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Bayreuth und die 90 Punktgrenze

 

 

 

Hallo Zuchtfreunde,

 

interessant  für mich war wieder einmal der Vogelfreund Nr. 1 / 2007 und zwar der Bericht  über die Herbstversammlung eines Preisrichter-Vereins in einem Landesverband des DKB. 

Es steht hier unter anderem wörtlich:

 

„Der für die Zukunft wichtige Antrag auf Aufhebung der 90-Punkt-Grenze bei der Bewertung von Harzer Gesangskanarien  wird von den Mitgliedern mehrheitlich abgelehnt.  Dr. Velleuer erklärte dazu, dass dabei auch die Vergabe  der Punkte für den Gesamteindruck geändert werden müssten. Er prophezeite, dass eine Änderung im Prämierungssystem nicht nur  den Neudruck aller Prämierungsbögen erforderlich  machen würde, vor allem aber die alten Züchter vor den Kopf stoßen könnte, so dass er sich vorzustellen vermöge, dass sie dem DKB verloren gehen.  Alle Preisrichter müssten neu geschult werden, was auch hier die Reihen lichten könnte.“

 

Das einzige was sich ändern müsste ist doch nur, dass beim Gesamteindruck keine Punkte mehr in Abzug  kommen. Sogar die alten Bewertungsbögen könnten noch bis zum restlosen Verbrauch aufgebraucht werden.  Es  müsste hier nur die Angabe „bis 90 Punkte“  handschriftlich gestrichen werden, und eine neue Schulung  der Preisrichter ist hierfür wohl sicherlich nicht notwendig. 

 

So werden Meinungen in den Preisrichter Vereinen des DKB gemacht. Kommt es dann in der Preisrichtervereinigung zur Abstimmung, hält man sich an das Abstimmungsergebnis des Preisrichtervereins. Egal welche Meinung die Mehrzahl der Gesangskanarienzüchter  daheim in den Vereinen vertreten. Die 90 Punkt Grenze wird dem DKB auf diese Weise so noch lange erhalten bleiben.

 

In  Bayreuth wurde das jetzt erst wieder bestätigt. Die Punktbegrenzung bei 90 hat weiter Bestand, denn der Antrag auf Aufhebung wurde in der Preisrichtervereinigung mit der Mehrzahl der Nein-Stimmen (9:7) abgelehnt.

 

Es wundert mich immer wieder, wie sehr sich ein Gesangspreisrichter verbiegen muss, um einem Spitzenvogel der über 90 Punkte bekommen müßte dann im Gesamteindruck dafür mit Punktabzug zu bestrafen und statt 9 Punkten dann eben nur 7 oder nur 6 Punkte zu geben. 6 oder 7 Punkte im Gesamteindruck erhalten aber nur Vögel, welche in den Grundtouren nur auf 63 bis 65 bzw. 66 bis 68 Punkte gekommen sind. Und das alles nur weil es nicht sein darf, dass ein Vogel statt 90 Punkten auch mal verdiente 93 Punkte erhalten könnte.

 

In den letzten 9 Jahren ist der eigentliche Deutsche Meister bei 8 Deutschen Meisterschaften auf diese Weise verschaukelt worden. Auch Bayreuth hat das jetzt erst wieder einmal bestätigt.

 

Das offizielle Ergebnis von Bayreuth:

·         Deutscher Meister - W. Klakow   mit 359 P.

·         2. Platz - J. Gehling  mit 358 P.

·         3. Platz - H. Pieper   mit 358 P.

 

Dabei hat H. Pieper 3 Vögel mit nur noch 7 Pkt. Gesamteindruck in seiner Kollektion und hätte somit eigentlich 364 Punkte bekommen müssen.

Der offizielle Meister bekäme 2 Punkte und der Zweite 3 Punkte hinzu, so daß beide dann auf 361 Punkte kämen.

Danach hätte dann J. Gehling mit 97 Punkten Hohl gegenüber 95 Punkten Hohl gegenüber dem offiziellen Deutschen Meister den Vorrang.

 

Das alles interessiert offensichtlich immer noch niemanden und scheinbar auch nicht die Betroffenen selbst. Offensichtlich folgt die Masse der Gesangszüchter unbeirrt und unerschütterlich den alten Herren die " nichts mehr ändern wollen, so lange es sie noch gibt“.

