Zurück

 
 

 Mischlingszucht Wildvogelhahn mit Gesangskanarienweibchen

Die Mischlingszucht  gehört nur nebenbei zu dem Betätigungsfeld eines Gesangskanarienzüchters. Gesangskanarienzüchter züchten ihre Vögel wegen des schönen Gesangs. Viele Mischlinge vereinen den Gesang des Harzer Rollers mit ihrem eigenen schönen Waldvogelgesang.  Auch die roten Kanarien entstanden ja erst, als durch die Mischlingszucht mit Kapuzenzeisigen der rote Farbstoff auf die Kanarien übertragen werden konnte. In Gesangskanarienzuchten sieht man hin und wieder Stieglitze, Hänflinge u.a. mitfliegen, um mit diesen gut singende Mischlinge zu erzüchten. Deshalb soll hier kurz auf die Mischlingszucht eingegangen werden. Es versteht sich natürlich von selbst, dass alle gesetzlichen Regelungen bei der Haltung von Wildvögeln strikt eingehalten werden müssen.

Welche Vögel sind für eine Mischlingszucht geeignet?

Mischlinge können durch Verpaarung von Vögeln erzielt werden, die der gleichen Familie der Finken (Fringillidae) angehören. Innerhalb der Familie können Vögel aus verschiedenen Gattungen erfolgreich gekreuzt werden. So gehört z.B. der Dompfaff der Gattung Pyrrhula und der Stieglitz der Gattung Carduelis an. Eine Verpaarung ergibt zwar Mischlinge, diese sind aber unfruchtbar. Erfolgreicher sind Verpaarungen innerhalb der Gattung Carduelis. Hierbei können auch fruchtbare Mischlinge erzielt werden.

Es können verpaart werden:

  • Wildvogelmännchen X Kanarienhenne (ist für den Anfänger erfolgreicher)
  • Kanarienhahn X Wildvogelhenne
  • Wildvogel X Wildvogel

Gern werden immer wieder (weil leicht zu erzielen) die verschiedenen Girlitzarten (auch außereuropäische) mit Kanarienweibchen gekreuzt.  Leicht ist aber ein solches Vorhaben auch nur dann zu bezeichnen, wenn der jeweilige Partner sehr gut eingewöhnt ist.  Bei Großhändlern (Importeuren von Vögeln aus Afrika und Asien kann man immer wieder feststellen, dass bei Neuimporten diese Vögel noch nicht eingewöhnt sind. Es ist deshalb erforderlich, diese Vögel auf die Mischlingszucht vorzubereiten. Dies gilt besonders dann, wenn man die Mischlingszucht nicht in einer  dicht bepflanzten Voliere durchführen kann.

Die Eingewöhnung und Haltung solcher Frischfänge :

In zoologischen Fachgeschäften sind oftmals außereuropäische Vögel (z.B. afrikanische Girlitze) zu erwerben, welche nicht aus einer Gefangenschaftszucht stammen, sondern die erst vor kurzem, man merkt das an ihrem Verhalten, aus der freien Natur entnommen wurden.

Möglicherweise sind diese Vögel in ihrer Heimat nicht zur richtigen Zeit gefangen worden. Nicht jede Jahreszeit ist dazu geeignet aus Wildvögeln Käfigvögel zu machen. Es gibt Monate, in denen die plötzliche Gefangenschaft eine akute Lebensgefahr für den Vogel bedeutet. Ein frisch gekäfigter Vogel ist grundsätzlich einer großen körperlichen und vor allem psychischem Belastung ausgesetzt. Er darf plötzlich nicht mehr fliegen und muss zugleich die alte, ererbte Fluchtbereitschaft überwinden, denn der freilebende Vogel ist ohne Fluchtmöglichkeit immer in großer Lebensgefahr. Da er also beim Nahen eines Menschen oder anderer ihm unheimlicher Dinge nicht mehr wegfliegen kann, so oft er es auch versucht, kann sich seine Erregung bis zum panischen Schrecken steigern. Er kommt schließlich in einen Stress, bedingt durch die Situation der Ausweglosigkeit und Hoffnungslosigkeit, die gar zu leicht den Wildfang zur Selbstaufgabe bringt. Er stirbt in überraschen kurzer Zeit dahin.

Dies ist ein typisches Wildheitsmerkmal.

Wir müssen also versuchen, den Schrecken nicht nur möglichst zu verkürzen, sondern ihn möglichst zu verhindern. Nun weiß jeder, der Vögel beobachtet, dass diese im Verlaufe des Jahres durchaus nicht immer das gleiche Wesen und die gleiche Stimmung zeigen. Im Winter, Herbst und zeitigen Frühjahr zu großen Flügen oder Schwärmen vereinte Vögel achten zwar auf eine ganz bestimmte Individualdistanz, ohne Rücksicht auf das Geschlecht, leben und fressen aber sonst friedlich miteinander. Doch kaum sind die Tage länger geworden und die Brutzeit naht, fangen die Männchen an, plötzlich in erbitterten Kämpfen Brutplätze zu verteidigen und alle Artgenossen bis auf die Weibchen daraus zu vertreiben.

