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Der Vortrag bezieht sich auf die Kasseler Einheitsskala von 1922 . Das Bewertungssystem für Gesangskanarien wurde seitdem mehrere Male  geändert. Das heute gültige Bewertungssystem ist  auf der Seite-  Bewertungssystem Heute -  näher erläutert. Die Ausdrucksweise und der Schreibstil des Autors Gustav Groß wurde unverändert übernommen

 

Das Kanarienlied und seine Bewertung

 

Vortrag

 

gehalten in der Gesangsschule des Landesverbandes der Berliner Kanarienzüchter- und Vogelschutzvereine e.V. Sitz Berlin,

 

von Gustav Groß, Berlin-Neukölln, Pannierstraße 63,

Vorsitzender der Berliner Preisrichtervereinigung 1912

 

(der Vortrag wurde im Jahr 1929 von der Buchdruckerei Hans Greiner, Köthen-Anhalt gedruckt)

 

Zum Geleit!

 

Das Lied unseres Kanarienvogels ist so vielseitig und wird in den vielen Gesangsstämmen in anderer Gesangsart und in einem anderen Klangbild vorgetragen, wozu jahrelanges Studium dieser Materie und Ausdauer gehört, um alle Strophen des Liedes richtig benennen und deren Wert abschätzen zu können.

Es sind keine sichtbaren Merkmale, die das Auge längere Zeit beobachten kann, sondern nur Momente in besonders schöner Form, die das Ohr festhalten muss; jede Unebenheit oder Unterbrechung, die geringsten Abweichungen von der eigentlichen Form, sollen beachtet werden.

Auch wenn man glaubt, ganz sicher zu sein, werden sich bei der Vorführung fremder Stämme Lücken zeigen.

Ein großer Teil der Züchter ist der Ansicht, dass theoretische Begriffe überflüssig sind. Diese Ansicht ist keinesfalls zutreffend! Derjenige Züchter wird stets im Vorteil sein, der die Konsonanten und Vokale und deren richtige Anwendung bei den einzelnen Strophen beherrscht, weil dann die Einstufung der Wertabmessung leichter ist. Natürlich ist auch eine jahrelange praktische Übung, Züchtung verschiedener Stämme, viel Lust und Liebe zum Sport erforderlich, um dieses Ziel zu erreichen.

Ohne Fleiß kein Preis!

Als langjähriger Leiter von Gesangslehrabenden habe ich die Überzeugung gewonnen, dass es einem großen Teil der Züchter nicht daran liegt, die Touren oberflächlich zu beherrschen, um nur die eigenen Vögel abhören zu können, sondern die meisten von ihnen möchten den Gesang bis zu den leisesten Abtönungen und Abweichungen erforschen. Mancher Schweißtropfen zeigte sich an der Stirn bei den alten Kämpen, wenn nach Vorausgang eines theoretischen Vortrages Vögel abgehört wurden, besonders dann, wenn es galt, zweifelhafte Strophen in den verschiedenen Tourengebilden durch Aufzeichnungen festzulegen. Auch bei den Preisrichterprüfungen versagte ein Teil der Prüflinge bei den Tourenerklärungen, weil es ihnen nicht möglich war, schnell und bestimmt die gebrachten Touren zu benennen und die Tonlage anzugeben.

Diesem Wunsch Rechnung tragend, versuchte ich, bei den Gesangslehrabenden des Landesverbandes der Berliner Kanarienzüchter- und Vogelschutzvereine e.V. (Sitz Berlin) die einzelnen Strophen in allen Teilen zu zerlegen, dabei alles Überschwängliche ausschaltend. In Anlehnung an Vergleiche mit ähnlichen Tönen und Geräuschen in leicht verständlicher Weise wurde den Züchtern die beste Gelegenheit gegeben, die Strophen des Liedes zu erlernen.

Durch die Fachpresse „Der Kanarienzüchter", Köthen i. Anhalt, wurde dieser Vortrag in ganz Deutschland und dem Ausland verbreitet. Dem Wunsche der Züchter nachkommend, bin ich somit bereit, meine Ausführungen in Buchform erscheinen zu lassen.

Alle meine Erfahrungen als Züchter und Preisrichter habe ich in diesem Buch zusammengetragen

Möge es den Züchtern als Anleitung zur Erlernung des Kanariengesanges dienen.

Der Verfasser

 

Inhaltsverzeichnis

 

Bewertungstouren

 

Die Reihenfolge der Touren wird bei der Vielseitigkeit des Kanarienliedes keine zu große Beachtung finden. Jedoch werden Vögel, welche mit zarten Hohlrollen einsetzen, in ganz tiefe Hohlrollen übergehen, dann Knorren, Hohlklingeln, Schockeln und tiefe Pfeifen bringen, einen sehr guten Eindruck machen, solche Vögel bringen dann aber die Klingelrolle und die Klingel besonders. Ein Vogel, der mit zarter Klingelrolle einsetzt, diese mit zarter Klingel verbindet, in Knorre übergeht, anschließend tiefe Hohlrolle, Hohlklingel, Schockel und tiefe Pfeife, hat eine schöne Zusammensetzung der Strophen und eine schöne Vortragsweise. Treten an Stelle der Schockel, Glucken oder Wasserrollen, so wird dadurch das Lied nicht beeinträchtigt. In vielen Fällen werden die vielseitigen Stämme öfter die Touren wechseln, sogar die Pfeifen zu Anfang des Liedes, auch Schockeln und Glucken außerhalb des Liedes vortragen, wogegen Stämme mit einseitigem Gesangsgepräge ihr Lied in einheitlicher Reihenfolge vortragen. In allen Fällen wird Weichheit, Tiefe, Schmelz und Wohlklang die Grundlage zur Wertabmessung der einzelnen Strophen bilden. Als Bewertungsmaßstab gilt die Einheitsskala, nach welcher die Dreiteilung der Touren möglich ist. Wir bezeichnen die einzelnen Teile als „genügend", „gut" und „sehr gut". Da nun auf diese Prädikate aber in den Strophen des Liedes nach der Einstufung 1, 2 und 3 Punkte entfallen, so wenden wir als Hilfsbezeichnung „ziemlich gut", „beinahe gut" und „gut" an, um die vergebenen Punkte errechnen zu können.

 

Die Bewertungstouren zerlegen wir in

rollende,

schwach abgesetzte und

zusammengesetzte Strophen.

 

Zu den rollenden Strophen zählen:

Die Klingelrolle

Die Hohlrollen

Die Wasserrollen

Die Knorren,

 

Schwach abgesetzte Strophen:

die Klingel

Die Hohlklingel

 

Stark abgesetzte Strophen:

Die Schockel

Die Glucken

Die Pfeifen

 

Zusammengesetzte Strophen:

Die Koller

 

Außerdem können fast alle Strophen in zusammengesetzter Tour als Doppeltouren gebracht werden.

Lassen wir eine Kugel auf einer schrägen Platte rollen, so hören wir einen zusammenhängenden fortlaufenden Ton, der am Ende der Platte unterbrochen wird und erst wieder vernehmbar ist, wenn die Kugel weiter rollt.

Alle rollenden Strophen müssen deshalb auch Zusammenhängend (fortlaufend) vorgetragen werden. In der Benennung wird schon zum Ausdruck gebracht, ob es sich um rollende Strophen handelt.

 

Klingelrolle

 

Konsonant r, Vokal i. Die Gangart soll riririri sein, und zwar wird der reinste Klang hervortreten, wenn der Konsonant und Vokal in gleicher Stärke zu Gehör gebracht wird. Tritt der Konsonant r schärfer hervor, so wird sie hart klingen, kommt der Vokal i schärfer zum Vortrag, so wird dieselbe zu laut, es hört sich an, als ob der Vogel die Tour herausschreit. Wird der Vokal vor dem Konsonanten gebracht, so wird es ein leicht schwirrender Ton sein, wenigstens ein unklarer Ton. Bewertungsgrenze 1-3. Hierdurch wird nun schon in der Skala ausgedrückt, dass es nur ein Gesangsgepräge ist, in welchem ein besonderes Klangbild nicht hervorgebracht werden kann. Dasselbe wird in sehr guter Form von den tiefen Stämmen selten gebracht werden; sondern gerade in den mittleren Stämmen in besserer Form vertreten sein.

Es ist eigentlich nur wie in jedem Musikstück ein Vorspiel für die rollenden, genau wie die Klingel, für die abgesetzten Touren.

