht kein Zweifel, dass eine rationelle Glanzfütterung keinen nachteiligen Einfluss auf den Gesang ausübt. In reichlichem Maße verabreicht, reizt derselbe zu übermäßig lautem Singen und hitzigen Momenten an. Kalt überwinternden Weibchen, denen man zu Rübsen auch genügend Glanzsamen verabreicht, werden selbst die kältesten tage nicht schaden. Gerade zur Winterzeit sei man nie zu sparsam mit der Glanzfütterung, sondern gebe reichlich und oft. Auch erkrankten Kanarien wurde der Glanzsamen bei richtiger Anwendung häufig ein Heilprodukt. Man achte besonders darauf, dass der Samen nicht nur in bestem und reinstem Zustande, sondern auch vollkommen reif und trocken sowie ungehülst verabreicht wird. Entschälter Samen ist naturwidrig, denn der Vogel soll für seinen Schnabel durch das Enthülsen die erforderliche Arbeit finden. Auch wird der Schnabel durch das Enthülsen der Samenkörner vor Missbildungen bewahrt. Gerade der Schnabel ist für den Kanarienvogel besonders wertvoll und verdient sorgfältigste Beachtung.

(Parteke) Gesangskanarien und ihre Fütterung

Die frage der Fütterung unserer Gesangskanarien zu beantworten ist nicht einfach, weil viele Dinge zu beachten sind. Wer ernstlich denkt, und nicht zu denen gehören will, , die im Voraus alles besser wissen, dürfte erkennen, dass ei rasches urteil übereilt ist. In Wirklichkeit gibt es kein Futtermittel, auch keine Singperlen, die den Gesang des Edelrollers günstig beeinflussen. Wir können lediglich auf den Gesangsvortrag einwirken, indem wir die Gesundheit und das Wohlbefinden des Vogels regulieren. Jeder Edelroller, der gesanglich sein bestes hergeben soll, muss sich gesundheitlich Wohlfühlen. Ist dies nicht der fall, dann fehlt ihm die Stimmung, sein bestes Können zu gehör zu bringen. Nicht ein Zuviel an irgendwelchem Kraftfutter fördert das allgemeine Wohlbefinden, aber auch nicht eine zu einseitige Fütterung oder sonstige Leckerbissen erwecken den Lebensmut für bessere gesangliche Leistungen. Voraussetzung für den gewünschten Erfolg bleibt nach wie vor die erbliche Veranlagung. Ist also der Edelroller von Grund auf zu guten gesanglichen Leistungen nicht veranlagt, dann sind alle erdenklichen Mittel zwecklos, denn meist sind es die angeborenen Erbanlagen, die den Sänger befähigen, sein Lied kraftvoll und in den tiefsten Lagen zu bringen.

Es wäre trotzdem falsch gehandelt, seine Sänger auf Grund der mangelhaften Leistungen in der Verabfolgung des Futters zu schmälern. Hier sollte man etwas mehr überlegen, und die Wirkung der verschiedenen Futtermittel doch mehr abwägen. Bekanntlich haben alle Vögel freie Wahl und werden instinktiv nur das zu sich nehmen, was ihnen bekommt. In der Gefangenschaft ist jeder Vogel, also auch der Edelroller, auf das angewiesen, was wir ihm vorsetzen und oft gezwungen, es zu nehmen, obgleich es ihm nicht behagt und vielleicht seiner Gesundheit schädlich ist. Unübertrefflich in seiner Wirkung ist das Eifutter doch gibt es Zuchtfreunde, welche eine möglichst einfache Bedienung in der Fütterung ohne weitere Überlegungen wünschen. Gerade über die Futterfrage wurde an dieser stelle vielfach berichtet. Die einen preisen dies, die anderen preisen jenes und so mancher verurteilt scharf, was der nächste warm empfiehlt. Jeder aber glaubt zu wissen, seine Anregung scheint die Beste zu sein. Da in der Kanarienzucht allerlei Sämereien Verwendung finden, die mehr oder weniger vorzügliche bzw. wirksame Bestandteile besitzen, hat sich die bereits seit vielen Jahren erprobte Körnermischung bewährt. Es ist einfach, wenn man unseren Kanarien ausschließlich Rübsenkost zumutet, obwohl Rübsen als Hauptnahrung anzusprechen ist. So fest man davon überzeugt ist, dass ein gut schmeckender Rübsen von jedem Kanarienvogel gern aufgenommen wird, so soll man sich doch der Erkenntnis nicht verschließen, dass mit Hilfe des Mischfutters als beikost gewisse Vorzüge zu erwarten sind.

Wer sich z.B. die einzelnen Körnerarten kommen lässt, wird daran denken müssen, dass die Mischung niemals planlos vorgenommen werden soll. Man kann also beispielsweise beim Mauserprozess nicht das gleiche Mischungsverhältnis anwenden, wie es sonst für Hähne während der Gesangsausbildung geschieht. Ebenso sollten kalt überwinternde Weibchen eine andere als in der zeit der Heckperiode erhalten.

Unsere größte Aufmerksamkeit sollte es sein, ein Mischfutter zu mengen, das den Kanarienvögeln auch tatsächlich zusagt, also die Nährstoffe in ein richtiges Verhältnis zueinander bringt. Wenn jede Körnersaat ihre Bedeutung hat, die sich zum größtmöglichen Nutzen für den Vogel auswirkt, so achte man auf die Mengenverhältnisse und wähle ein Körnerfutter nach folgenden erprobten Mischungen:

Mischung 1: Kalt überwinternde Weibchen müssen an besonders kalten Tagen ein fetthaltigeres Körnerfutter erhalten. Nachstehende Mischung dürfte als besonders fetthaltig zu betrachten sein. Zu einem Kilo Mischfutter rechnet man folgende Sämereien: 150 g Hanf, 50 g geschälten Hafer, 100g Mohn, 100g Lein, 300 g Negersaat und 300g Glanz.