 

Wem dies nicht gefällt, dem bietet sich jetzt als Alternative die Bundesmeisterschaften für Gesangskanarien in einem anderen Verband (VZE) an. Bei der ersten VZE Bundesmeisterschaft für Gesangskanarien im Dezember 2006 kamen drei Kollektionen über die 360 Punktgrenze, wobei in einer Kollektion des Zuchtfreund Pöppl 3 Vögel die 90 Punktgrenze überschritten. Insgesamt haben  5 Vögel die 90 Punkt Grenze überschritten. Die administrativen Bestrebungen, Festlegungen und Verbote mit Androhung von Sanktionen (ebenfalls veröffentlicht im Vogelfreund) diese Bundesmeisterschaft zu verhindern, konnten nur ins Leere laufen. Auch 2007 wird diese VZE Bundesmeisterschaft stattfinden.

 

Gut Hohl, Heinrich Hucke

 

 

 

 Zuchtfreund Johannes Clauss schreibt im DKB Forum dazu:

 

Liebe Zuchtfreunde,

dem ist wohl nicht mehr viel hinzuzufügen. Wahre Liebhaber des Harzer Kanarienvogels die wirklichen Sachverstand haben, können dem nur zustimmen. Doch das ist nur die eine Problematik der 90- Punkte- Grenze, welche von fachkundigen Zuchtfreunden bereits 1914 ( Ludwig Tretter ) und 1931 ( G. Streifeneder ) scharf kritisiert und deren Abschaffung schon damals gefordert wurde.
Die Einheitsskala von 1922 und ihre Änderungen seitdem sind ideal zur objektiven Bewertung des Kanarienliedes doch die Punktgrenze muss endlich weg, da sie vor allem auch die "Sondertouren" Schockel, Glucken und Wasserrollen sowie auch in vielen Fällen die Nebentouren unterdrückt.


Ich habe während meiner Scholarzeit selbst erlebt, dass bei sehr guten Vögeln mit 87 bis 88 Punkten in den Grundtouren plötzlich keine Nebentouren mehr gehört wurden, nur damit die Tierchen ja nicht über 90 Punkte kommen.

Wir haben noch Stämme mit Glucken und Wasserrollen in genügender Lage, leider nur noch sehr selten in guter Lage. Wo steht denn, dass diese Touren in genügender Lage nur "angenullt" werden dürfen ? Und das geschah oft, nur damit die Vögel nur ja nicht in die Nähe der Punktgrenze kommen.


Ich saß mit einem Prr. vor einem Stamm bei welchem die Vögel in den Grundtouren bereits um die 85 Punkte sangen und neben Klingelrollen auch noch Wasserollen in genügender, fast guter Lage brachten. Nun können für Wasserrollen in genügender Lage bis 9 Punkte vergeben werden. Der Prr. erkannte die Wasserrollen, aber sie wurden nur angenullt. Erst nach einer Art Streitgespräch wurde den Vögeln 4 Punkte für das Wasser zuerkannt, dafür bekamen sie aber nichts mehr für ihre Klingelrollen.


Die 90- Punkte Grenze trägt die Hauptschuld an der Verarmung des Harzerliedes, so dass wir heute nur noch diese einseitig singenden viertourigen "Hohlknorr - Bimmelvögel" hören. Lasst und doch endlich diese dumme Begrenzung streichen und bemühen wir uns wieder um ein vielseitigeres Lied, auch wieder um den Aufbau von Schockel-, Wasserrollen- und Gluckstämmen, bevor es endgültig zu spät ist.

 

Ein weiter Unsinn ist die sog. Teilnahmeberechtigung bzw. Vorprüfung oder Qualifikation zur DKB- Meisterschaft. Die gibt es weder bei den anderen beiden Gesangsrassen ( Belg. Wasserschläger und Span. Timbrados) noch bei den anderen Sparten der Kanarienzucht im DKB. Sie ist eine antiquare Regelung aus einer Zeit, als es noch um die 5.000 Harzer Züchter in unserer Heimat gab und man Angst hatte, die Halle könnte zu voll werden. Sicher war es in der guten alten Zeit angebracht, dass da nur die besten Sänger zur Bewertung bei der DM durften. Doch schon 1975, als es noch über 3.800 Harzer Züchter in (West-) Deutschland gab forderte der damalige DKB Präsident Willi Hefele zweimal im "Kanarienfreund" die Abschaffung dieser unsinnigen Vorprüfung. Er wurde nicht ernst genommen und heute sind wir nur noch ca. 500 Zuchtfreunde wovon bestimmt 400 über 70 Jahre alt sind.
Bei den Preisrichtern ist das Verhältnis ähnlich.