Wer bis zu diesem Zeitpunkt, also vor der Brutzeit Wildvögel käfigt, kann damit rechnen, dass er es leichter hat, die Vögel zum Fressen zu bewegen, dass er aber zu einem späteren Zeitpunkt den Gefangenschaftsstress durch Trennung bereits angepaarter Vögel noch verstärkt. Obwohl das alte Sprichwort „Vogel friss oder stirb" eine Aussage über das Risiko einer Wildvogelhaltung bleibt, geht es doch im Grunde an der Tatsache vorbei, dass die zur Brutzeit gekäfigten Vögel sich im Stresstod selbst aufgeben und sterben, ohne etwa verhungert oder verdurstet zu sein. Trennung vom Brutrevier, Brutpartner und Jungen und die plötzliche Gefangenschaft sind eine zu große Gefährdung des Vogels, als dass dies gebilligt werden könnte.

Aus diesem Grunde hatte zum Beispiel der ehemalige DDR–Gesetzgeber die Fangzeit für den Wildvogelfang für die Zeit vom 15. September bis zum 28. Februar festgesetzt. In dieser Zeit haben unsere Vögel Winterruhe. In Afrika schreiten dagegen viele Girlitzarten  dann zur Brut, wenn bei uns Winter (um die Weihnachtszeit) ist.

Wildvögel fängt man also in Afrika und Asien, im dortigen Frühherbst und Winter, möglichst Jungvögel vor der zweiten Mauser oder nach der Kleingefiedermauser. Vögel, die in der Mauser stecken bleiben, sind meist Todeskandidaten. Noch besser ist es aber Gefangenschaftsnachzuchten für die Mischlingszucht zu verwenden, da diese Vögel bereits sehr gut eingewöhnt sind.

Nach dem Erwerb eines noch nicht gut eingewöhnten Vogels bringt  man diesen vorerst  in einem kleinen Käfigen unter, am besten von der Größe der Harzer Bauer und stellt zahme Artgenossen (oder Kanarien) an mindestens zwei Seiten daneben. Es brauchen nicht unbedingt gleichartige zu sein, jedoch sind sie geeigneter. Über alle Käfige steckt man ein luftdurchlässiges weißes oder grünes Tuch. Der, bzw. die Frischfänge sehen die anderen Vögel ruhig in ihren Käfigen hüpfen und fressen und werden, wenn man sie nicht beunruhigt überraschend schnell aufhören zu toben. Sie werden von der Zahmheit gewissermaßen angesteckt. In wenigen Tagen können wir das Tuch bereits mehr und mehr entfernen, und man hat dann die Vögel an die Gefangenschaft gewöhnt. Wollen wir die üblichen Käfige als Eingewöhnungskäfige benutzen, ohne zahme Artgenossen zu haben, so müssen sie mit Laub – oder Nadelholzzweigen, Stoff usw. ganz verhängt werden. Bewährt haben sich zum Eingewöhnen auch die so genannten Kistenkäfige. Das Verhüllen der Käfige kann durch Stoffe geschehen, die genügend Licht in den Käfig eindringen lassen und den Eintritt frischer Luft nicht verhindern. Am besten eignen sich hierfür ausgewaschener weißer Kattun oder dünnes Leinen. Papier ist nicht geeignet, Die Umhüllung wird so angebracht, dass sie das Füttern und das Reinigen nicht behindert und zu diesem Zweck nicht emporgehoben zu werden braucht. Viele Vogelpfleger lassen eine kleine Ecke des Käfigs offen, um den Vogel ab und zu beobachten zu können. Das Entfernen der Umhüllung geschieht ganz allmählich, in dem man an jedem Tag die Hülle an der Vorderseite von unten her ein wenig mehr lüftet, bis sie ganz entfernt wird.

Wir lassen den Wildfang in der Regel möglichst in Ruhe, hüten uns vor häufigem Nachsehen, und bei der Verabreichung von Futter und Wasser reinigen wir gleichzeitig die Käfigschublade, um ihn möglichst wenig zu stören. In der ersten Zeit streue man das Futter auf den Käfigboden, der mit Moos, Walderde oder zur Not mit feuchtem Sand bedeckt ist, doch stelle man auch gleichzeitig einen gefüllten Futternapf hin, ebenso bald ein oder zwei möglichst flache Trinkgefäße, in die wir zur Beschwerung einige Steinchen legen. Die Annahme der Nahrung ist an den frischen Entleerungen auf dem Käfigboden festzustellen.

