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| Geschichte der SZG Kanarien Ostdeutschlands (Spezialzuchtgemeinschaft Kanarien) innerhalb der Fachrichtung ZEK (Ziergeflügel,-Exoten, Kanarien) des VKSK (Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter) in der ehemaligen DDR
Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter VKSK
Der Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter (kurz VKSK) war eine Massenorganisation in der Deutschen Demokratischen Republik. Er förderte im sozialistischen Selbstverständnis die Entfaltung der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Tätigkeit seiner Mitglieder und diente gleichzeitig ihrer Erholung.
Geschichte des VKSK
Am 23. November 1948 wurden die
„Anordnungen über die Bildung der Kleingartenhilfe des FDGB" erlassen. In
der Folgezeit werden Orts- und Kreisverbände errichtet. Am 15. Juli 1952 beschloss das Politbüro der SED die Bildung des VKSK. Dessen Zentralverband konstituierte sich am 16. Oktober 1952 und nahm zum 1. Januar 1953 seine Arbeit auf. Das Zentralkomitee (ZK) der SED lehnte am 11. Mai 1953 jedoch die Verbandsgründung ab. Es entbrannte eine Diskussion über die Reorganisation des Verbandes, in deren Folge das ZK am 9. Dezember 1953 die Auflösung des Zentralverbandes und den Aufbau des VKSK beschränkt auf Orts- und Kreisebene beschloss. Der Ministerrat der DDR erließ am
22. April 1954 die „Verordnung zur Förderung des Kleingarten- und
Siedlungswesen und der Kleintierzucht". Die Kreisverbände des VKSK wurden
den örtlichen Räten unterstellt und dort als juristische Person geführt. Am
22. April 1959 stimmte das ZK der Gründung des Zentralverbandes des VKSK zu.
Der zentrale Verband des VKSK gründete sich am 29. November 1959 in Leipzig
und gestaltete sich zentralistisch als eigenständige Organisation. Es
folgten Verbandstage in Leipzig (1963 und 1966) und Berlin (1965). 1962
zählte der VKSK rund 850.000 Mitglieder. Der VKSK hatte 1988 rund 1,5 Millionen Mitglieder. Neben der Sparte der Kleingärtner waren Fachsparten wie Rassegeflügel-, Rassekaninchen-, Ziergeflügel-, Exoten- und Kanarien-, Edelpelztier- Ziegen- und Milchschafe-, Rassehunde- und Rassekatzen- und Bienenzüchter angeschlossen. Der Außerordentliche Verbandstag vom 27. Oktober 1990 in Berlin löste die Organisation zum 31. Dezember 1990 auf. Aus den Kreisverbänden entstand in den DDR-typischen Datschensiedlungen eine Vielzahl von Gartenvereinen.
Geschichte der organisierten Vogelzucht innerhalb des VKSK
Die Kanarienzüchter Ostdeutschlands organisierten sich nach dem Ende des 2. Weltkrieges neu. Die erste Meisterschaft wurde schon 1948, noch vor der Gründung der DDR, durchgeführt. Darüber sind aber keine Aufzeichnungen vorhanden. Erst mit Gründung des VKSK im Jahre 1952/1953, in welchen dann die Kanarienzüchter integriert wurden, gab es Mitteilungen, wie sich der Kanariensport in Ostdeutschland weiter entwickelte. Im VKSK gab es in Berlin u. a. die Abteilung Kleintierzucht II. Dieser Abteilung Kleintierzucht II war die Fachrichtung Ziergeflügel, – Exoten- und Kanarien (ZEK), angeschlossen. Jeder Fachrichtung stand eine Fachkommission des Zentralvorstandes des VKSK vor. Die Fachkommission der Fachrichtung ZEK bestand aus 15 Mitgliedern. Obmann (Vorsitzender) dieser Fachkommission war Edgar Ackermann, Brandshagen. Weitere Mitglieder u.a. waren Hans-Joachim Wöhrmann und Robert Rickelt. Dieser Fachrichtung ZEK waren (zunächst zwei) später drei Spezialzuchtgemeinschaften (SZG) angeschlossen: SZG Kanarien SZG Ziergeflügel und Exoten, gegründet am 26.10.1952 als Zuchtgemeinschaft fremdländischer Vögel SZG Wildvögel Jeder SZG stand ein Obmann vor. Obmann für die SZG Ziergeflügel und Exoten: Karl-Heinz Jobst, Erfurt Obmann für die SZG Kanarien (einschließlich Farbkanarien): Franz Puda, später Robert Rickelt, Obmann für die SZG Wildvögel: Klaus Rost, Markkleeberg Dem Obmann der SZG Kanarien stand der Zuchtausschuss bestehend aus : dem Obmann der SZG dem Schriftführer der SZG dem Hauptkassierer der SZG dem Fußringwart der SZG dem Obmann der AG Zuchtrichter für Gesangskanarien dem Obmann der AG Zuchtrichter für Farbenkanarien zur Seite.