Es ist unbegreiflich, dass da immer noch die Meinung vorherrscht: Solange wir noch züchten brauchen wir nichts mehr zu ändern. Doch wer denkt an uns wenige "jüngeren" Züchter, so um die 50 Jahre alten Liebhaber des Harzer Kanarienvogels ? Wir sind die Letzten unserer Zunft im DKB !!


Heute muss man doch um jeden froh sein, der unsere schöne Liebhaberei noch betreibt. Ein berufstätiger Züchter hat oft keine Zeit, seine Sänger bis zur "Vorprüfung" gesangsfertig zu haben. Anfang Januar wären die Tierchen dann fertig, aber leider darf er nicht zur ersehnten DM, weil er sich ja nicht "qualifiziert " hat. Doch für viele ist doch dabei sein alles. Selbst viele Spitzenzüchter hatten schon das Pech, dass ihre Vögel bei dieser "Vorprüfung" versagten und danach wieder gut sangen.
Welchen Sinn hat diese Vorprüfung heute noch ? Wer wirklich schlechte Sänger zur DM bringt schadet sich doch nur selbst und sonst niemandem, denn schließlich hat er sein Standgeld umsonst bezahlt und verliert noch seinen Ruf.

Im Januar 2003 begann ich mit drei weiteren Scholaren mit der Ausbildung zum Preisrichter. Nach dem ersten Jahr hatten bereits die drei Mitscholare ihre Ausbildung abgebrochen. Doch aus Liebe zur Gesangskanarienzucht hielt ich dennoch unter großen Schwierigkeiten bis zum Schluss durch und war in Bayreuth zur Prüfung angemeldet.
Anfang Dezember durfte ich als Scholar zur Bewertung der Harzer im LV 14. Von 36 Kollektionen konnte sich nur ein Drittel qualifizieren. Es herrschte an diesem Tag naßkaltes Tiefdruckwetter und ich konnte auch hören, dass die meisten Vögel dort noch nicht fertig waren. Man kann sich vorstellen wie enttäuscht die Zuchtfreunde waren, welche nicht zur DM durften.


Ähnlich ging es mir im LV 10. Anfang Januar waren die Sänger fertig und ich hatte noch nie so gute Vögel wie diesmal. Aber ich durfte nicht nach Bayreuth, da ich mich dafür ja nicht "qualifiziert" hatte. Ich hatte so eine Wut, dass ich nicht zur Prüfung angetreten bin. Ich dachte mir wenn ich nicht mit dabei sein darf habe ich dort auch nichts mehr verloren.

Diesselben Vögel sangen dann auf der Schau des niederländischen Spezialclub, wo ich auch Mitglied bin, immerhin 354 Punkte. Als Züchter muss ich das alles zähneknirschend ertragen aber als Prr. könnte ich das alles niemals mittragen !!
Was soll eigentlich dieser Blödsinn mit dem Festhalten an längst überholten Regelungen aus einer anderen Zeit ?
Ich habe schon Züchter erlebt welche allein deshalb den Bettel hingeschmissen haben oder zu einer anderen Sparte wechselten. Emotional hänge ich noch am DKB, dem Nachfoger der legendären
Verbände aus der Blütezeit des Harzer Edelrollers dem "Weltbund" und dem "Bund deutscher Kanarienzüchter". Doch wenn sich im DKB in der Gesangssparte weiterhin nichts ändert wird es wohl keine Bewertungen mehr geben, wenn wir "Jüngeren" in Rente gehen und dann endlich auch Zeit haben unsere Vögel rechtzeitig zu "qualifizieren". Man kann nur von Glück sprechen, dass es auch in anderen Ländern Europas wahre Liebhaber des Harzer Kanarienvogels gibt, welche diesen ganzen Müll bereits vor Jahrzehnten über Bord geworfen haben.

Noch ist es auch in unserem Lande nicht ganz zu spät. Streichen wir also endlich die 90- Punkte Grenze und diese unsinnige Vorprüfung zur DM. Dies wäre doch ein Anfang um zu retten was es hier noch zu retten gibt. Wir letzten Liebhaber des Harzer Kanarienvogels in der Heimat dieser herrlichen Gesangskanarienrasse dürfen nicht zulassen, dass unser Vogel hier ausstirbt.

Gut Hohl, Johannes Clauss

 

 

 

 

 

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