 

Hohlrollen

 

Auch hier als Konsonant r, Vokale ü, o, u. Vortragsweise rürürü, eine Hohlrolle in ü-Lage in gerader Form, rororo in o-Lage, rururu in u-Lage. Auch hierbei ist es notwendig, dass der Vogel den Konsonanten und Vokal in gleicher stärke zu Gehör bringt und vor allen Dingen den Vokal voll und klar. In der u-Lage wird das Klangbild ein bedeutend schöneres sein, wenn der Vogel den Konsonanten r nur beim Einsetzen in der gleichen Stärke bringt, aber dann den Vokal u bevorzugt, so dass der Konsonant nur ganz leise mitklingt, weil dadurch ein heulender Ton entsteht, und deshalb auch der Ausdruck heulendes u-Hohl. Setzt nun der Vogel in folgender Form ein:

 

rürürü

 

 

 

rororo

 

 

 

rururu

 

ohne den Ton zu unterbrechen, so bringt er eine nach unten (abwärts) gebogene Hohlrolle, deren Wohlklang erhöht wird, wenn der Vogel recht lange in der u-Lage geht. Wenn auch nicht so oft, so gibt es doch Stämme, in denen diese Gangart in umgekehrter Weise gebracht wird:

 

 

 

rürürü

 

rororo

 

rururu

 

 

 

Wenn auch kein Züchter von dieser Hohlrolle begeistert ist, sind die meisten so eingestellt, dass der Vogel aus der höheren in die tiefere Lage gehen soll. Es ist aber immer noch eine annehmbare Hohlrolle, besonders dann, wenn die u-Lage schön gebracht wird, und die höheren Lagen klar sind.

Denken wir in die letzte Zeit vor dem Kriege und auch nach dem Kriege (1914-1918) zurück, so erinnern wir uns der Anpreisungen von Vögeln mit Bogenhohlrollen, welche in letzter Zeit nicht mehr erwähnt wurden. Es gab eine Zeitspanne in der Kanarienzucht, wo alles auf Hohl eingestellt war, so dass das ganze Lied fast aus Hohlrollen bestand. Wirkliche Meister gab es in dieser Zeit, die aus einem Bogen in den anderen übergingen. Ich will Ihnen diese Gangart zur näheren Erklärung schildern:

 

ü

 

 

ü

 

ü

 

o

 

 

 

 

 

 

u

 

u

 

 

In dem zweiten Bogen ging der Vogel in den meisten Fällen aus der u-Lage in die ü-Lage oder deutete das o nur schwach an, und umgekehrt in den weiteren Bogen von ü nach u. Aber auch hier gab es keine Regel ohne Ausnahme, derartige Strophen wurden auch nur mit den Vokalen o und u in Bogen gebracht. Die aufgeregtesten Gemüter vermag solch ein Vogel zu meistern, so dass bei einem Vortrag solcher Tongebilde lautlose Stille herrschte, der Atem wurde angehalten, um den Meister nicht zu stören. Demnach konnten Vögel mit solchen Leistungen selten sehr hohe Punktzahlen erreichen, weil sie zuviel Kraft in dieser Tour verschwendeten und in den anderen Touren besondere Leistungen nicht hervorbringen konnten.

Auch heute gibt es noch wunderbare Hohlstämme, trotz Vielseitigkeit, aber diese Hohlrollen werden markanter mit mehr Schmelz und Wohlklang, wenn auch kürzer vorgetragen. Wir legen ja auch weniger wert auf die Länge, sondern Wohlklang, Weichheit und Schmelz sind für die Vergebung der Punkte entscheidend.

Eine schöne Hohlrolle in folgender Form wird häufig in guten Hohlstämmen zu Gehör gebracht:

 

rürürü

 

 

rürürü

 

rororo

 

 

 

 

rururu

 

 

Eine Hohlrolle klingt schön und ist wertvoll, wenn die u-Lage schön klar und voll gebracht, und die ü-Lage so schön klar ausklingt, als ob der Vogel den Gesang in die Ferne trägt.

Die kullernde Hohlrolle ist ebenfalls ein Glanzstück im Liede und wird von Wasserstämmen in bestrickender Form gebracht. Das Wort kullern bezeichnet bereits die Gangart. Der Vokal soll um den Konsonanten wirbeln und zwar geschieht dies in der u-Lage am schönsten. Geschieht dieses in der o-Lage, so wird ein u leicht mitklingen, und zum Schluss ein klares u gebracht werden, somit auch gebogen. Die Tour ist schwer zu bringen und wird dieselbe in sehr schöner Form auch nur kurz gebracht werden, aber der besondere Wohlklang, welcher darin enthalten ist, wird zu einer hohen Punktzahl trotzdem ausreichen. In der tiefsten Lage wird es sich anhören, als ob ganz tiefe Hohlklingeln in ganz schneller Gangart aneinandergereiht werden, welche durch den Konsonanten r leicht verbunden werden. In diesem Gesangsgepräge liegt ein leicht vibrierender, schwingender Ton und darum die Bezeichnung tremolierend. Ist der Klang vollständig rein und voll, so ist er ein Meisterstück. Der hohle Ton wird in diesem Gesangsgepräge ganz besonders zur Geltung kommen und in der u-Lage, ein das Ohr bezauberndes Klangbild hinterlassen. Es ist aber sofort eine andere Tour, wenn der Konsonant r nicht mehr zu hören ist, weil dann kurze Unterbrechungen entstehen und die rollende Gangart nicht mehr vorhanden ist.

Setzt nun der Vogel rururu ein, und legt die Betonung auf den Vokal rururu so dass wir glauben nur ein u zu hören in klarer Form, als wäre es nur ein zarter Hauch, so ist es ebenfalls eine Glanzleistung. Der Ton wird auch hierbei ein leicht schwirrender sein, also tremolierend sich anhören. Ist bei Vokal u ein leichter Klang nach ü oder bei o nach ö vernehmbar, so wird der klare Ton beeinträchtigt und ein Wertänderung tritt ein.

Aber auch Nebenvokale - ö, - a, - ä - treten bei der Hohlrolle in Erscheinung. Derartige Tongebilde werden je nach der Schärfe des Vokals wertlos sein, oder nur einen ganz geringen Wert haben.

Bewertungsgrenze: 1 – 9 Punkte.

Der Konsonant r ist derselbe, wie bei der Klingelrolle, nur die Vokale liegen in tieferer Tonart, aus diesen Gründen müssten wir eigentlich die Punkte 1 – 3 in Abzug bringen, und sagen, die Bewertungsgrenze ist von 4 – 9 Punkte. Trotzdem finden wir Hohlrollen mit 2 und 3 Punkten bewertet, dann wird der Vokal nicht klar oder die Tour mit geöffnetem Schnabel sehr kurz und mit näselndem Beiklang gebracht, deshalb bedienen wir uns auch der Punkte 1 – 3 noch bei der Hohlrolle, um diese minderwertigen Hohlrollen unterbringen zu können.

Um nun den Wert der Hohlrolle leichter einschätzen zu können, werde ich folgendes Beispiel benutzen. In gerader Form klar auf gebracht 4 Punkte, in gerader Form klar auf ro gebracht 5 Punkte, in gerader Form auf ru gebracht 6 Punkte. Es gilt nun die Punkte 7 – 9 zu suchen. Der Vogel bringt nun eine gebogene Hohlrolle ü nach u, infolgedessen hat er mithin alle drei Lagen, aber in kurzer Form gebracht, und somit seinen Anfang verbessert und hat trotzdem nur 6 Punkte verdient. Er legt nun aber auf die u-Lage besondere Kraft, so dass dieselbe sich durch schwächer werdendes r heulend anhört und erhält dafür 1 Punkt mehr. Also 7 Punkte; als besondere Zugabe macht derselbe Vogel einen Bogen nach oben und nochmals nach unten mit noch 1 Punkt Zulage, 8 Punkte. Der 9. Punkt kann nur für besonders schöne, klangvolle Leistungen zuerkannt werden, oder wenn der Vogel in der Tiefe ganz besonders Hervorragendes leistet. Ein Vogel setzt mit u ein, der Konsonant verschwindet immer mehr, das Gesangsgepräge wird heulend und zum Schluss nach unten auf u gehend, gleichsam als versuche er, sich in das u hineinzubohren. Hier würde der Vogel auch ohne Bogen 8 – 9 Punkte erreichen. Also nicht lange dünne Hohlrollen können Punkte erreichen, sondern der Wohlklang, Schmelz und Tiefe erobern die höchste Bewertung.

Wenn auch die anderen Touren in der Bewertung der Hohlrolle gleichgestellt sind, so wird doch die Hohlrolle eine führende Stellung im Kanarienliede behalten, weil der Vogel in der Lage ist, in dieser Tour eine besondere Weichheit und Schmelz hineinzulegen. Außerdem durch Auf- und Absteigen, kullernde, tremolierende Strophen das Ohr des Züchters begeistern.

