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Krankheiten der Kanarien

 

 

Über Krankheiten unserer Vögel und speziell auch von Kanarien, existieren eine ganze Reihe von guten Fachbüchern, geschrieben von Tierärzten. Mit diesen Fachbüchern kann man sich über den Einsatz der neuesten Medikamente und Heilmittel sehr gut informieren.

 

Ich empfehle hier nur zum Beispiel die mir vorliegende Literatur:

  • „Haltung von Vögeln – Krankheiten der Vögel" von Dr. Harry Kronberger, 1978

  • „Kranke Stubenvögel" von Dr. F. Robiller, 1969

  • „Der Wellensittich- Heimtier und Patient" von Dr. R. Schöne / Dr. P. Arnold, 1983

  • „Krankheiten der Vögel" von Dr. Heinz-Sigurd Raethel, 1980

  • „Artgerechte Vogelhaltung" von Dr. Jürgen E. Lohr, 1992

 

An dieser Stelle wird nur wiedergegeben, was unsere Väter und Großväter zur Belehrung anderer Zuchtfreunde vor ca. 50 Jahren in unseren Kanarien-Fachzeitschriften veröffentlicht haben. Dies war nicht immer wissenschaftlich exakt, aber in vielen Fällen hilfreich. Heute haben wir teilweise bessere Mittel in der Hand (z.B. Multi-Vitamine, Insektizide, Biozide, usw.) um unseren Vögeln gezielter helfen zu können.

 

 

Kanarienkrankheiten und deren Heilung,

 

 von Max Lorenz, Leipzig

 

Der Züchter, der für sauerstoffhaltige Luft, passende Wärme und Licht, zuträgliche Nahrung, sauberes Trinkwasser und auf Reinlichkeit bedacht ist, wird mit Krankheiten seiner Vögel weniger zu tun haben.

Ein Vogel, der mit gesträubtem Gefieder, halb zugekniffenen Augen auf der Stange sitzt, sich schwerfällig bewegt oder den Kopf in das Gefieder steckt und selbst am tag schläft, lange am Fressnapf verweilt und in demselben herumwühlt, die Rübsenkörner nicht enthülst, sondern durchbeißt, dass die Stücke in den Fressnapf zurückfallen ist nicht gesund.

Ein gesunder Vogel sieht schlank und glatt aus, seine Bewegungen sind lebhaft. Blitzschnell taucht er den Kopf in den Futternapf, nimmt ein Körnchen, enthülst und verzehrt es schnell, um in gleicher Art wieder andere Körner aufzunehmen.

Tritt der Züchter dem nicht entgegen, dann können sich solche Erscheinungen von Krankheiten zum Verhängnis auswirken. Es ist deshalb eine dringende Mahnung, rechtzeitig einzugreifen, um diesen Gefahren begegnen zu können, rasches Handeln ist unbedingt notwendig.

 

Krankheiten

 

Die Fresssucht ist eine widerwärtige, meist bei den Jungvögeln auftauchende Krankheit. Sie wird durch allzustarkes Eifutter hervorgerufen Zur Heilung ist folgendes zu beachten: der kranke Vogel kommt in einen Einzelkäfig, 8 Tropfen Akonit in abgekochtes Wasser oder Haferschleim. Als Weichfutter verabreicht man Biskuit mit etwas Milch angefeuchtet und ausgedrückt, Mohn, Glanz und Haferflocken. Bei fortschreitender Heilung kann schwaches Eifutter und aufgeweichter Rübsen in trockenem Zustand verabreicht werden.

 

Die Rotleibigkeit ist an dem entzündeten, aufgetriebenen Unterleib und der spitzen Brust zu erkennen. Leber und Galle ist meistens auch entzündet. Aufgeblasenes Gefieder, viel Schlaf und hohes Fieber deuten an, dass der Vogel krank ist. Die Ursache ist eine unsachgemäße Fütterung sowie zu gieriges Fressen. Jungvögel, die zu Zeitig von der Mutter getrennt werden, werden meistens befallen. Vorerst versucht man, dass der Vogel vom Fieber befreit wird. 6 bis 8 Tropfen Akonit werden dem Getränk beigegeben sowie Haferschleim oder gesüßter Kamillentee und Wasser nur in abgekochtem Zustand verabreicht. Der Leib wird mit China-Öl eingerieben, und dass muss alle zwei tage wiederholt werden. Wenn der Vogel fieberfrei ist, gibt man zur Abwechslung im abgekochten Trinkwasser 2 Tabletten Chinosol oder Soloxin. Sollte sich Durchfall einstellen, wird Mohn und Arsenik in kleinen Mengen verabreicht. Als Futter werden mehr mehlhaltige Sämereien und Grieß gereicht, kein Eifutter sondern nur Biskuit in Milch ausgedrückt und Mohn darüber gestreut. Kein Rübsen, kein Grünfutter. Bei einer gleichmäßigen Wärme hat die Heilung meist Erfolg.