Innerhalb der SZG Ziergeflügel und Exoten gründeten sich weitere IG und AG IG Prachtfinken gegründet 1959 als ZGP Zuchtgemeinschaft Prachtfinken IG Hühnervögel und Wildtauben gegründet 1964 IG Schauwellensittiche gegründet 1967 IG Agaporniden und Kleinpapageien gegründet 1975 IG Papageienvögel gegründet 1986 IG Wasserziergeflügel (heute AG Anatiden) IG Exotische Weichfresser In der SZG Wildvogelzüchter z.B. AG Gimpel AG Ammern und Weichfresser Bei den Kanarienvögeln gab es nicht verschiedene IG oder AG (Gesang – Farbe – Gestalt) sondern hier wurde nur innerhalb der Arbeitsgemeinschaft der Zuchtrichter die Unterscheidung gemacht. Es gab dort also zwei Arbeitsgemeinschaften für Zuchtrichter. Einmal für die Zuchtrichtung Gesangskanarien und einmal für die Zuchtrichtung Farb- und Gestaltskanarien einschließlich Finkenmischlinge.
Jeder Zuchtrichterarbeitsgemeinschaft stand ein Zuchtrichterobmann vor. Zuchtrichterobmann für Gesangskanarien war lange Jahre Helmut Kreuch, später Kurt Graf und dann Werner Merkel. Zuchtrichterobmann für Farbkanarien war langjährig Edgar Ackermann
1973 waren 23 Zuchtrichter für Gesangskanarien und 19 Zuchtrichter für Farbenkanarien in den beiden Arbeitsgemeinschaften der Zuchtrichter für Kanarien tätig.
In der SZG Kanarien war die DDR in (zunächst) sechs Zuchtwartbereiche aufgeteilt. Das Bundesland Thüringen hatte als SZG Kanarienzüchter Zuchtwartbereich Erfurt-Gera-Suhl interessanterweise auch nach der politischen Auflösung der Länder in der DDR weiter existiert. Das gilt auch für die anderen (heute „Neuen") Bundesländer. Später wurden diese 6 Zuchtwartbereiche weiter in 12 Zuchtwartbereiche aufgeteilt. Die ersten Zuchtwartbereiche der SZG Kanarien: Rostock – Schwerin Neubrandenburg Cottbus – Frankfurt (O.) – Potsdam Berlin Leipzig - Dresden - Karl-Marx-Stadt Halle – Magdeburg Erfurt – Gera – Suhl Jedem Zuchtwartbereich stand ein Bezirkszuchtwart vor.
Sparten (Vereine) in den 12 Zuchtwartbereichen 1989, im letzten Jahr des Bestehens der SZG
Beide SZG (also die SZG Kanarien ab 1969 und auch die SZG Ziergeflügel und Exoten ab 1955) gaben je ein eigenes Mitteilungsblatt heraus und erhoben auch einen eigenen Beitrag. Wer also Mitglied in einer Sparte (Verein) war und Kanarien und Wellensittiche züchtete, musste mindestens dreimal Beitrag, einmal VKSK Beitrag, und zweimal SZG Beitrag bezahlen. Der Jahresbeitrag der SZG Kanarien betrug 6,00 Mark, davon gingen 4 Mark an den Kassierer der SZG und 2 Mark verblieben im Zuchtwartbereich. Das Mitteilungsblatt der SZG Kanarien kostete 0,65 Mark monatlich.