Die Bewertung der Hohlrolle in der früheren Bewertungsskala bis 9 Punkte hat auch dazu beigetragen, dass jeder Züchter versuchte, gerade diese Tour zur größten Vollkommenheit herauszuzüchten.

Weil die Hohlrolle dieselben Vokale hat, wie alle anderen Hohltouren, so werden wir dieselbe auch als Bewertungsmaßstab für die anderen anwenden; deshalb ist es notwendig, die Hohlrolle fest im Gedächtnis zu behalten.

Erläuterungen:

Bei den praktischen Vorführungen werden wir Vögel hören, welche lang in den Hohlrollen gehen und das Klangbild auch teilweise klar ist, und trotzdem von uns Punkte genannt werden, welche für sie nicht als ausreichend erscheinen. Wir müssen hierbei in Betracht ziehen, dass der Vogel einen Teil dieser Tour vollständig unklar, sei es im Anfang oder zum Schluss, nur in der Mitte oder am Anfang war der Vokal klar und das Klangbild rein, gebracht hat. Der Vogel bringt einen Teil der Hohlrolle mit leicht geöffnetem Schnabel und dadurch wird der klare Ton verwischt. Aus diesem Grunde benennen wir solche Hohlrollen als unklare Gesangstücke und wird der Wert herabsinken. Dasselbe tritt ein, wenn der Vogel nur leicht die Hohlrolle andeutet, ebenso wird eine Hohlrolle in o-Lage , wenn der Vokal nicht voll und rein ist, noch weniger Wert haben, als eine solche in klarer längerer Form in ü-Lage; auch in der u-Lage kommt der Vokal u nicht klar zum Vorschein, sondern wird abgerissen gebracht, sofort wird der Klang verloren gehen und eine Verminderung eintreten. Durch schärferes Hervorheben des Konsonanten oder Vokals wird der Vogel oft eine gebogene Hohlrolle vortäuschen, aber als eine solche ist dieselbe nur anzuerkennen, wenn der Vokal gewechselt wird, und zwar ohne jede Unterbrechung.

 

Knorren

 

Genau wie in jedem Musikstück hohe und tiefe Töne vorhanden sind, und zu den geigen auch ein Bass gehört, so braucht auch der Vogel in seinem Liede eine Basstour und diese ist die Knorre. Eine schöne Knorre im Liede ist für den Gesangskenner ein Genuss.

Konsonant rr, Vokal o und u. Als Nebenkonsonant kommt ein k und in seltenen Fällen auch g in Frage. Der Nebenkonsonant kommt auch nur beim Einsetzen der Tour zur Geltung. Dann verschwindet derselbe, da sonst die rollende Gangart behindert würde.

Wenn wir nun bei den vorher besprochenen Touren gerade wünschten, dass der Konsonant r nicht so scharf hervortritt, so verlangen wir bei der Knorre, dass gerade ein rr scharf hervortritt, denn sonst wird der brummende geschraubte Ton nicht voll zur Geltung kommen.

Die Gangart soll also korrorror, kurrurrurr oder gorrorrorr, gurrurrurr sein. Lässt der Vogel die zwei rr fallen, so dass nur ein r klingt, so wird das ganze Gesangsgepräge klapperig, es ist als ob die Töne auseinanderfallen, und deshalb nennt man solche

Gesangsgepräge lockere Knorren. Gerade bei den Knorren kommen aber die wirklichen Hauptvokale seltener vor, es werden viele Knorren mit Nebenvokalen e, a und ä gebracht. Wenn auch immer noch eine Knorre mit den letzt genannten Vokalen besser ist als keine Knorre, so wird das ganze Lied doch seinen schönen Klang einbüßen, wenn solch eine minderwertige Knorre im Liede vorkommt, deshalb sollte auch auf die Verbesserung der Knorre besondere Rücksicht genommen werden. Wenn auch der Vogel bei diesen Vokalen die Konsonanten rr scharf hervorbringt, so wird doch kein Wohlklang darin enthalten sein.

In Wasserstämmen wird am Schluss der Knorre der Vortrag gluckartig vorgetragen, darum die Bezeichnung Gluckknorre. Es handelt sich in diesem Falle um ein zusammengesetztes Gesangsgepräge. Der knorrende Ton ist deutlich hörbar und nebenbei hört man als zweites Klangbild gluckartige Einschläge, dieses ist aber niemals mit einer lockeren oder wässerigen Knorre zu verwechseln. Durch diesen gluckartigen Beiklang kann, wenn der Beiklang rein ist, der Wert erhöht, aber auch in umgekehrter Weise vermindert werden; jedoch dürfen solche Tongebilde nicht als zwei Touren gewertet werden, sondern nur als eine. Es gibt aber auch Stämme, in denen neben der vollen geschraubten Knorre noch eine Gluckknorre gebracht wird, auch diese beiden Knorren gehören zusammen und ist nur die Beste zu bewerten.

Den schönsten Teil der Knorre bildet die Hohlknorre. Auch in diesem Falle handelt es sich um ein zusammengesetztes Gesangsgepräge. Man hört deutlich den knorrenden Ton und nebenbei einen ganz hohlen Ton, als ob aus weiter Ferne eine zweite Stimme dazu käme. Zwar wird der Vogel diese Tour nur kurz bringen, denn ein langes Aushalten bei solch schwerem Tongebilde ist nicht möglich, aber der Wohlklang berechtigt zu hoher Bewertung.

Bewertungsgrenze: 1 – 9 Punkte.

Legen wir auch hier den Maßstab der Hohlrolle an, so kommen wir zu dem Entschluss, dass bei den Knorren nur eine Bewertung von 5 – 9 Punkten in Frage käme. Trotzdem bedürfen wir auch der anderen Punktgrenzen. Die Knorre in der

o-Lage wird oft nur kurz gebracht, so dass sie nicht dem Wert der Hohlrolle in der

o-Lage gleichkommt und schon mit 4 Punkten eingesetzt wird, genau die u-Lage. Bei den Nebenvokalen wird, da der Vogel einen Wohlklang mit diesen nicht hervorbringen kann, eine Bewertung sogar je nach Klangbild von 2 Punkten an in Frage kommen. Wird nun in der o- und u-Lage der Vokal nicht klar gebracht, evtl. noch mit leichtem Beiklang von ö oder ü, so wird der Wert ebenfalls erheblich herabgemindert, denn bei allen Tongebilden kann nur die richtige Zusammensetzung des Konsonanten und Vokals und die Klarheit den guten Klang hervorbringen.

Erläuterungen:

Gerade bei der Knorre wird oft an der richtigen Einschätzung gezweifelt, da man in Züchterkreisen den Standpunkt vertritt, dass nach der Heraufsetzung derselben auf 9 Punkte auch höhere Bewertung einsetzen müsste. Dieses trifft nicht zu, denn bei Schaffung der Einheitsskala ging man von dem Grundsatz aus, jedem Züchter Gelegenheit zu geben, eine dieser Touren zur Höchstentwicklung herauszuzüchten und als Stammestour zu bezeichnen. Aber es würde eine Schädigung für den Hohlrollerzüchter sein, wollte man die Knorren auf Grund der Heraufsetzung der Punktgrenze in ihrer bisherigen Form höher bewerten. Erst kultivieren, dass dieselbe den Wert der Hohlrolle erreicht, dann höhere Punktzahlen.

„Keinem zu Liebe, keinem zu Leide!"

Aber erhebliche Überschätzungen von Seiten der Züchter sind keine Seltenheiten. Der Vogel bringt zwar die Knorre kräftig zum Vortrag, der Ton ist aber unrein, hört sich hart und klapprig an, oder das ganze Gesangsgepräge ist verschwommen, dann ist solche Knorre auch minderwertiger als schöne, kurz gebrachte, geschraubte Knorren. Bei Gluckknorren ist der gluckartige Ton flach mit dem Vokal a angedeutet, oder es ist ein flacher Wasserton hörbar, durch den die Klangfülle beeinträchtigt und die Tour im Werte herabgemindert wird. Auch bei der Hohlknorre wird das Klangbild wertloser, wenn der in Erscheinung tretende hohle Ton einen wässerigen Beiklang hat.