 

Die Gefiederkrankheiten zeigen Mängel im Gefieder. Zunächst stelle man fest, ob die haut glatt ist, eine gesunde Blutfarbe aufweist oder ob sie mit Schuppen bedeckt ist. Sollte letzteres der fall sein, sind Hautschmarotzer vorhanden. Sie unterminieren die Haut und bringen die Federn zum Absterben. Auch Federlinge spielen eine große Rolle. Die befallenen Stellen verursachen ein Jucken und beunruhigen den Vogel. Um den Federausfall zu stoppen ist folgendes zu beachten: Mit einem stumpfen Pinsel werden die befallenen Stellen von den Schuppen gereinigt. Die Hautteile werden mit einer schwachen Lösung „Perubalsam" oder Schweinefett etappenweise eingerieben. Am anderen Tag werden mit lauwarmem Seifenwasser die befallenen Hautteile gereinigt. Nach zwei Tagen wird dann dasselbe wiederholt. Selbstverständlich sind die Käfige vor der Behandlung zu reinigen und zu desinfizieren. Zur nächsten Mauser bewachsen sich diese Stellen wieder.

 

Krampfanfälle lassen sich mildern, jedoch nicht beseitigen. Baldriantee verschafft Linderung, auch Zinkum erleichtert dem Vogel sein Leiden. Jede Störung ist möglichst zu vermeiden. Zur Fortpflanzung sind derartige Vögel auszuschließen.

 

Bein- und Flügelbrüche verheilen verhältnismäßig leichter als der Oberschenkelknochen. Vor Anlegen des Verbandes, am besten eignet sich Leimpapier, müssen die Bruchstücke so gegeneinander gestellt werden, dass der Knochen wieder seine ursprüngliche Form erhält. Als Schiene verwendet man einen Strohhalm, eine Tauben- oder Entenfeder. Das angefeuchtete Leimpapier wird straff angelegt, man behält den Vogel noch so lange in der hand, bis das Leimpapier etwas trocken geworden ist. Der behandelte Vogel kommt in einen Einsatzkäfig und bleibt etwa 10 tage darin. Jede Störung ist zu vermeiden. Nach 10 Tagen kann die Entfernung des Verbandes durch anfeuchten des Leimpapiers erfolgen. In einer Tasse mit lauwarmem Wasser wird der Verbandstoff abgeweicht. Vorerst bleibt der Vogel zur weiteren Beobachtung in seinem kleinen Käfig.

 

Bei Flügelbrüchen werden die Enden der Schwanzfedern zusammengeklebt und die Bruchstelle in die richtige Form gebracht. Oberhalb der Flügelfedern wird ein Streifen Leimpapier geklebt. Die Heilung dauert gewöhnlich 7 bis 10 tage. Leukoplast oder Heftpflaster sollte möglichst keine Verwendung finden. Bei Fieber gibt man 8 bis 10 tropfen Akonit ins Trinkwasser.

 

Lungenentzündung ist auf Erkältung zurückzuführen. Als Getränk ist lauwarmer Kamillentee mit 10 tropfen Akonit zu reichen. Die Luft soll feuchtwarm sein.

 

Die Heiserkeit ist eine Erkrankung der Luftwege. Auf gleichmäßige Wärme ist zu achten. Getränke mit Honig, Kandiszucker oder gesüßter Kamillentee werden meist Linderung herbeiführen. Als Heilmittel gibt man Chamomilla-Akonit-Pulsatilla im Wechsel. Bei starker Heiserkeit verabreicht man Phosphor 10 Tropfen in Kamillentee. Um die Heilung zu beschleunigen, benötigen alle kranken Vögel Ruhe.

 

 

Die Bekämpfung von Kanarienseuchen

 von Max Lorenz, Leipzig

 

Diphterie ist eine ansteckende Krankheit. Von diesem Leiden werden meistens die Jungvögel befallen. Unter Erscheinungen von Atemnot sperren die Vögel den Schnabel auf, strecken den Kopf und Hals weit vor und lassen die Flügel hängen. Sind die Schleimhäute der Schnabelhöhle erkrankt, zeigen sich an derselben zuerst rötlich-weiße Punkte, die sich mit gelbem Belag überziehen. Diese Stellen werden mit einer Kreolin-Emulsion 1:500 behandelt.

Bei Erkrankung der Nasenschleimhaut fließt gelber, zäher Schleim aus den Nasenöffnungen, verkrustet, und durch Verschluss der Nase entstehen Atembeschwerden. Die Lösung der Kruste ist mit lauwarmem Wasser vorzunehmen. Allen gesunden Vögeln wird Eisenvitriol 1:500 im Trinkwasser gereicht. Vorsichts- und Sicherheitsmaßnahmen sind zu ergreifen, um einer Verschleppung und Übertragung der Seuche vorzubeugen. In schweren Fällen wird ein Tierarzt zugezogen. Ist die Ursache in einer Kokzidieneinwanderung zu suchen, reicht man einige Tropfen Knoblauchsaft im Trinkwasser. Auf den Käfigboden wird eine Papiereinlage gelegt, und die sehr ansteckenden Abgänge laufend verbrannt.

