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 Der St. Josefstag als Zuchtbeginn?

 

Wer in heizbaren Räumen züchtet, Temperatur und Lichtdauer steuern kann, den wird der nachfolgende Artikel nicht interessieren da er schon im Januar mit der Zucht beginnen kann.

 

In der Vogelliteratur ist immer wieder zu lesen, dass der Beginn der Hecke bei unseren Kanarien um Mitte März herum (also ca. am St. Josefstag, 19. März) oder dann, wenn die Stachelbeersträucher austreiben, beginnen soll.

Hierbei wird unbewusst der Tatsache Rechnung getragen, dass die Lichtdauer den Vogelmechanismus steuert. Es ist noch gar nicht so lange her, dass viele Züchter meinten, dass nur die fortschreitende Wärme, die Brutaktivität bei den Vögeln auslöst. Licht ist aber wichtiger als die Wärme im Leben unserer Vögel. In unseren Breitengraden dehnt sich die Tageslichtdauer im ersten Halbjahr des Jahres aus. Dies steuert den Vogelorganismus. Bei Vögeln löst eine Drüse im Hirnanhang, auch Hypophyse genannt, durch Lichteinfall über das Auge solche Vorgänge wie Brutbeginn im Frühjahr oder Mauserbeginn im Hochsommer / Spätsommer aus, wenn die Tage wieder kürzer werden.

Am 19. März vergehen von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang 12 Stunden. Etwa ab Mitte Juni vergehen schon ca. 16 Stunden von Sonnenauf- bis –Sonnenuntergang. Ab 23 Juni werden die Tage wieder langsam kürzer bis dann im Januar nur noch 8 Stunden zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang liegen. In dieser Zeit hat der Vogel die Mauser überwunden, sein Gefieder ist erneuert und der Vogelorganismus ruht sich aus, um für die bald darauf folgende Zuchtperiode gewappnet zu sein (Zuchtruhe).

Aus dieser Tatsache können wir Schlussfolgerungen für die Überwinterung der Weibchen und Hähne ziehen.

Ich selbst bin der Ansicht, dass es nicht unbedingt notwendig ist, die Weibchen möglichst im Freien bei Frostgraden zu überwintern. Eine frostfreie, mäßig warme Unterbringung in einer Innenvoliere bei Plus 6 bis 10 Grad und bei reduzierter Lichtdauer von 10 Stunden erleichtert ihnen den Start in die neue Brutsaison. Die Hähne halte ich im Winter in den Heckkäfigen in einem Nebenraum bei etwa plus 12 bis 16 Grad und einer Lichtdauer von 12 Stunden. Größere Temperaturschwankungen müssen aber vermieden werden. Die Temperatur muss möglichst konstant gehalten werden, damit die Vögel nicht in die Mauser kommen. Die Ernährung muss auch in der Zuchtruhe ausgewogen und gehaltvoll sein.

Wenn ich mit der Zucht beginnen will, setze ich die Hähne in Einzelbauer um. Die Weibchen kommen in die Heckkäfige und die Beleuchtungszeit wird langsam in einem Zeitraum von 4 Wochen auf 14 Stunden und später auf 16 Stunden erhöht.

 

Gleichzeitig wird die Temperatur ebenfalls langsam, schrittweise auf 18 Grad erhöht. 18 Grad sind bei der Verfütterung von Aufzuchtfutter notwendig um Darmerkrankungen zu vermeiden.

 

Wer in seinem Zuchtraum nicht heizen kann, muss mindestens mit dem Zuchtbeginn warten, bis im Zuchtraum am Tage eine Temperatur von 15 bis 16 Grad herrscht. Eventuell noch auftretende kurzzeitige Nachtfröste sind weniger gefährlich. Bei manchen Zuchtfreunden gestatten die örtlichen Bedingungen deshalb einen Zuchtbeginn erst Mitte bis Ende April. Es wird dann schwierig, den Bruttrieb bei den Weibchen hinaus zu zögern. Am Besten man bringt die singenden Hähne außer Hörweite der Weibchen.

 

Erst kürzlich las ich wieder einen Beitrag in der Vogelfachzeitschrift über die kalte Überwinterung der Kanarienhähne und Weibchen bei Temperaturen bis minus 25 Grad. Als Trinkwasser gab es wochenlang nur Schnee und dabei haben die Hähne auch noch gesungen. Das mag ja alles richtig sein, für Anfänger und noch wenig erfahrene Züchter sind solche Artikel aber nicht hilfreich, weil verschwiegen wird, dass mit diesen Hähnen entweder nicht gezüchtet wird oder aber erst Ende April oder gar Anfang Mai. Wer im März mit diesen Hähnen und Weibchen züchten will, muss die Hähne schon Mitte Dezember wieder reinnehmen und auf die Zucht vorbereiten oder er wird erleben, dass die komplette erste Brut nur aus Schiergelegen besteht. Grund ist ein nicht befruchtungsfähiger Zapfen bei den Hähnen. Diese Erfahrung habe ich selbst mit der kalten Unterbringung meiner Kanarien machen müssen.

 

Es ist auch nicht falsch die Kanarienhähne in der warmen Stube zu überwintern. Gleichmäßige Stubenwärme garantiert die Fortsetzung des Gesanges. Stellen die Hähne ihren Gesang ein, weil die Unterbringung zu kalt ist, so sind sie auch im Frühjahr zu Beginn der Heckzeit noch nicht brutlustig, was man auch optisch an der Größe des Zapfens feststellen kann.

 

Im Jahr 1982 hatte ich plötzlich im Januar reichlichen Eiersegen im Unterbringungsraum meiner Kanarienweibchen. Da ich an eine Zucht noch nicht dachte, waren auch keine Hähne in der Nähe und Nester waren auch nicht angebracht. Die Weibchen ließen also zu meinem Entsetzen ihre Eier von der Käfigstange auf die Bodenschublade fallen. Ein Wunder, dass es nicht zu Notgelegen gekommen ist.

Ursache war, dass meine elektrische Schaltuhr (damals noch mit unförmiger Mechanik) ausgefallen war. Das Licht war über mehrere Tage (wie lange weis ich nicht) rund um die Uhr an und meine Weibchen waren total aus dem Gleichgewicht gebracht. Da war die erste Brut auch daneben gegangen und mir ein Licht aufgegangen. Seitdem kontrolliere ich auch meine Schaltuhr täglich.

 

Wer mit dem St. Josefstag (19.März, Feiertag in der Schweiz) nichts anfangen kann, wird sich vielleicht mit dem astronomischen Frühlingsanfang (20. / 21.März, Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche) anfreunden können.

 

Ich kenne einen alten Züchter, der ging in den Garten und beobachtete seine Stachelbeersträucher. Wenn hier die erste Blattoberfläche sichtbar war, brachte er bei den Weibchen die Nester an. Er richtete sich also nach dem phänologischem  Frühlingsbeginn. In Thüringen ist das mehrjährige Mittel hierfür der 30.04. Im Jahr 2010 erfolgte die erste Meldung am 26.03. und die letzte Meldung hierfür der 12.04.

 

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