 

Wasserrollen

 

Konsonant bl. Vokale ü, o, u. Die Gangart ist blüblüblü, blobloblo, blublublu. Betrachten wir uns einmal die Gangart dieses Gesangsgepräges, so stellen wir fest, dass es eigentlich eine rollende Strophe nicht ist, sie wäre vielmehr den abgesetzten Touren anzugliedern. Aber da ein Teil dieses Gesangsstücks auch in rollender Form zu Gehör gebracht wird, so hat man diese sämtlichen Wasserpartien unter der Bezeichnung Wasserrollen zusammengefasst. Auch in der einfachen Form wird sich der Wohlklang erhöhen, wenn der Vokal recht klar und voll gebracht wird. Das Wort kullernd betonen wir mit besonderem Nachdruck bei der kullernden Hohlrolle und bezeichnen es als gut – sehr gut. Vergleichen wir diese beiden Tongebilde miteinander, so werden wir eine enge Verbindung dieser beiden Touren feststellen. Der Vokal soll um den Konsonanten wirbeln (herumkullern) und dann zu Gehör gebracht werden. Deshalb müssen beide Touren aus tiefer Brust herauskommen. Bei der kullernden Hohlrolle wird der hohle Ton nun durch den hohlen Wasserklang , der durch dieses Kullern erzeugt wird, verfeinert und im Klangbild erhöht, während die kullernde Wasserrolle eigentlich dieselbe Gangart hat, nur durch den hohlen Wasserklang, der durch dieses kullern tritt, es hört sich an, als ob eine Stimme rollt und die zweite Stimme immer aus tiefer Kehle blublublu dazwischenbringt. Hierdurch wird der Wasserklang der überwiegende sein. Es ist dieses aber nicht die einzige Form, sondern als zweite Stimme wird in ganz tiefer Lage ein kullkullkull in Erscheinung treten, wobei auch der Ton eines q eine Rolle spielt und den schärferen Wasserklang hervorbringt.

Betrachten wir nun einmal die Töne, welche wir bei scharf fließendem Wasser im Gebirge wahrnehmen, so stellen wir fest, das das Wasser rauschende, plätschernde, gurgelnde, sprudelnde und da, wo es über Geröll und Steine in die Tiefe fällt, glucksende und ganz tiefe gurgelnde Töne hervorbringen kann.

Ebenso verschieden werden auch die Wasserrollen von den Vögeln gebracht werden, daher ist die richtige Erkennung und Bewertung auch sehr schwierig. Die Gangart hört sich gluckartig an, jedoch ist ein ck nicht zu hören, sondern der Wasserklang ist vorherrschend, also Wasserrolle. Die sprudelnden und gurgelnden Gesangsgepräge werden in vielen Fällen fast klanglose Töne aufweisen und größtenteils wertlos ein, wenn nicht tief klingende Vokale vorhanden sind. Auch bei der Wasserrolle treten Nebenvokale e, a, ä in Erscheinung aber in Verbindung mit bl ist der Klang noch ein schlechterer, als bei den anderen Touren und deshalb wertlos.

Bewertungsgrenze 1 – 9 Punkte.

Legen wir auch hier den Maßstab der Hohlrolle in der Bewertung an, so werden wir feststellen, dass nicht immer dem Vokal entsprechend Punktzahlen vergeben werden können, denn der Vogel wird in der einfachen Form nur einige Male blüblüblü, blobloblo oder blublublu bringen, so dass es trotz des reinen Vokals nicht dem Wert einer Hohlrolle in derselben Lage gleichkommt und deshalb der Wert um 1 – 2 Punkte niedriger zu bemessen ist. Der wertvollste Teil wird die kullernde Wasserrolle sein, wenn hier die Vokale und das Klangbild rein sind, aber gerade diese Tonstücke sind sehr schwer für den Vogel schön voll und klar herauszubringen, und werden auch in guter Form nur kurz gebracht werden, verdienen aber trotzdem volle Anerkennung und hohe Punktzahlen.

Als Übergang zur Knorre kommen tiefe Partien in sehr schöner Form zu Gehör, die aber oft nicht die genügende Beachtung finden. Beachten wir die Grundregel, dass, wo ein l in Verbindung mit dem Vokal b erscheint, sofort der Wasserklang vorhanden ist. Versuchen wir es auszusprechen, so nehmen wir wahr, dass ein wässeriger Klang auch in unserer Aussprache vorhanden ist.

Erläuterungen:

Die Warnungen betreffs Züchtungen von Wasserrollen sind zum Teil unberechtigt. Wenn man auch sagt, „Wasser hat keine Balken" und Wasserrollen arten zu leicht aus, so können auch andere Gesangsgepräge ausarten, wenn eine falsche Paarung vorgenommen wird. Das Übel der Verflachung der Wasserrollen liegt in der Ausbildung. Gerade solche Vögel müssen scharf beobachtet werden und müssen auch geeignete Vorsänger vorhanden sein, sonst werden alle kullernden Strophen des Liedes nicht gebracht werden. Gerade in der Zeit, wo die Jungen solcher Vorsänger bedürfen, werden dieselben in voller Form dem Züchter nicht zur Verfügung stehen und dann kommen verflachte, unklare Töne hervor. Wer aber über gute Wasservögel verfügt, sollte dieselben hochhalten, denn schöne Wasserrollen sind ein Glanzstück im Liede unseres Kanarienvogels.

Um nun erst einmal diese Klangtöne feststellen zu können, machen wir folgende Versuche:

Wir nehmen eine Bierflasche, füllen dieselbe bis oben mit Wasser und lassen dasselbe in halbschräger Lage herauslaufen, dann werden wir feststellen, dass die Töne nicht schön klingen; halten wir dagegen die Flasche senkrecht, so wird schon ein hohler Ton hörbar sein. Füllen wir eine Literflasche, deren Hals enger ist und der Druck größer, so werden die Töne schon in halbschräger Lage besser und in senkrechter Lage noch voller und tiefer klingen. Hat nun die Gattin Wäsche und ein großes Waschfass voll Wasser stehen, so versuchen wir es mit einem Rohr, stecken es etwa 10 cm tief hinein und pusten mit voller Kraft hinein und diese Luftblasen, die an die Oberfläche kommen, werden auch derartige Töne hervorbringen, je tiefer wir nun das Rohr halten, desto voller und tiefer die Töne. Halten wir es nun bis auf den Boden des Fasses, so klingt der hohle Ton des Bodens noch mit und wird deshalb ein voller und tiefer Ton hörbar sein. Allerdings werden wir hierbei nicht so genau die Konsonanten und Vokale heraushören, als bei dem Vogel, aber in ähnlicher Form. Es wird uns auch nicht gelingen, hier kullernde Strophen zu hören, sondern nur einfache Formen.

Ich möchte auch keinen hierdurch veranlassen, nun ein Fass Wasser in die Ausbildungsstube der Vögel zu bringen um so den Vögeln die Wasserrollen einzuprägen. Trotzdem Wasservögel sehr gelehrig sind, würde dem Züchter die Puste ausgehen, bevor die Vögel dieses begriffen hätten.

Zu den leicht abgesetzten Touren rechnen wir die Klingel und Hohlklingel, weil dieselben sich am schönsten anhören, wenn der eine Ton noch in den anderen hineinklingt. Das Wort Klingel deutet bereits an, dass es der Ton einer fein abgestimmten Glocke sein soll. Auch bei einem kleinen Glöcklein, oder wie man dieselbe auch oft nennt (Klingel), wird das l eine Rolle spielen, schwingen wir dieselbe nun hintereinander, so werden wir auch hier hören, dass der eine Ton in den anderen hineinklingt, weil das l aber nicht so bindet wie ein r wird eine leicht abgesetzte Form hörbar sein.

 

Klingel

 

Konsonat L Vokal i. Die Gangart soll lililililili, und zwar soll der Konsonant ebenso stark hervortreten, als der Vokal. Dann wird der Ton schön zart und weich klingen, selbst wenn der Vogel hierbei etwas kräftig aus sich herausgeht, wird das l das i immer dämpfen, so dass es nicht zu hoch klingen kann. Deutet dagegen der Vogel das l nur an und bringt das i scharf heraus, dann ist der Klang verloren und je weiter der Vogel nun noch den Schnabel öffnet, desto hochliegender und spitzer wird der Ton klingen. Bei ganz zarten Stämmen, welche in mittlerer Lage ihr Lied vortragen, wird es sich anhören, als ob das l einen doppelten Klang hätte und vom Vogel llillillilli gebracht würde, dadurch wird aber oft das Klangbild behindert und die Tour hört sich an, als ob der Vogel keine Kraft hat und wir sagen die Klingel ist zu dünn.

Bewertungsgrenze: 1 – 3 Punkte.

In dieser geringen Bewertungsgrenze kommt schon wie bei der Klingelrolle zum Ausdruck, dass der Vogel in dieser Tour nichts hervorragendes leisten kann, denn der Vogel kann in dieses Gesangsgepräge, auch wenn es noch so zart und rein vorgetragen wird, keine besondere Modulation hineinbringen.

