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„Vogelfaenger auf den Vogel-herd mit seinem geraethe ziehend."

Radierung (342 X 252 mm) von Martin Elias Ridinger nach

Johann Elias Ridinger (15.02.1698 – 10.04.1767)

Foto: Sächs. Landesbibliothek, Abt. Dtsch. Fotothek

 

Unrühmliches Treiben schon im Morgengrauen

 

von Heinrich Hucke, Wingerode, 06.08.2008

 

„Heut will ich suchen,

morgen geht’s zum Treiben

und übermorgen winkt der Vogelherd.

Oh, könnt es Herbst im ganzen Jahre bleiben,

das wäre was mein Herz begehrt!"

 

Heutzutage kann man sich kaum noch vorstellen, wie viel Vögel man in früheren Zeiten durch die Vogelstellerei eingefangen hat. Besonders in bergigen und waldreichen Gegenden war diese Jagdart über Jahrhunderte üblich; nur zwischen dem 01. Mai und dem 31. August gab es so eine Art von Schonzeit. Gefangen wurden nahezu alle Vogelarten, vor allem aber Singvögel, die man entweder aufzog oder aber mit Gewinn verkaufte. Auch zu manch herrschaftlichem Braten wurden Vögel gerne herbeigeschafft.

Der sogenannte „Rutenfänger" fing sein Gewerbe schon mitten in der Nacht an, und je nach der Art des Waldes richtete er auch seine Fanggeräte aus.

Zwei Arten der Vogelstellerei waren im Gange, der Fang mit Leimruten und der Fang am sogenannten Vogelherd.

Fing er im Laubwald, so wurde ein schöner Buchenbusch , oben an einer langen Stange befestigt, in die Erde gesteckt. Die Zweige waren vorher mit dem Taschenmesser etwas gelichtet worden.. Auf diese Zweigstümpfe steckte man Holunderholzpflöcke und an deren äußeren Enden wurden die frisch mit Leim bestrichenen Ruten befestigt.

Im Tannenwald wurde eine sogenannte „Klette" eingesetzt. Das war eine Holzstange mit einigen beweglichen Armen, die gespreizt und auch wieder zusammengelegt werden konnten. In die Arme der Klette waren Löcher gebohrt, in die man die Leimruten steckte. Damit die Vögel aber die kahlen Holzgestellteile weniger bemerken sollten und leichter auf die Leimruten hüpften, wurde zwischen den Ruten noch Tannengezweig gesteckt. Nach allen Vorbereitungen wurden die Lockvögel im Käfig auf hohe gabelige Stangen gesetzt. Mehrere wurden ringsumher angeordnet, denn jeder Lockvogel lockte durch seinen Gesang die Vögel seiner Art herbei. Oft saßen dann schon in kurzer Zeit viele Vögel mit Füßen oder Flügeln auf den klebrigen Ruten fest.

Der Vogelsteller nahm sie herab. Die Männchen wurden in kleine mitgebrachte Käfige getan, um sie zu verkaufen, die Weibchen wurden entweder getötet oder zu Hause gebraten, oft aber auch einfach fortgeworfen. Nach acht Uhr morgens lohnte sich der Fang nicht mehr, und der Vogelsteller zog wieder nach Hause.

Ein Vogelherd dagegen war ein Fang mit Netzen, die in bestimmter Ordnung aufgestellt, zahlreichen gefiederten Sängern das Verderben brachten. Dabei benutzte man entweder einen Kauz oder eine selbstgeschnittene Wichtelpfeife mit der der Ruf der Eule nachgeahmt wurde. Von dem verdeckten Unterstand vor dem Vogelherd aus, beobachtete der Vogelfänger, auch Vogler genannt, das Einfallen eines Vogelschwarmes. Mittels einer Zugleine ließ der Vogler dann die Netze (Schlagnetze) über den Vögeln zusammenschlagen, um sie so zu fangen. Zum besseren Anlocken der Vögel imitierte der Fänger aus seiner Deckung heraus auch noch deren Lautäußerungen mit einer Pfeife aus Birkenrinde, Messing oder Silber. Zweifellos eine interessante Jagdart, die auch Gelegenheit bot, Vögel aus Nahdistanz zu beobachten. Der damaligen Auffassung vom Tier entsprechend, schreckte man zum besseren Fangerfolg auch vor Misshandlungen – wie dem Blenden von Lockvögeln – nicht zurück. Für uns heute undenkbar und verabscheuungswürdig.