Mischung 2: Ist es weniger kalt, so erhalten die Zuchtweibchen ein Mischfutter in folgender Zusammensetzung: 650 g Glanz, 100g Mohn, 50 g Lein, 150 g geschälter Hafer, 50 g Buchweizengrütze.

Mischung 3: Während der Brutzeit, also nachdem Nestlinge vorhanden sind, ist es vorteilhaft, die Speisekarte für unsere Kanarien etwas reichhaltiger zu gestalten. Es empfiehlt sich folgende Mischung: 100g Glanz, 300 g Negersaat, 100g geschälter Hafer, 75 g Mohn, 25 g Buchweizengrütze, 25 g Hirse, 50 g Lein.

Mischung 4: Mischfutter für Jungvögel im Flugkäfig. Zumal die Jungkanarien zunächst dasselbe Futter wie im Heckkäfig erhalten, dürfte sich folgende Mischung empfehlen: 800 g Glanz, 100 g Salatsamen, 100 g Mohn.

Mischung 5: Mischfutter für mausernde Kanarien. Abgesehen von den mitteln, die den Mauserprozess begünstigen bzw. beschleunigen, hat sich ein Mischfutter in folgender Zusammensetzung bestens bewährt: 800g Glanz, 200 g Hanf.

Mischung 6: Mischfutter für Hähne während der Gesangsausbildung. Übermäßige Verabfolgung von Mischfutter während der Gesangsausbildung stört den normalen verlauf, man sei deshalb nicht zu verschwenderisch und reiche nur ganz geringe Mengen. Dasselbe setzt sich wie folgt zusammen:

500 g Glanz, 200g Negersaat, 75 g geschälter Hafer, 100 g Salatsamen, 75 g Mohnsamen, 50 g Lein.

In diesem Zusammenhang wird noch darauf hingewiesen, dass guter Sommerrübsen seit alters her die Hauptnahrung des Kanarienvogels bildet und stets gesondert verabfolgt wird.

Der Genuss des bekömmlichen Mischfutters kann neben seinem unbestreitbaren Nutzen auch gewisse gefahren mit sich bringen, wenn der Korninhalt nicht ausgereift, verdorben oder in zu reichlicher menge verfüttert wird. Durch die Zufuhr der verschiedenen Lebensstoffe, die in der Mischfütterung enthalten sind, werden dem Vogelkörper alle Bausteine geboten, die er zum Aufbau seiner Körperzellen bedarf. Durch Zufuhr des vorteilhaften Mischfutters in bestimmten Rationen dürfte eine gehaltreiche Ernährung erzielt werden. Jeder Zuchtfreund wir diese Aufgabe umso freudiger erfüllen, je mehr Verständnis er seinen anvertrauten Gelbröcken entgegenbringt.

(Parteke) Große Mauser:

Richtiges Füttern fördert die Mauser. Unseren Kanarien wächst zur rechten Zeit ein neues Kleid, dem kein Mangel anhaftet, wie auch die regelmäßige Neubildung des Federkleides keine Krankheit, sondern einen natürlichen Vorgang darstellt. Wenn die heiße Jahreszeit vorüber ist, beginnt die Mauser bei den Altkanarien, die je nach den Umständen sechs bis acht Wochen dauert. Bei Eintritt der kalten Jahreszeit haben dann unsere Kanarien ihr neues Gefieder, das sie vor Erkältung schützt und ihnen nebenbei ein sauberes und schmuckes Aussehen verleiht.

Die abgelaufene Zuchtperiode stellt in Verbindung mit der beginnenden Mauser mancherlei Anforderungen an die Kräfte unserer Gelbröcke, denn der Prozess verläuft in der Regel nicht immer so harmlos, wie angenommen wird. Man denke dabei an die Bildung der neuen Federn, die aus den Säften erfolgt, welche dem Vogelkörper durch die Futterstoffe zugeführt werden. Während dieser zeit muss der Stoffwechsel viel reger sein als in der übrigen zeit des Jahres.

Damit keine Verluste eintreten, wird jeder Züchter versuchen, nicht erst mit dem beginn der Mauser, sondern schon vorher die Tiere entsprechend zu pflegen, damit unsere Kanarien möglichst schnell in die Mauser kommen.

Als Futter reicht man vollwertigen Rübsamen, wenig Hanfsamen, reichlich Glanzsamen, ferner etwas Vogelmiere sowie zeitweise grüne Gurkenschalen. Gut ausgereifter, vollkörniger Hanfsamen begünstigt den Gefiederausfall, und mit Hilfe von vollwertigem Glanzsamen wird eine rasche Gefiedererneuerung erreicht. Die Praxis hat bewiesen, dass eine Mischung von 800 g Glanzsamen und 200 g Hanfsamen sich gut bewährt hat. Unterstützt wird die Erneuerung des Gefieders abwechselnd durch einige tropfen Alkohol oder zwei bis drei Körnchen Nux vomica ins Trinkwasser. Ferner sind die verschiedenen im Fachhandel erhältlichen Blut – und Aufbausalze geeignet.


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