Erläuterungen:

Verwendet der Vogel nun auf den Vokal i zuviel Kraft, so dass die Gangart sich anhört, als ob der Vogel ie ausspricht, so wird der eine Ton in den anderen nicht hineinklingen und die Zwischenpausen treten schärfer hervor, dadurch wird das Klangbild unrein und wertloser. Kommt nun anstatt ein i ein e als Vokal zu Gehör, so ist der Ton vollständig verwischt und klanglos und sind solche Tongebilde wertlos.

Ferner ist die Klingel für jeden Gesangszüchter ein Schrecken, solche lauten Klingeln, wenn noch in langer Form gebracht, können auch den Ruhigsten zur Verzweiflung bringen. Aber gerade Vögel mit sehr wertvollen Knorren und tiefem Gesangsgepräge arten in dieser Tour aus. Darum ist bei der Ausbildung die größte Vorsicht am Platze, denn die Jungen nehmen dieses leicht fassbare Tonstück sofort auf und lassen es auch nicht mehr fallen.

 

Hohlklingel

 

Genau die Gangart der Klingel, also der Konsonant l, Vokale ü, o, u. Auch hier wird das Klangbild am reinsten sein, wenn der Konsonant und Vokal in gleicher Stärke zu Gehör gebracht wird und soll der eine Ton in den anderen hineinklingen, also lülülülü, lolololo, lulululu. Wenn die Hohlrolle nun aufwärts und abwärts gebogen gebracht wird, so kann die Hohlklingel steigend und fallend gebracht werden:

 

Fallend:

 

lülülülü

 

 

 

lolololo

 

 

 

lulululu

 

Steigend:

 

 

 

lülülülü

 

lolololo

 

lulululu

 

 

 

In dieser Form hört sich die Hohlklingel sehr schön an, dieselbe ist überhaupt ein schöner Teil des Liedes, wenn sie in schöner, klarer Form und reinem Vokal zu Gehör gebracht wird. Es gibt Stämme, die vorzügliches darin leisten, dennoch ist eine besondere Kultivierung nicht ratsam, weil dadurch die anderen Touren leiden.

Als Nebenvokale treten in Erscheinung e, ö, a, ä.

Bewertung : 1 – 6 Punkte

War nun die Klingelrolle ein Vorspiel der rollenden Touren, so ist die Klingel ein Vorspiel für die abgesetzten Touren Bei der Hohlklingel wären eigentlich nur die Punkte von 4 – 6 anzuwenden, denn wenn bei der Klingel 1 – 3 Punkte mit dem Vokal i vergeben werden können, so dürfen wir unmöglich bei dem Vokal ü wieder mit 1 Punkt anfangen, wenn der Vokal klar klingt.

Aber gerade die Hohlklingeln sind Tongebilde, welche sofort unklar werden, wenn der Vogel auch nur leicht unpässlich wird oder die Körperkräfte durch scharfe Verdunkelung, Futterwechsel und wechselnde Temperaturen zurückgehen. Es ist ein sehr empfindliches Tongebilde. Wird nun der Vokal nicht klar gebracht oder der Vogel benutzt die Nebenvokale, so sinkt der Wert erheblich herab und sind deshalb auch Bewertungen von 2 und 3 Punkten für diese Tongebilde angemessen. Auch hieraus ersehen wir, dass die Punktzahlen 1 – 3 für alle Hohltouren noch anwendbar sind, weil jede falsche Zusammenpassung des Konsonanten mit dem Vokal das Klangbild verwischt und deshalb auch eine Wertminderung eintreten muss.

Erläuterung:

Wenn ich bereits erwähnte, dass eine besondere Bevorzugung der Hohlklingel bei der Züchtung nicht empfehlenswert erscheint, so möchte ich nur noch darauf hinweisen, dass bei Herauszüchtung der Hohlklingel, die Hohlrolle in Mitleidenschaft gezogen wird, denn durch diese fallenden Hohlklingeln vergeudet der Vogel viel Kraft, welche ihm nicht vergütet werden kann. Die Hohlrolle nimmt auch eine andere Gangart ein und wird dadurch im Klangbild behindert.

Es kommen auch Hohlklingeln zum Vortrag, wo der Vogel erhebliche Zwischenpausen macht --- lo---lo---lo---lo--- und wir bezeichnen sie daher als schleppend. Gerade diese Gangart wird oft mit der Schockel verwechselt, aber der Konsonant ist entscheidend.

Scharf abgesetzte Touren

 

Schockel

 

Konsonant h . Vokal ü, o, u. Durch den Konsonanten h tritt schon eine stärker abgesetzte Form ein, da der Ausspruch der Konsonanten eine schärfere Absetzung bedingt, selbst wenn man es versucht, schnell hintereinander diese auszusprechen, da h noch weniger bindet als l.

Bevor ich in die weitere Besprechung der Schockel eintrete, möchte ich mit Ihnen einen Bummel auf einen Maskenball machen, denn wir als Gesangskanarienzüchter müssen für alle hörbaren Tonlaute und Geräusche Interesse haben. Sie werden nun fragen, weshalb gerade ein Maskenball? Weil wir dort viel heitere, frohe Menschen vorfinden, die zum Scherzen und vor allen Dingen zum Lachen sich zusammengefunden haben. Wir wollen einmal das Lachen der Menschen studieren, um Vergleiche mit der Schockel unserer Vögel anstellen zu können.

Öfter wird man in Gesellschaftskreisen die Bemerkung hören, dass dieser oder jener ein scheußliches Lachen hat, oder man sagt: „Ich möchte Sie recht oft lachen hören". Beobachten wir zunächst einen Tisch mit lauter jungen Damen, so werden wir verschiedene Tonbildungen heraushören, z.B. hihihihi, hohohoho, hahahaha, hähähähä. Hierbei werden wir feststellen, dass wir in dieser Ecke keinen passenden Vorsänger finden konnten. Ich will nicht behaupten, dass junge Damen nicht schön lachen können und bitte auch, dieses nicht so aufzufassen, auch schöne, tiefe, klare Töne hören wir, aber die Gemüter sind uns zu aufgeregt, es geht viel zu schnell alles durcheinander. Deshalb nähern wir uns einer anderen Gruppe, wo die ausgereifte Jugend versammelt ist und auch ältere Damen. Hier machen wir die Wahrnehmung, dass eine ruhigere Stimmung vorherrscht, nur vereinzelt hören wir ein Lachen und stellen fest, dass die Töne klarer und bedeutend hohler klingen. Da Tongebilde wie hähähähä, hohohoho und vereinzelt ein ganz zartes huhuhuhu zu hören sind. Bei dieser Gruppe möchten wir länger verweilen, aber wir wollen unser Studium unauffällig betreiben. Darum wählen wir eine andere Richtung und treffen eine gemütliche Runde alter Herren an und wählen in ihrer Nähe unsere Plätze. Ein älterer Herr mit grauem Bart, ein Spaßvogel, erregt mit seinem vollen tiefen Baßton unser besonderes Interesse und möchten diesen einmal aus voller Kehle lachen hören. Unser Wunsch geht in Erfüllung, nachdem einer der Runde einen Witz erzählt hat, hören wir ein ganz klares tiefes aus voller Kraft herausgebrachte hohohoho-huhuhuhu.

Der eine Wunsch beseelt uns nur noch, dieses Lachen noch einmal zu hören, aber es gelingt uns nicht mehr. Zwar ertönt dieses noch öfter, aber nicht so kräftig und mit soviel Klang und Fülle im Ton.

Trotzdem wir ohne Engagement eines Vorsängers die Stätte des Jubels verlassen, sind wir doch befriedigt und wollen zu unseren Vögeln zurückkehren.

Auch die Schockel bei unseren Vögeln ist ein sehr schöner Teil des Liedes, es ist ein Tongebilde, in welchem der Vogel auch eine freudige Stimmung im Ton zu Gehör bringt. Als Vokale kommen ü, o, u in frage, also eine Hohltour. Die Gangart soll auch hier hühühühü, hohohoho, huhuhuhu sein. Die Klarheit des Vokals ist hierbei die Hauptbedingung.