Alte, trockene Sämereien sind als Anfangsfutter zu vermeiden. Sie können zu Darmentzündungen führen. Man gebe frische oder gequollene in der betreffenden Jahreszeit vom Wildvogel auch im Freien gefressenen Sämereien. Falls kein Naturfutter vorhanden ist, sind nur solche Sämereien zu verfüttern, die ein bis zwei Tage auf nassem Sand gelegen haben oder am Abend vorher mit Wasser begossen wurden. Ausnahme ist blauer und weißer Mohnsamen, welcher reichlich gefüttert Durchfall verhindert und beruhigend wirkt. Mohn ist zur Eingewöhnung unentbehrlich. Auch Keimfutter kann verabreicht werden. Viele Frischfänge können bei fehlerhaften Futtergaben schnell Darmentzündungen bekommen, die sie nicht überleben. Man sei daher mit dem Füttern des so genannten Waldvogelfutters zunächst sehr vorsichtig.

Wer zum Gebiet der Mischlingszucht weitere Informationen haben möchte, dem sei die hierzu zahlreich vorhandene Literatur empfohlen.

Hier noch einige interessante Informationen über Wildvögel:

  • Wildvögel haben ein Revier (Futtersuche) und verteidigen es auch von 50 bis 70 Meter rund um das Nest.
  • Die Schlupfrate beträgt nur 40 % infolge Verluste oder Beschädigung von Eiern, Störung der Brut usw.
  • Von 100 ausgeschlüpften Jungen verlassen nur 70 das Nest. (Genau untersucht bei Grünfinken und Rotkehlchen).
  • Allgemein gilt: von 100 Eiern verlassen 50 % Junge das Nest. Die Sterblichkeitsrate beträgt im 1. Lebensjahr: 78 % bis 87 %.
  • Eine Vogelpopulation (Nistpopulation) besteht aus:
  • ca. 59 % einjährige Vögel
  • ca. 3 % fünfjährige Vögel
  • Die Zahl der Jungen, die die geschlechtliche Reife erlangen, ersetzt annähernd die Zahl der eingegangenen erwachsenen Vögel. Große Verluste werden durch häufiges und wiederholtes Eierlegen ersetzt.

    Allgemein gilt, dass die Fortpflanzung die Zahl der Einzellebewesen einer bestimmten Tierart ständig auf derselben Höhe erhalten soll, ohne sie jedoch zu erhöhen.

    Was sagt der Verhaltensforscher Konrad Lorenz zur Haltung einheimischer Finken?

    "Ich stimme nicht in das Geschrei ein, zum Vogelschutz etwa den Fang einheimischer Vögel zu verbieten. Unsere heimischen Vögel leiden unter ganz anderen Faktoren: Unter der Zerstörung ihres Lebensraumes und unter Vernichtung ihrer Brutstätten. Und die paar Stieglitze die der Vogelliebhaber fängt, um sie zu halten, die fallen überhaupt nicht ins Gewicht. Ich propagiere als Menschenerziehungsmittel Tierhaltung so viel als möglich."

    Konrad Lorenz

    Vogelfang den wir verurteilen:

    • Italien ist ein Mitgliedsland der Europäischen Union, in welcher auch alle Europäischen Gesetze so wie in Deutschland einzuhalten sind.
    • Singvögel sind in Italien als Delikatesse begehrt. Es gibt an die 900.000 Vogeljäger zwischen Brenner und Sizilien.
    • Pro Saison töten sie schätzungsweise 200 Millionen Singvögel – darunter Rotkehlchen, Gartenrotschwänze, Lerchen, Drosseln und alle Finkenarten.
    • Die Jäger töten nicht nur mit Schrotflinte, sondern auch mit Rosshaarschlingen, Steinfallen und Bogenfallen, die die Vögel ersticken, erschlagen oder ihnen die Beine zerquetschen.
    • Viele Vögel sterben einen langsamen, elenden Tod. Doch damit nicht genug: Oft werden die Vögel nicht nur im Winter gejagt, sondern illegal (nach italienischem Gesetz) bis in den Frühling hinein.
    • Um die Vogeljagd ist eine regelrechte Industrie entstanden. Neben Waffenherstellern, Restaurants und Jagdausrüstern verdient auch der italienische Staat kräftig mit. Die Einnahmen aus Jagdlizenzen allein, belaufen sich für den italienischen Fiskus auf rund jährlich 205 Millionen EURO.
    • Italien steht hier nur als Beispiel. Es gibt noch mehr europäische Länder die hier ebenfalls genannt werden könnten.
     
      Home