Die Kanarienzüchter konnten bis 1959 die Zeitschrift „Kanaria - Blätter für Liebhaber feiner Kanarien", beziehen. Herausgeber war Emil Joachim Poppe im Verlag Dr. F. Poppe, Leipzig, gegründet 1877. Die Zeitschrift erschien monatlich einmal zu einem Preis von 30 Pfennig. Ab 1959 gab es diese Zeitschrift nicht mehr und für die weiteren 10 Jahre, bis 1969, gab es keine Zeitung und auch kein Mitteilungsblatt für den Kanarienzüchter in der DDR. Die große Nachfrage nach Literatur über Kanarienvögel konnte in der DDR nie befriedigt werden. Es gab das kleine Buch von Hellmuth Dost „Der gelbe Sänger", vom Urania Verlag 1961 herausgegeben. Im Umlauf war auch noch das Heft des Großzüchters Richard Heydenreich, Bad Suderode, Harz von 1953. Vogel-Literatur war immer sehr schnell vergriffen. Daneben gab der VKSK aber auch Lehrhefte für Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter heraus. Für uns interessant war das Lehrheft Nr. 7 „Hinweise zur Fütterung von Ziergeflügel, Exoten, Kanarien und Waldvögeln", das Lehrheft Nr. 6 zur Finkenmischlingszucht und das Lehrheft Nr. 2 über Bau und Einrichtung von Vogelunterkünften.
In der SZG Kanarien gab es auch schon Einzelmitglieder. Sie mussten Mitglied in einem Kreisverband des VKSK oder einer Exoten-Sparte sein. Die Einzelmitgliedschaft bedurfte der Genehmigung durch den Obmann der SZG Kanarien. Der SZG Mitgliedsbeitrag für Einzelmitglieder betrug 7,00 Mark jährlich. Seit 1972 gab es Ehrennadeln der Fachrichtung ZEK. Anträge auf Verleihung der Ehrennadeln wurden von den Spartenvorständen beim zuständigen VKSK Kreisvorstand bzw. an den VKSK Stadtvorstand gestellt. Die SZG Kanarien vergab ebenfalls eine Ehrennadel in den Stufen Gold und Silber. Verleihungsberechtigt war der Zuchtausschuss der SZG Kanarien. Antragsberechtigt waren die Spartenvorsitzenden, der Bezirkszuchtwart und der Zuchtausschuss der SZG.
Aus heutiger Sicht stellt sich der strukturelle Aufbau des VKSK ziemlich unübersichtlich und aufgebläht dar. Jeder Landkreis und Bezirk hatte seinen eigenen Vorstand des VKSK und jeder Landkreis hatte seine Zuchtkommission bestehend aus Mitgliedern beider SZG’en. Jeder politische Bezirk hatte analog eine Bezirkszuchtkommission. Jede SZG hatte ihren eigenen Zuchtausschuss. Im großen DDR Maßstab mit vielen anderen Fachrichtungen der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter, kamen da tausende Mitglieder von VKSK Kommissionen zusammen, welche auch Versammlungen, Beratungen und Tagungen durchführten. Wenn man bedenkt, dass dies in der DDR als „Gesellschaftliche Tätigkeit" gefördert wurde und dafür eine bezahlte Freistellung von der Arbeit erfolgte, kann man erahnen, welche negativen ökonomischen Auswirkungen das für den Staat haben musste. Aber daran ist die DDR nicht Zugrunde gegangen.