Genau wie die Hohlklingel fallend vorgetragen wird, wird auch die Schockel in dieser Form gebracht

 

hü hü hü

 

 

 

ho ho ho ho

 

 

 

hu hu hu

 

Wird diese Tour schön klar und voll gebracht, ist sie eine Glanzleistung. In umgekehrter Form hören wir sie seltener, es werden dann die letzten Töne in der höheren Lage nur schwach gebracht werden:

 

 

 

 

hü hü hü

 

ho ho

 

hu hu hu hu

 

 

 

In der u-Lage wird es vorkommen, dass der Vogel nur im Anfang das h scharf hervorbringt und später nur leise mitklingen lässt, so dass wir glauben, nur ein u zu hören. Es ist und bleibt eine Schockel, denn der Vogel brachte zum Ausdruck, dass er Schockel bringt und das h wird auch noch leicht hörbar sein. Erst wenn ein anderer Konsonant in Erscheinung tritt, wird es eine andere Tour, die im Anschluss oft gebracht wird. Sie wird sich in der tiefen Lage anhören, als ob der Vogel die Töne verschluckt und dann herausbringt, so dass eine der Glucke ähnliche Gangart eintritt, aber das ck tritt hierbei nicht hervor und ist auch deshalb dieser letzte Teil nicht abzuzweigen, sondern als Schockel zu werten, solange die Gangart der Schockel gewahrt bleibt. In der o-Lage wird es vorkommen, dass der Vogel anstatt des Konsonanten h ein b zu Gehör bringt, also bo bo bo bo, auch dieses Gesangsgepräge wird, wenn hier deutlich die Gangart der Schockel in schöner abgesetzter Form hervortritt, nur als Schockel zu bewerten sein. Wenn ich nun nur die o-Lage hervorhob, so geschah es aus dem Grunde, weil es sehr selten vorkommt, dass in der u-Lage eine Schockel in dieser Form gebracht wird. Große Vorsicht ist aber beim Abhören dieser Vögel am Platze, denn sobald ein l hörbar wird, oder auch nur leicht mitklingt, ist die Gangart der Schockel nicht mehr gewahrt, denn die Verbindung b mit l erzeugt sofort Wasserklang und ist dann eine Wasserrolle.

Auch mit Nebenvokalen i, a, ö, ä wird sie zu Gehör gebracht.

Eine Verbindung der Konsonanten h mit dem Vokal i wird vom Vogel sehr schnell gebracht werden und kann auch keinen hohlen Ton erzeugen. Diese Gangart kommt als Schockel nicht mehr in Frage.

Bei der Verbindung des h mit a wird die lachende Gangart am schärfsten zum Ausdruck gebracht und deshalb hat man auch eine Zeitlang diese Gangart unter der Bezeichnung Lachschockel großes Interesse entgegengebracht. Es wird zwar in dieser Gangart noch ein geringer Wert, je nach der Vortragsweise, vorhanden sein, aber der Vokal a hat keinen hohlen Klang und deshalb können solche Schockeln als wertvoll nicht bezeichnet werden.

Der Vokal ö wirkt unklar und ä hat einen nasalen Anklang, also sind diese Tongebilde nur von Fall zu Fall nach der Vortragsweise zu entscheiden, weil öfter ein o nur einen leichten Beiklang nach ö und a nach ä aufweist. Im Allgemeinen sind es wertlose Tongebilde.

Bewertungsgrenze: 1 – 9 Punkte.

Unter Zugrundelegung der Hohlrolle müssten wir auch bei der Schockel (ebenfalls Hohltour) nur von einer Bewertungsgrenze von 4 – 9 Punkten sprechen und nach Lage der Vokale die Resultate festsetzen. Trotzdem werden die für Schockel eingesetzten Punktzahlen nicht ganz mit diesem System übereinstimmen. Der Vogel wird in der ü-Lage nur 2 – 3-mal die Schockel bringen, so dass eine solche Fülle wie bei der Hohlrolle nicht hervortritt, und deshalb wird die Wertbemessung auch geringer sein. Auch in der o- und u-Lage trifft dies zu. Dieses Gesangsgepräge wird zwar in derselben tiefen Lage gebracht, aber viel kürzer als die Hohlrolle und werden auch die Wertbemessungen lediglich aus diesem Grunde etwas geringer sein.

Werden dagegen die Tongebilde mit klarem, vollem Organ und gutem Klangbild 4 – 5 mal zu Gehör gebracht, so werden auch die einzelnen Punkte voll zur Anwendung kommen, deren Erhöhung nur durch besonderen Wohlklang oder besonders schön fallende Formen möglich ist.

Aber nicht immer wird die Lage des Vokals entscheidend sein, denn es treten Fälle ei, dass der Vogel nicht klar das u hervorbringt, sondern abgerissen, dann wird eventuell der Wert noch unter den Wert der anderen Lage herabsinken.

Erläuterungen:

Die Heraufsetzung der Punktgrenze auf 9 Punkte geschah lediglich aus dem Grunde, um diese Tour als Spezialtour im Stamm herauszüchten zu können, ohne dadurch den Vogel in der Punktgrenze zu schädigen. Wir müssen uns einmal die frage vorlegen, ob dieses Tongebilde die Modulation und Tonfülle besitzt, um 9 Punkte erreichen zu können. Die Herauszüchtung und besondere Kultivierung dieser Tour wird nur auf Kosten des anderen Liedes möglich sein. Die anderen Touren nehmen eine andere Gangart ein und gehen allmählich in die Schockel auf. Ist nun die Schockel soweit herausgebildet, dass dieselbe Spezialtour ist und Höchstleistungen zu 7 und 8 Punkten aufweist, so wird solch Vogel nur ein Liebhaberprodukt des Züchters sein, weil alle anderen Tongebilde in ihrem Wert herabgemindert sind. Ferner würde dieselbe auch nur in vereinzelten Exemplaren in solcher Fülle auftauchen, so dass eine besondere Kultivierung ganzer Stämme auf dem Gebiet nicht ratsam ist. Die Schockel ist eine wandernde Tour, sie wird deshalb auch in der einen oder anderen Linie unserer Nachzucht verschwinden und dann wieder mit aller Kraft hervortreten. Vom größten der Teil der Vögel wird dieselbe als Verlängerung der Hohlklingel gebracht und gerade diese Platzierung der Schockel wird dazu führen, dass Vögel mit solcher Schockel versagen oder die Tour fallen lassen, je weiter sie gesanglich fortschreiten. Derartige Vögel singen ihr Lied mehrere Male durch und erst nach längerer Zeit kommen aus der Hohlklingel ein paar Schockelschläge heraus.

Dagegen wird die Schockel, welche nach der Pfeife gebracht wird, öfter und regelmäßiger gebracht und wird auch nicht so oft fallengelassen.

 

Pfeifen

 

Hauptkonsonant d. Vokale i, ü, o, u. Auch hierbei kommen die hohlklingenden Vokale in Betracht, trotzdem sondert sich die Pfeife von den anderen Hohltouren ab, weil auch noch der Vokal i herangezogen wird. Diese wird durch den Konsonanten d und durch eine besondere Gangart notwendig. Es ist ebenfalls ein scharf abgesetztes Gesangsgepräge. Die Gangart ist di di di, dü dü dü, do do do, du du du.

Besonders in der i-Lage muss der Konsonant ebenso stark hervorklingen, als der Vokal, dann kann der Vokal nicht spitz und scharf klingen, denn das d hat das Bestreben, den hochklingenden Ton des i zu dämpfen. Auch in den anderen Lagen ist es von besonderem Vorteil, für das Klangbild, wenn der Vokal voll und klar hörbar ist. Der Wert der einzelnen Tongebilde wird noch bedeutend erhöht, wenn der Vogel den Vokal gedehnt mit einem recht wehmütigen Anklang zu Gehör bringt, so dass der Ton in der Tiefe eine klagende Form annimmt. Auch mit einem ganz hohlen Unterton herausgebrachte tiefe Pfeifen sind ein Genuss.

In der u-Lage wird der Fall eintreten, dass der Vogel nur beim Einsetzen der Pfeife das d deutlich herausbringt und bei den weiteren Tönen ein ganz tiefes u, so dass es sich anhört, als ob überhaupt nur ein u gebracht wird; dennoch wird ein d hörbar sein, nur der Klang wird durch dieses scharfe Hervortreten des u hinweggetäuscht. Tritt an Stelle des d der Konsonant t, so wird die i-Lage als Bewertung nicht mehr in Frage kommen, da der Konsonant t die Schärfe des i begünstigt. Auch bei den anderen Vokalen wird eine Wertminderung durch t verursacht, da es dem Vogel unmöglich ist, in dieser Form den Vokal so klar und gedehnt zu bringen, denn durch den Konsonanten wird der Wohlklang erheblich gemindert.