 

Bekannt ist der Vogelherd Kaiser Heinrich des I. (Heinrich der Vogler *876 – + 02.07.936 in Memleben an der Unstrut) auf dem Rotenberg, unmittelbar südlich von Pöhlde (Südharz). Reste dieser ehemaligen Ringwallanlage, welche auch als Fliehburg diente, können noch heute besichtigt werden.

Während der Vogeljagd an diesem Vogelherd wurde ihm die Nachricht zugetragen, dass ihm durch die deutschen Fürsten die Kaiserwürde übertragen wurde:

 

Herr Heinrich saß am Vogelherd (Heinrich der Vogler)

 

Herr Heinrich saß am Vogelherd
recht froh und wohlgemut
aus tausend Perlen blinkt und blitzt
der Morgenröte Glut


In Wies und Feld, in Wald und Au
horch, welch ein süßer Schall
Der Lerche Sang, der Wachtel Schlag
die süße Nachtigall

 

Herr Heinrich schaut so fröhlich drein:
wie schön ist heut die Welt
Was gilt's, heut gibt's 'nen guten Fang
er schaut zum Himmelszelt


Er lauscht und streicht sich von der Stirn
das blondgelockte Haar
ei doch! was sprengt denn dort heran
für eine Reiterschar

 

Der Staub wallt auf, der Hufschlag dröhnt
es naht der Waffen Klang
Daß Gott! die Herrn verderben mir
den ganzen Vogelfang


ei nun! was gibt's? Es hält der Troß
vorm Herzog plötzlich an
Herr Heinrich tritt hervor und spricht:
wen sucht ihr Herrn? Sagt an! 

 

Da schwenken sie die Fähnlein bunt
und jauchzen: Unsern Herrn!
Hoch lebe Kaiser Heinrich, hoch
des Sachsenlandes Stern


Sich neigend knien sie vor ihm hin
und huldigen ihm still
und rufen, als er staunend fragt:
´s ist deutschen Reiches Will´

 

Da blickt Herr Heinrich tief bewegt
hinauf zum Himmelszelt:
Du gabst mir einen guten Fang
Herr Gott, wie dir´s gefällt!

 

Text: Johann Nepomuk Vogl , 1835 (1802-1866) 
Musik: nach Johann Karl Gottfried Löwe (1796-1866)
in: " Schulgesangbuch für höhere Lehranstalten"

 

Erst um die Jahrhundertwende des 19. Jahrhunderts wurden diese Vogelfängermethoden gesetzlich verboten und damit einem jahrhundertelangen Gewerbe, aber auch einem entsetzlichen Vogelmorden ein Ende bereitet.

In einigen südlichen Ländern Europas dagegen wird es, trotz einheitlicher EU-Gesetze, heute noch ausgeübt.

Wie das Komitee gegen den Vogelmord e.V. unter www.komitee.de berichtet , sind von Mitte September bis Ende Januar 40 Zugvogelarten in Italien zum Abschuss freigegeben. Die Behörden gestatten den 710.000 Jägern jedes Jahr an 55 Jagdtagen ein Abschusskontingent von 30 Vögeln pro Tag, damit ergibt sich theoretisch eine Zahl von 1,1 Milliarden toten Drosseln, Lerchen, Finken, Wat- und Wasservögeln – weitaus mehr, als in ganz Europa überhaupt noch leben. In manchen Regionen wie rings um den Gardasee, auf Sardinien und entlang der süditalienischen Küste wird zudem immer noch mit Fallen und Netzen gewildert.


Vogelherde in Deutschland werden in der Gegenwart mit modernisierten, tierschutzgerechten Fangmethoden nur noch bei der ornithologischen Forschung angewendet. Die Eule (Steinkauz, Uhu ) spielt dabei als Lockvogel (auch als ausgestopftes Präparat) immer noch eine gewichtige Rolle.

 

Beim Vogelsteller auf dem Bild ist es eine offenbar zu groß geratene Waldohreule. Mühsam schleppt das Pferd viele weitere Gerätschaften, wie diverse Vogelbauer mit Lockvögeln, Netze, Tücher, Stangen und Leimruten zum im Hintergrund sichtbaren Vogelherd mit Hütte. Der barfüßige Vogelfänger trägt eine geschulterte Armbrust, seinen Hut ziert ein Fuchsschwanz. In den Händen hält er eine lange Stange mit oben befestigter Scheibe. Sie wird der Eule während des Vogelfanges als Sitzgelegenheit dienen.

 

 
     
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