Aus dem Jahresbericht der SZG Kanarien für das Jahr 1985 (als Beispiel auch für die anderen Jahre):
Sittich- und Exotenzuchten von Kanarienzüchtern wurden nicht mit erfasst. Die Mitglieder der SZG Kanarien waren 1985 überwiegend in sogenannten gemischten Sparten (Vereinen) organisiert. Von den 122 Sparten (Vereinen) der SZG Kanarien waren nur 57 Sparten reine Kanarienzuchtvereine. In 65 Sparten der SZG Kanarien gab es auch Sittich- und Exotenzüchter.
Anzahl der Zuchtrichtungen der SZG Kanarien:
(Wo Zahlen fehlen liegen keine Angaben vor)
Durchführung von DDR-Meisterschaften
Die SZG Kanarien richtete jährlich eine DDR-Meisterschaft aus. Dazu gab es eine Ausstellungsrichtlinie des VKSK, Fachrichtung ZEK, welche für die Mitglieder der SZG Kanarien bindend war. Ab 1970 wurden die DDR-Meisterschaften der SZG Kanarien und der SZG Ziergeflügel und Exoten gemeinsam durchgeführt und auch ein gemeinsamer Katalog zur DDR-Meisterschaft herausgegeben. Ab 1978 war für die Ausstellung der Gestaltskanarien (Positur- und frisierte Gestaltskanarien) der standardisierte WS-Käfig vorgeschrieben. Für die Teilnahme an einer DDR-Meisterschaft war es zwingend vorgeschrieben an der Vorprüfung in einem Zuchtwartbereich teilzunehmen. Heute würde man von der Teilnahme an einer Landesmeisterschaft reden. In den Zuchtwartbereichen gab es Regelungen, dass, wenn einzelne Sparten nicht an einer Vorprüfung teilnahmen, sie trotzdem entsprechend ihrer Mitgliederstärke das Standgeld für eine Pflichtkollektion bezahlen mussten. Teilnahmeberechtigt an der DDR-M war ein Züchter, welche auf der Vorprüfung für seine Kollektion (4 Vögel) folgende Punktzahl erreichte:
Ein DDR-Meister erhielt die Ehrennadel für den DDR-Meister, die Medaille der SZG-Kanarien, einen Geld- oder Sachpreis, den Wanderpokal und den Staatsehrenpreis. Bei Gesangskanarien noch den Förderpreis für die Spezialtouren. Folgende DDR-Meistertitel wurden vergeben:
Voraussetzung für die Vergabe des Titels DDR-Meister war die Teilnahme von mindestens 5 Züchtern je Bewertungsart. Ansonsten gab es nur Urkunden als „DDR-bester Züchter je Bewertungsart. Das Standgeld für eine Kollektion betrug 12,00 Mark, der Katalog kostete 4,00 Mark. Es war durchaus üblich auch Kollektionen per Expressgut mit der Bahn zu den Meisterschaften zu schicken Die letzte DDR-Meisterschaft fand vom 23.11. bis 26.11. 1989 in Leipzig-Markkleeberg statt. Es war die 39. DDR-Meisterschaft für Kanarien, die 34. DDR-Meisterschaft für Ziergeflügel und Exoten und die 5. Kleintierausstellung des VKSK. Zu dieser letzten DDR-Meisterschaft wurden seitens der SZG Kanarien eingeliefert:
Gesamt 181 Kollektionen mit 724 Kanarien. Das beste Ergebnis wurde 1985 mit 191 eingelieferten Kollektionen erzielt.