Nun die berühmten „Dau"-Pfeifen. Im Liede des Kanarienvogels ist der Vokal a ungeeignet einen guten hohlen Ton hervorzubringen und würde eine Pfeife, wenn sie auf dau-dau-dau zu Gehör gebracht würde, einen besonderen Wert nicht haben. Der Vogel wird aber in vielen Fällen besonders den Vokal u hervorheben, so dass es sich anhört, als ob der Vogel dau-dau hervorbringt und dadurch wird der schlechte Klang des a aufgehoben. Trotzdem wird der Wert einer solchen Pfeife nicht den Wert einer schönen klaren du-Pfeife erreichen.

Die ebenfalls auftauchenden Nebenvokale e, a, ä, werden in den meisten Fällen wertlose Tongebilde sein und können Werturteile nur nach dem Tonbild abgegeben werden.

Eine schöne, klar gebrachte tiefe Pfeife am Schluss des Liedes ist ein guter Abschluss und wird den vom Vogel gewonnenen Eindruck günstig beeinflussen und hören sich Kollektionen Vögel, bei denen die Pfeife am Schluss gebracht wird, in fast vollendeter Form gut an. Nicht alle Vögel sind aber so eingestellt und reihen die Pfeifen verschiedentlich ein, am Anfang, in der Mitte und auch außerhalb des Liedes, deshalb darf jedoch das Lied nicht im Wert herabgemindert werden, weil die Pfeifen nicht richtig platziert sind.

Bewertungsgrenze: 1 – 6 Punkte.

Wir sehen also, dass die Pfeife in der Bewertungsgrenze mit der Hohlklingel gleichgestellt ist. Es sind außer dem Vokal i dieselben Vokale vertreten, wie bei der Hohlrolle und es wird oft die Frage gestellt: weshalb sind die Pfeifen keine Glanztour und werden bis 9 Punkte bewertet? Lang und oft gebrachte, selbst in guter Lage, stören, und wir verlangen, dass der Vogel die Pfeifen nur 4 höchstens 5-mal zu Gehör bringt. Eine in dieser Form in bester Lage gebrachte Pfeife würde doch den Wert der Hohlrolle zu 7 und 8 Punkten nicht erreichen, deshalb ist die Bewertungsgrenze bis 6 Punkte auch ausreichend, um nach Lage und Wohlklang entsprechend dieses Tongebilde bewerten zu können.

Es wird nun daran gezweifelt werden, ob wir auch bei dieser Tour die Hohlrolle als Maßstab anwenden können. Auch dieses wird möglich sein. Ich habe bereits bei anderen abgesetzten Touren erwähnt, dass eine solche Fülle und Wohlklang, trotz des Vokals wie bei der Hohlrolle, und der Kürze wegen nicht vorhanden sein wird und deshalb eine geringere Wertbemessung stattfinden muss. Dies trifft auch bei der Pfeife zu.

Nehmen wir deshalb folgendes Beispiel zu Hilfe: di 1 Punkt, 2 Punkte, do 3 Punkte, du 4 Punkte, recht voll und klar, der Vokal gedehnt, mit wehmütigem klagendem Ton 3 Punkte, do (wie vorstehend bei dü) 4 Punkte, du (wie vorstehend bei dü) 5 Punkte. Der 6. Punkt kann nur erreicht werden, wenn mehrere Lagen in ganz tiefer Form gebracht werden, oder die letzten Töne nur mit einem Hauch des Konsonanten und einem ganz tiefen u zu Gehör gebracht werden.

Bemerkungen:

Die Pfeifen sind das Schmerzenskind des Züchters, weil Entartungen ständig vorkommen. Jede Unpässlichkeit des Vogels, jede andere Fütterungsweise werden das Klangbild der Pfeife stets beeinträchtigen. Die Züchtung und Erhaltung im Stamme erfordert große Sorgfalt. Alle angelernten tiefen Pfeifen werden fallengelassen, sie werden unklar oder werden mit schlechtem Beiklang gebracht und nicht selten treten dann neben tiefen, spitze Pfeifen in Erscheinung. Ganz tiefe Pfeifen verbrauchen viel Kraft des Vogels, dieses können wir am Besten beobachten, wenn sie nach der Schockel gebracht werden, entweder kommt die Schockel kräftiger heraus und die Pfeife schwächer, oder der Vogel bringt die Schockel in leichterer Form und legt die ganze Kraft auf die Pfeifen. Alle mau- oder miau-Pfeifen oder mit solchem Beiklang angedeutete Pfeifen sind Entartungen und sind größtenteils wertlose Tongebilde und nur nach der ganzen Zusammensetzung und Tonbildung zu be- oder entwerten.

 

Glucken (in allen Formen)

 

Alle anderen Touren sind in der Prämierungsliste in der Einheit oder Mehrheit verzeichnet, während bei Glucken noch der Zusatz „in allen Formen" steht. Darum muss es sich bei dieser Tour nicht nur um ein vielseitiges Gesangsgepräge, sondern um verschiedene Gangarten handeln.

Bei den anderen abgesetzten Touren war der Konsonant am Anfang derjenige, welcher Entscheidend die Benennung und Gangart beeinflusste während bei der Glucke nicht nur am Anfang Konsonanten hörbar sind, sondern auch am Ende, und zwar ck. Diese werden auch stets in allen Formen und Gangarten ausschlaggebend sein, wenn es sich um ein gluckartiges Tongebilde handelt. Als Anfangskonsonanten kommen zunächst gl, bl und t in Frage und als Vokale ü, o und u.

Machen wir jetzt einmal einen Besuch bei allen Gluckenzüchtern, um die verschiedenen Formen näher kennen zu lernen.

Beim ersten Züchter stellen wir folgende Gangart fest: glück glück glück, glock glock glock, gluck gluck gluck, sehr schön abgesetzt und mit schönem, klarem Vokal vorgetragen.

Der nächste Besuch zeigt ein anderes Bild: blück blück blück, block block block, bluck bluck. Auch hier ist ein reiner Vokal und ein volles Organ vorhanden.

Die Vögel bei dem folgenden Züchter bieten etwas anderes: tück tück tück, tock tock tock, tuck tuck tuck. Auch diese Vögel legen viel Kraft in die Glucken.

Wir hören nun noch bei einem Züchter etwas Neues: ück ück ück, ock ock ock, uck uck uck. Vergleichen wir nun einmal die Eindrücke und das Klangbild, welches die einzelnen Formen hinterließen, so werden wir zu der Auffassung kommen, dass der Wohlklang bei der richtigen Zusammensetzung der Konsonanten gl mit den Vokalen ü, o, u und deutlich hörbarem ck doch der schönste ist, besonders dann, wenn der Ton voll und klar klingt. Auch hierbei wird, wie bei allen Hohltouren, die u-Lage am schönsten sein. Gerade der Konsonant gl vermag die Vokale schön zur Geltung zu bringen.

Mit dem Konsonanten bl am Anfang handelt es sich um Wasserglucken und wird mit dem Vokal ü der Wohlklang nicht so vorteilhaft wirken; auch die o-Lage wird noch nicht ganz den Klang aufweisen, dagegen wird die u-Lage, wenn der Vogel diese so aus der Tiefe hervorbringt und ein wirklich hohler Wasserklang in Erscheinung tritt, das Klangbild des gluck erreichen, wenn nicht in einzelnen Fällen noch überragen.

Der Konsonant t beim Einsetzen des Tongebildes vermag den Vokal nicht so zur Geltung zu bringen. In der ü-Lage wird wenig Klang im Ton vorhanden sein, auch in der o-Lage wird der hohle Ton behindert, nur in der u-Lage wird er zur Geltung kommen, trotzdem wird in allen Lagen ein solch schönes Klangbild niemals hervortreten und der Wert herabgemindert. Was nun die zuletzt genannte Gangart angeht, so handelt es sich auch bei dieser Form um Glucken, nur wird durch das Fehlen des Konsonanten am Anfang der gute Klang des Vokals behindert, besonders der hohle Ton, so dass in der ü-Lage der Ton fast wertlos ist. Auch die o-Lage zeigt nur wenig Klang, während in der u-Lage es sich um ein besseres Tongepräge handelt, wenn der Ton aus voller Kehle und recht hohlem Klang herausgebracht wird, aber ein solches Tongebilde wird niemals den Wert erreichen, als bei der richtigen Verbindung vom Konsonanten und Vokal.

Wenn auch nur vereinzelt, so werden doch Glucken auch fallend gebracht:

 

glück glück

 

 

 

glock glock glock

 

 

 

gluck gluck gluck

 

Besonders werden in schweren Wasserstämmen die Wasserglucken in einer sehr schönen fallenden Form gebracht:

 

blück blück blück

 

 

 

block block block

 

 

 

bluck bluck

 

worin ein ganz hohler Wasserklang hörbar ist, als ob der Ton aus einem ganz hohlen Gefäß aus weiter Ferne herauskommt, und ist hier die Bezeichnung Hohlwasserglucke angebracht.