 

Schnappkrankheit: bei dieser Seuche treten in erster Linie Atembeschwerden (schnappen nach Luft) in den Vordergrund. Die Leber ist stark angeschwollen. Einzelhaltung, Futterdiät, restlose Entfernung aller Abgänge und sonstige Behandlung wie bei der Kanariencholera.

 

Paratyphus ist ebenfalls eine gefährliche Seuche, die in kurzer Zeit den ganzen Vogelbestand vernichtet. Chinisol oder Soloxin ist im abgekochten Trinkwasser zu verabreichen.

Die Ruhr ähnelt der menschlichen Ruhr und tritt bei Kanarienvögeln oft in der heißen Jahreszeit auf. Sie wird, weil der aufgetriebene Leib schwarz wird, also brandig aussieht, der kalte Brand genannt. Der Krankheitsverlauf vollzieht sich sehr schnell. Die Vögel sitzend fiebernd am Futternapf, der Unterleib ist aufgetrieben und entzündet, die Brust spitz. Der Kot ist dunkelgrün, flüssig und nimmt bei Blutzusatz eine braune Färbung an. In ganz schweren Fällen geht das Blut rein ab. Trotz des flüssigen Kotes biegen die Vögel bei der Entleerung den Hinterleib ein und wippen, ein Schmerzgefühl verratend, mit dem Schwanze. In mehr oder weniger kurzer zeit tritt meist der Tod ein. Die Ursachen sind: Zuviel oder sauer gewordenes Eifutter in gewässertem Zustande. Sauer gewordener Haferschleim, verdorbenes oder schimmliges Futter, Aufnahme von Bakterien und anderen Krankheitskeimen. Weitere Ursachen sind Erkältungserscheinungen und  zu große Hitze.

Nur durch eine Selektion und eine bakteriologische Untersuchung ist die Ruhr nachzuweisen, deshalb ist es notwendig, einen Tierarzt heranzuziehen. Als Ersthilfe sind alle Vögel warm zu halten. Anstelle des Trinkwassers verabreiche man dünnen Haferschleim. Akonit und Nux vomica als homöopathische Mittel sind im Wechsel anzuwenden. Bei einer Schimmelpilzinfektion muss die Behandlung zunächst mit einer eintägigen Hungerkur bei reichlichem Getränk beginnen.

 

Die Kanariencholera ist eine der gefährlichsten Seuchen. Sie ist mit der Geflügelcholera gleichbedeutend und wird von den Kanarienzüchtern als Kalkdurchfall Typhoid bezeichnet. Der Krankheitserreger ist ein winziger Spaltpilz, der mit dem Futter oder durch andere Übertragung (Ausstellungen, Mäuse, Fliegen) in die Vogelstube eingeschleppt. Die Krankheit verläuft schnell und dauert selten länger als zwei bis drei Tage. Die Vögel zeigen Durst und sitzen viel am Fressnapf. Der Kot, zuerst dünnbreiig und gelblich, wird später wässerig und weiß, so dass er wie Reiswasser aussieht. Der After wird vorgetrieben, die Federn um denselben sind verklebt und kotig. Die Vögel haben Fieber, Atemnot und lassen die Flügel hängen, zeigen Mattigkeit, schlafen viel und sind schwach auf den Beinen. Vogelabgänge und Futterreste sind zu verbrennen. Das Inventar ist einer gründlichen Reinigung zu unterziehen. Man verwendet am besten heiße Sodalauge. Der Boden der Schublade ist mit warmem Sand zu füllen. Eisenvitriol im abgekochten Trinkwasser 1:500 . Sitzstäbe sind zu entfernen, damit der Vogel auf dem warmen Sand sitzen muss. Wird der Sand kalt, muss er erneut warm gemacht werden. Als Futter verabreichen wir gesiebte Haferflocken oder Grieß in kleineren Portionen und als Getränk Kamillentee. Ein Tierarzt ist heranzuziehen.

Allen Züchtern ist zu empfehlen, sich folgende homöopathische Mittel zu beschaffen:

Akonit gegen Fieber, Arnica für innere Krankheiten und Verletzungen, Belladonna gegen Krämpfe und Katarrh, Arsenicum gegen Durchfälle und schwere Magenleiden, Nux vomica gegen Darmkatarrh und Magen, Phosphor bei Erkrankungen der Atmungs- und Verdauungsorgane, dünner Kot, Pulsatilla gegen Katarrhe, Bleichsucht, Magenschwäche, Eisenvitriol für blutarme Vögel 1:500. Anmerkung: Bei allen aufgeführten homöopathischen Mitteln sind durchschnittlich 6 bis 8 Tropfen in abgekochtem Trinkwasser zu verabreichen, in schweren Fällen bis zu zehn Tropfen.

 


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