Siegertafel der DDR-Meister für Gesangskanarien
Futterbereitstellung und Abgabe von Kanarien für den Export
Probleme gab es immer wieder jährlich mit der Futterbereitstellung für Kanarien. Hier zeigte sich sehr deutlich die planmäßige sozialistische Mangelwirtschaft. Das Futter musste immer für zwei Jahre im Voraus bestellt werden. Von den bestellten Mengen der Sparten wurden den Sparten dann immer wieder ganz erhebliche Mengen (bis zu 50%) von vornherein gestrichen, kamen gar nicht zur Auslieferung oder wurden im nächsten Jahr nachgeliefert. Bei Sonnenblumenkernen war der Bezug pro Sparte auf 50 kg beschränkt. Die Qualität des Futters führte immer wieder zu Beanstandungen. Durch zu viel Hirse-Beimischung war das Mischfutter M 44 für Kanarien oft eher als unbrauchbar zu bezeichnen. Das Futter war meist ungereinigt, voller Druschabfälle und roch nach dem Urin von Mäusen. Sehr ärgerlich war es auch, wenn es in den Sparten Neuzugänge an Züchtern gab. Diese hatten zunächst, wegen der Futtervorausbestellzeit von zwei Jahren, keinen Anspruch auf die Zuteilung von Futter. Gut war es dann, wenn ein Züchter aus der Sparte ausgeschieden war. Man half sich aber auch untereinander aus. Die Verteilung des Futters an die einzelnen Züchter verlief so, dass das Futter vom VEB Getreidewirtschaft durch einen LKW angeliefert wurde und erst einmal bei einem Züchter (welcher bei sich zu Hause genügend Platz hatte) zwischengelagert werden musste. Dieser Züchter war der Futterwart des Vereins. Entsprechend der Bestellung durch die Züchter und unter Beachtung der tatsächlich ausgelieferten Menge wurde nun neu errechnet, wie viel weniger der einzelne Züchter tatsächlich jetzt erhalten konnte. Bei der Verteilung beim Futterwart brachten die Züchter dann eigene Säcke mit und das Futter wurde pro Züchter beim Futterwart neu ausgewogen. Selbst die Futterabholung beim Futterwart stellte manche Züchter vor ein Problem, denn nur wenige hatten in der DDR einen eigenen PKW. Bei Futterknappheit wurde das Futter auch nach der Anzahl der zur Zucht eingesetzten Weibchen berechnet und verteilt. Auf ein Weibchen (inklusive Hahn und Nachkommen) wurden ca. 10 Kilo Futter, im einzelnen 1,5 kg Glanz, 1,3 kg Rübsen, 0,7 kg Nigersaat, 0,6 kg Hanf als Einzelfutter und 1,8 kg Mischfutter M 44, 0,3 Mischfutter M 33 (ohne Hanf) und 2,5 kg Sonnenblumenkerne berechnet. Die Anzahl der zur Zucht eingesetzten Weibchen wurde bei sogenannten Zuchtbegehungen beim Züchter ermittelt. Hierbei wurde dann auch gleich der hygienische Zustand der Zuchtanlage, die artgerechte Unterbringung und die Qualität der zur Zucht eingesetzten Zuchttiere durch den Hygienebeauftragten und den Zuchtwart der Sparte beim Züchter überprüft. In der nächsten Spartenversammlung wurde das Ergebnis der Zuchtbegehung ausgewertet. Die Preise für das Futter waren staatlich subventioniert und deshalb sehr günstig. Je 100 kg kosteten: Glanz: 99,00 Mark, Nigersaat: 96,00 Mark, Hanf 63,40 Mark. Da die Futterpreise auf der einen Seite staatlich subventioniert waren und der Staat aber auf der anderen Seite für wertvolle Devisen im kapitalistischen Ausland Futter einkaufen musste, wurde von den Züchtern gefordert, einen Teil ihrer jährlichen Nachzucht für den Export an den Staat zu verkaufen. Durch den VEH Zoologica Berlin wurden den Züchtern folgende Preise für ihre Kanarien geboten:
