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Vom Farbvogel zum Gesangsfarbvogel - ein langer Weg
von Willi Böhm, Waldalgesheim, VF 4 / 2003 Seite 19
(Gekürzter Auszug)
Die Farbenkanarienrasse „weiß-rezessiv" kreuzte ich 1979 in meinen Zuchtstamm Gesangsfarbenkanarien mit den Farben „weiß-dominant" und „gelb" und den Kategorien „intensiv" und „schimmel" ein. Aus meiner rezessiv-weißen Farbenkanarienzucht entnahm ich drei geeignete Partner. Die Umstellung des Gesangsspektrums eines Farbvogels auf die gesangliche Leistungsstufe eines Harzer Rollers braucht seine Zeit, zumal eine genetische Steuerung kaum möglich ist. Nur ein strenges Ausleseverfahren, ein hohes Maß an Fingerspitzengefühl und viel Glück kann den Weg forcieren, sodass Nachkommen möglichst schnell viele Eigenschaften beider Eltern in sich vereinigen können. Von dem Gesangsfarbenvogel wird sowohl ein beachtliches Potential im „Bereich Gesang", wie auch ein hohes Maß an „Darstellung" erwartet, um den Bewertungsanforderungen genügen zu können. Züchterisch wird dies oft als zu schwierig beurteilt, was aber kein Hindernis bedeuten dürfte, ganz im Gegenteil, liegt doch gerade in der Schwierigkeit einer Aufgabe deren Reiz.
Vorgehensweise bei der Einkreuzung von Farbkanarien in Gesangskanarien, oder umgekehrt:
Die Erstellung einer Kreuzungsmethodik muss sich an der Art des Erbgangs, die jeder Eigenschaft von der Natur vorgegeben ist, orientieren bzw. bei der Paarbildung darauf einstellen. Die „englisch-weiße" Eigenschaft verhält sich nach dem Erbgang „frei-rezessiv". Der nun geschilderte Zuchtablauf ist für jedermann leicht nachvollziehbar.
Einstieg:
Gekreuzt wird rezessiv-weiß mit einem gelben Partner eines Gesangsstammes. Ob der Hahn oder die Henne rezessiv-weiß ist oder umgekehrt , spielt keine Rolle. Der oder die Gelbe sollte nur melaninfrei sein, sowohl das Federkleid als auch die Hornteile.
1. Generation:
Es fallen ausnahmslos gelbe Vögel, die aber alle spalterbig in rezessiv sind.
2. Generation:
Kreuzt man Tiere der 1. Generation miteinander oder mit dem rezessiv weißen Elternteil, erhält man schon weiße Nachkommen. Beide Verpaarungen sind aus Verwandtschaftsgründen jedoch zu vermeiden, sie bringen keinen Fortschritt in der Verbesserung des Gesangs, selbst wenn man des engen Verwandtschaftsgrades wegen die 1. Generation in 2 oder 3 Linien anlegen würde. Die schnellere Gesangsverbesserung erfolgt durch Paarungen der 1. Generation mit reinen Gesangspartnern, jeweils unter Berücksichtigung der Größe , Form und Farbe. (Auslese) Das Ergebnis: 50 % der Nachkommen sind reinerbig gelb, daher uninteressant für die Weiterzucht. 50 % sind gelb spalterbig in rezessiv-weiß. Leider ist der Unterschied im Phänotyp nicht erkennbar.
3. Generation:
Zunächst gilt es die Spaltvögel herauszufinden. Man kreuzt die 2. Generation untereinander; fallen rezessiv-weiße Tiere, sind beide Eltern spalterbig. Die Ausbeute ist zwar gering, es sind nur rund 25 % im Schnitt, aber sie reicht aus als Grundlage für erneute Paarbildungen mit reinen Gesangspartnern, denn die gesanglichen Fortschritte der dritten Generation sind noch sehr, sehr mäßig. In dieser Phase des Vorhabens erkennt man deutlich den Vorteil, wenn der Start in die erste Generation mit wenigstens 2 Linien begonnen worden wäre.
4. Generation:
Stehen rezessiv-weiße Tiere der dritten Generation zur Verfügung, verpaart man diese mit reinen Gesangspartnern. Das Ergebnis ist gleich dem der 2. Generation. Alle Nachkommen sind gelb im Phänotyp. Die als spalterbig gelben Tiere der 2. Generation setzt man erneut zur Zucht an, wiederum in Erwartung rezessiv-weißer Jungen.
5. Generation:
Ab der 5. Generation züchtet man auf Grund größerer Auswahl an Zuchtmaterial und Kreuzungswiederholungen der Vorjahre leichter. Ganz wichtig ist aber immer der Zugriff zu sehr guten, möglichst rein gelben Gesangskanarien. Gesang ist weit schwieriger und zeitaufwändiger auf andere Kanarienrassen übertragbar, als genetisch steuerbare Farbeigenschaften in der Farbenkanarienzucht. Aber das ist ja nichts Neues. Im Falle Gesangsfarbenkanarien muss aber immer bedacht werden: es sind Vögel die gewollt auf zwei verschiedenen Zuchtrichtungen aufbauen. Das bedeutet, dass ständig eine Fülle von Eigenschaften beachtet werden müssen, bei der Haltung, bei der Zucht, bei der Partnerauslese, bei der Paarzusammenstellung, bei der Vorbereitung zur Schau und, und, und.
Weitere Generationen kreuzt man entsprechend den Generationen 2 und3. |
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