Im Zuchtjahr 1972 / 1973 wurden an den VEH Zoologica 6.470 Kanarienhähne und 4.025 Kanarienweibchen also insgesamt 10.522 Kanarien geliefert. Im Zuchtjahr 1974 / 1975 konnte der Export noch einmal um 10.000 Mark gesteigert werden. Einen Zwang für die einzelnen Züchter gab es jedoch nicht. Es wurde auf eine Exportbeteiligung von 20 Kanarien pro Züchter und Jahr hingewirkt. Diese Zahl konnte allerdings nur einmal erreicht werden und wurde deshalb dann wieder herunter präzisiert auf 5 Kanarien pro Züchter. Manche Sparten lieferten keine Kanarien in den Export, andere Sparten lieferten mehr als 20 Kanarien je Züchter. Ab 1987 wurde durch den VEH Zoologica an die Züchter, auch auf viel geäußerte Kritik hin, einheitlich 20 Mark für einen Hahn und einheitlich 7 Mark für ein Weibchen gezahlt. 1988 lieferten 1266 SZG-Kanarien Mitglieder 4389 Kanarienhähne, 2286 Kanarienweibchen, insgesamt also 6.675 Kanarien in den Export. Das Ziel von 5 Kanarien / Züchter konnte wieder erreicht werden. Der Exporterlös für die Züchter betrug 103.782,00 Mark. Im Herbst 1989 erschien ein „Offener Brief" der Sparte ZEK Wernigerode im Mitteilungsblatt der SZG Kanarien. Die Sparte ZEK Wernigerode hatte sich „sehr intensiv über die veränderte Lage in unserem Lande beraten", und forderte nun Aufklärung vom VEH Zoologica über die tatsächlichen Einnahmen aus dem Export von Vögeln und den Ausgaben für importiertes Vogelfutter. Eine Aufklärung darüber blieb aber aus.
Fußringbestellung - Ausstellungskäfige
Die Fußringe mussten bis zum 31. Januar für das Folgejahr bestellt werden. Daraus ergab sich, dass die Sparten aufgefordert waren, Reserveringe für eventuelle Neuzugänge an Mitgliedern in den Sparten ebenfalls mit vorauszubestellen. Nachbestellungen waren nicht möglich. Fußringhersteller war der VEB Tachometerwellen- und Maschinenbau in Leipzig. Ein Kanarienring kostete 10 Pfennig. Die Ausstellungskäfige für Farbkanarien wurden angefertigt im VEB „Stern" in Herrnhut und über die Zuchtwartbereiche an die Züchter verteilt. Die Nachfrage nach diesen Käfigen konnte, aufgrund der Exportverpflichtungen dieses Betriebes nie befriedigt werden. Zur Teilnahme an DDR-Meisterschaften mussten sich die Züchter untereinander diese Ausstellungskäfige ausleihen.
Interkanaria – Leistungsvergleich der damaligen sozialistischen Länder
1976 wurde zum erstenmal der Leistungsvergleich „Interkanaria" der Gesangskanarienzüchter innerhalb der sozialistischen Länder durchgeführt. Die Interkanaria wurde von der DDR besonders gefördert, war sie doch eine Art Gegenpol zu den Ausstellungen der COM wo zu befürchten gewesen wäre, dass DDR Züchter mit Züchtern aus dem westlichen Ausland, besonders Westdeutschland und Berlin (West), in Kontakt hätten kommen können. Der erste Wettbewerb fand im Januar 1976 (für das Zuchtjahr 1975) in Usti nad Labem (CSSR) statt und war verbunden mit der 40. Meisterschaft für Gesangskanarien in der CSSR. Die Bewertungen der Kollektionen bei der Interkanaria wurden jeweils nach dem Bewertungssystem des Landes, in welchem die Interkanaria stattfand, durchgeführt. Polen und die CSSR hatten COM Standard. Jedes Teilnehmerland stellte seine Zuchtrichter zur Bewertung, welche gemeinsam bewerteten. Meist richteten ein Zuchtrichter aus der DDR, einer aus Polen und einer aus der CSSR. Die Ergebnisse der einzelnen Zuchtrichter wurden addiert und dann durch drei geteilt und so das Endergebnis ermittelt. Von 1975 bis 1882 fand die Interkanaria nur für Gesangskanarien statt. Auf Antrag der DDR wurden ab 1983 auch die Farbenkanarien zur Interkanaria zugelassen. Ab der Interkanaria 1983 konnte jedes Land 6 Kollektionen Farbenkanarien und 6 Kollektionen Gesangskanarien zur Wertung stellen. Davon kamen die drei Bestplatzierten in die Länderwertung. Gewertet wurde durch Zuchtrichter aller teilnehmenden Länder. Der Landessieger der Interkanaria erwarb einen Wanderpokal. 1987 wurden Festlegungen zu einem Statut der Interkanaria getroffen. An den Wettbewerben der Interkanaria beteiligten sich von Jahr zu Jahr unterschiedlich die Länder: DDR, CSSR, Polen, Ungarn, Rumänien, Jugoslawien.
Die Interkanaria wurde durchgeführt:
C O M
1980 fand in Olomouc (CSSR) die Weltausstellung der COM statt. Die DDR nahm an dieser Veranstaltung nicht teil. Begründet wurde dies mit „Ansprüchen und Forderungen" seitens der COM, welche von der DDR (auch aus finanziellen Gründen) nicht erfüllt werden konnten. Teilgenommen haben aber die anderen sozialistischen Länder, welche schon längst den COM Standard in ihren Ländern eingeführt hatten. Die DDR habe aber mit ihrer Veränderung des Bewertungssystems bei Farbenkanarien eine Angleichung an internationale Standards herbeigeführt. Seitens der DDR wolle man sich auch mehr auf den Leistungsvergleich innerhalb der sozialistischen Länder konzentrieren. Eine Mitgliedschaft der DDR im COM wurde nicht in Erwägung gezogen. Der hohe Leistungsstand in den Gesangskanarien- und Farbkanarienzuchten, besonders in der CSSR und Polen, welche bei der Interkanaria immer wieder unterstrichen wurde, resultierte unter anderem auch aus deren Mitgliedschaft in der COM.
1981 forderte der Gesangszuchtrichter Gustav Gorges die Abschaffung der 90 Punktgrenze bei Gesangskanarien. Noch im selben Jahr wurde die mögliche Punktzahl bei der Hohlklingel auf 29 Punkte erhöht und die Klingeltour gestrichen. Als Gesamtpunktzahl konnten 100 Punkte erreicht werden. Zur Beachtung: Im DKB kämpfen die Gesangskanarienzüchter noch heute um die Abschaffung dieser 90 Punktgrenze.
Ab Oktober 1983 gab es einen Maßnahmeplan zur Förderung der Gesangskanarienzucht, weil der Mitgliederbestand bei den Gesangskanarienzüchtern schon rückläufig war. Es gab „nur noch" 415 Gesangskanarienzüchter in der DDR. Heute, im Jahr 2009, gibt es in Ostdeutschland keine 50 Gesangskanarienzüchter (DKB und VZE) mehr. Die letzte Zuchtausschussberatung der SZG fand am 23.09.1989 statt. Das letzte Mitteilungsblatt der SZG Kanarien für Dezember 1989 wurde dann noch am 15.03. 1990 ! den Sparten zugestellt.
Auflösung der SZG Kanarien
Am 07.04.1990 fand die letzte
Jahresmitgliederversammlung der SZG Kanarien in Halle statt. In dieser
Jahresmitgliederversammlung erfolgte die Umbenennung der SZG in die
Vereinigung der Vogelzüchter e.V., um dann per 30.09.1990 geschlossen in den
DKB einzutreten. Sehr viele Mitglieder der SZG Kanarien waren über den Verlauf und den Inhalt dieser letzten Jahresmitgliederversammlung nicht informiert worden. Ob diese Mitgliederversammlung überhaupt Beschlussfähig und berechtigt war, die SZG Kanarien ohne vorherige Bekanntgabe aufzulösen darf bezweifelt werden. Die Einladung und die Tagesordnung zu dieser Mitgliederversammlung sah dies nicht vor. So wurden (zum Beispiel) die Kanarienzüchter des Zuchtwartbereiches Erfurt nur darüber informiert, dass sich der VKSK mit seinen SZG’en aufgelöst hat und jetzt ein Übertritt zum DKB erfolgen muss um weiter Ringe für seine Kanarien beziehen zu können. Als Alternative bot sich für Farbkanarienzüchter noch die AZ an, aber in dieser wurden keine Gesangskanarien betreut. Es entstand so am 26.05. 1990 aus dem Zuchtwartbereich Erfurt der DKB Landesverband 29 Thüringen.
In Thüringen gründete sich außerdem am 17. 06. 1990 aus der Fachrichtung ZEK der VKSK Bezirksorganisationen Erfurt-Gera-Suhl der neue „Thüringer Landesverband der Vogelzüchter und –liebhaber e.V."
Aus der SZG Ziergeflügel und Exoten der DDR gründete sich am 25.03.1990 als Nachfolger die VZE e.V. Zfrd. Edgar Ackermann, der ehemalige Obmann der Fachrichtung ZEK, versuchte hier mit großem Engagement die noch in der VZE e.V. verbliebenen Kanarienzüchter zu erfassen und für Meisterschaften zu begeistern sowie neue Zuchtfreunde für die Kanarienzucht zu gewinnen.
Am 24. November 1990 gründete sich innerhalb der VZE in Bernburg die IG Kanarien und Wildvögel.
Die IG Kanarien und Wildvögel innerhalb der VZE steht in der Tradition der SZG Kanarien und versteht sich als deren Nachfolger.
Ab dem Jahr 2005 gibt es auch wieder Gesangskanarien in der IG Kanarien und Wildvögel
Im Sommer 2005 ist der "Kanarienzucht- und Vogelschutzverein Gotha von 1872 e. V." in die VZE eingetreten, ein Verein mit seit Jahren durchschnittlich 10-12 aktiven Gesangs, -und Farbkanarienzüchtern und einer sehr langen Tradition in der Gesangskanarienzucht. Mit Übertritt der Gesangskanarienzüchter in die VZE wurde gleichzeitig die Arbeitsgruppe der Gesangskanarien, -Farben-Gesangskanarien -und Positur-Gesangskanarienzüchter innerhalb der IG Kanarien und Wildvögel gegründet. Dem Rechnung tragend hat der Hauptvorstand der VZE hat am 27. 11. 2005 zwei sehr wichtige und richtungweisende Beschlüsse gefasst. Mit dem ersten Beschluss wurde das von deutschen Züchtern in den 20-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts geschaffene und sich in seinen Grundzügen über die Jahrzehnte bewährte Bewertungssystem für Harzer Gesangskanarien für die VZE übernommen, mit der Anhebung der damals festgelegten Höchstpunktzahl von 90 auf 100 Punkte für die gesangliche Leistung aber gleichzeitig auch den Erfordernissen unserer Zeit angepasst. Mit dem zweiten am 27. 11. 2005 gefassten Beschluss verbinden die Gesangskanarienzüchter besonders viele Hoffnungen für die Gesangskanarienzucht. Mit dem maßgeblich vom Zfrd. Klaus Bröse erarbeiteten Standard für Farbengesangs- und Positurgesangskanarien Deutsche Haube wurde erstmalig ein solcher Standard in einem Dachverband beschlossen und kann damit allen daran interessierten Züchtern als Grundlage für ihre praktische Arbeit in die Hand gegeben werden. Es ist zu hoffen, dass mit der Förderung dieser Zuchtrichtungen mittel- und langfristig der Rückgang der Gesangszuchten aufgehalten werden kann. Es war schon eine Forderung des Altmeisters der Farbenkanarienzucht Julius Henniger, in ein und dem selben Vogel als Zuchtziel nicht nur eine schöne Farbe sondern auch einen sehr guten Gesang zu erreichen. Ab dem Jahr 2006 werden jährlich nicht nur Meisterschaften für Farbenkanarien sondern auch Bundesmeisterschaften für Gesangskanarien, Farben-Gesangskanarien und Positur-Gesangskanarien Deutsche Haube durchgeführt.
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