Die Bezeichnung „Gluckrollen" hat schon viel Meinungsverschiedenheiten ausgelöst, trotzdem werden in Wasserstämmen solche Tongebilde zu Gehör gebracht. Es handelt sich um ein zusammengesetztes Gesangsgepräge, das in guter Form sehr selten fortkommt. Es ist eine tiefe Wasserrolle, in der gluckende Töne ganz schnell aneinandergereiht gebracht werden. Da aber die gluckenden Töne schärfer hervortreten, so ist die Bezeichnung „Gluckrolle" gerechtfertigt und die Bewertung unter Glucken vorzunehmen.

Bewertungsgrenze: 1 – 9 Punkte

Die Modulation und das Klangbild ist bei den Glucken nicht so ausgeprägt, dass wir schon jetzt bis zu 9 Punkten vergeben können, wenn die Hohlrolle als Maßstab angewendet wird. Auch in der schönsten Form mit gl eingesetzt, wird ein solches Klangbild wie bei Hohlrollen zu 7 und 8 Punkten nicht in Erscheinung treten. Zwar vermag gl den Wohlklang der Vokale zu beeinflussen, aber es werden nur 2 – 3 mal gute Glucken hörbar sein und deshalb wird die Vergebung der Punkte entsprechend den Vokalen etwas niedriger sein, als bei der Hohlrolle.

Die Tour ist ein sehr schöner Teil des Liedes und wird auch entsprechend bewertet werden, aber dieselbe verbraucht viel Kraft und werden dadurch die anderen Touren in Mitleidenschaft gezogen, wenn sie bis zur höchsten Vollendung herausgezüchtet wird, so dass Vögel mit solchen Glucken nur noch Liebhaberprodukte des Züchters sein werden.

Trotzdem die Glucken in vielen Stämmen verankert sind, werden sie in schöner Form selten angetroffen. Alles was in leichteren Stämmen zu Gehör gebracht wird, lautet auf die Nebenvokale e, a. In dieser Form sind sie wertlos und verunstalten nur das Lied.

 

Koller

 

Dieses Wort hat schon in Züchterkreisen viel Verwirrung angerichtet. Wenn es auch in letzter Zeit in den Fachzeitungen nicht mehr so oft angewendet wird, so werden doch die Fragen nach dieser Tour nicht ganz verstummen. Ist diese Tour vorhanden gewesen, so muss dieselbe doch auch einmal wieder zum Vorschein kommen. Die Beschreibungen dieser Tour in ihrer Gangart liefern den besten Beweis, dass die Herauszüchtung nur in ganz schweren Wasserstämmen möglich ist. Bei Stämmen mit ganz tiefen, gluckähnlich vorgetragenen Wasserrollen können solche Tongebilde leichter in Erscheinung treten, besonders dann, wenn auch Hohlwasserglucken vertreten sind. Eine genaue Beschreibung nach Konsonanten und Vokalen wird dann möglich sein, wenn man dieses Tongebilde genau gehört hat. Ich habe einen Vogel gehört, der aus einer tiefen kullernden Wasserrolle in eine ganz tiefe Lage fiel und hierbei traten ganz hohl klingende Glucktöne in Erscheinung , aber es war nur ein kurzes Moment. Alle Bemühungen, dieses noch einmal zu hören, blieben erfolglos.

Die Vorführung solcher Vögel wird kaum möglich sein, sie werden es nur bei größter Ruhe zu Hause und auch nur im Stadium der gesanglichen Höchstleistungen bringen. Derartige Gesangsgepräge müssen aber von Jungen oft nur aus nächster Nähe gehört werden. Aber in der Ausbildungszeit werden die alten Vögel es nicht bringen, deshalb wird auch die Kultivierung dieses Gesangsstückes kaum möglich sein.

 

Zusammengesetzte Gesangsstücke (Doppeltouren)

 

Fast alle Bewertungstouren können von dem Vogel als Doppeltouren gebracht werden. Es wird eine Bewertung dieser Tonstücke nur nach Gangart und Klangbild möglich sein, und zwar als solche Tour, deren Klangbild überwiegt. Die Klingelrollen und Klingeln werden in Wasserstämmen oft mit einem Wasserbeiklang gebracht, aber der rollende Ton und der Vokal i werden überwiegen und ist deshalb nur als Klingelrolle zu werten, ebenso die Klingel.

Bei der Hohlrolle wird infolge ihrer besonderen Vortragsweise ein Doppelklang weniger in Erscheinung treten, nur bei der kullernden Hohlrolle tritt ein solch hohler Wasserklang hervor, Aber der Konsonant l , welcher in Verbindung mit b den Wasserklang erzeugt, kommt nicht zu Gehör und deshalb kann auch die Bezeichnung Doppeltour nicht angewandt werden.

Die Knorren werden dagegen öfter als Doppeltour gebracht. Die Gluckknorre, wobei der knorrende Ton Grundlage ist, und die gluckartigen Töne nur im Beiklang in Erscheinung treten. Hohlknorren werden in der u-Lage und vollständiger Gangart der Knorre gebracht und tritt der zarte hohle Ton der Hohlrolle nur als Nebenklang auf.

In den kullernden Formen der Wasserrolle wird der zarte Ton der Hohlrolle hervortreten, aber durch das mitklingende bl überwiegend nach Wasser neigen und als Wasserrolle auch nur anerkannt werden. Bei den gluckähnlich vorgetragenen Wasserrollen wird ein ck nicht in Erscheinung treten, sondern hierbei handelt es sich nur um eine besondere Gangart dieser Tour. Auch die Hohlklingel wird mit einem Beiklang von Wasser gebracht, aber die Gangart als Hohlklingel bleibt gewahrt.

Durch die besondere Gangart der Schockel und Pfeifen ist ein Zusammenwirken zweier Tonstücke nicht möglich, es werden hierbei ebenfalls nur besondere Formen und Gangarten vorkommen. Ferner werden Wasserglucken und Hohlwasserglucken auch nicht als vollständig zusammengesetzte Touren gebracht, sondern hier wird der Klang durch den Wechsel des Anfangskonsonanten und durch die besondere Formung des Gesangsstückes erzeugt, während die Koller nur als zusammengesetztes Gesangsgepräge in Erscheinung treten kann.

 

Gesamteindruck

 

In dieser Bezeichnung ist bereits zum Ausdruck gebracht, dass die gesamten Leistungen, die Vortragsweise, die Zusammensetzung des Liedes und Übergänge von einer Tour in eine andere und Stammesharmonie anerkannt werden sollen.

Bei Vergebung dieser Punktzahlen werden aber die Preisrichter am meisten Anfeindungen von Züchtern zu erwarten haben. Der Gesamteindruck ist genau wie die Touren einer Dreiteilung unterworfen und kann als genügend, gut und sehr gut vergeben werden. Nicht nur eine flotte Vortragsweise hinterlässt einen guten Eindruck, sondern auch gute Zusammensetzung der Strophen, schöne gesangliche Höchstleistungen, einheitliches Zusammenwirken der vier Vögel und zarte Verbindung der Touren miteinander ohne störende Fehler erreichen das Prädikat „Sehr gut".

 

Zur näheren Erläuterung einige Beispiele:

 

Bewertungstouren

 

 

4 Kollektionen, Vögel einheitliche

5 eine planlos zusammengestellte Kollektion

Kollektions Nummer

1

2

3

4

Vogel 1

Vogel

2

Vogel

3

Vogel

4

Hohlrollen

4

8

5

5

7

4

5

6

Knorren

3

5

4

5

4

3

2

4

Schockel

-

-

-

5

-

-

3

-

Wasserrollen

-

-

2

-

-

2

-

-

Glucken

-

-

2

-

-

-

-

3

Hohlklingel

3

5

4

4

4

3

4

3

Pfeifen

2

4

3

2

3

2

3

2

Klingelrollen

2

2

2

2

2

1

1

1

Klingel

1

1

1

1

2

1

1

1

Gesamteindruck

0

3

0

2

2

0

1

0

Zusammen Wertpunkte

15

28

23

26

24

16

20

20

 

Entwertungstouren:

 

 

4 Einh. Kollektion

5 Planlos z. Koll.

Kollektions Nummer

1

2

3

4

V 1

V 2

V 3

V 4

Schlechte Klingel

0

-

-

-

-

-

-

-

Aufzüge

0

-

1

-

0

0

0

2

Schlechte Pfeifen

-

-

1

0

-

-

 

0

Nasentouren

-

-

0

-

-

1

-

-

 

Zu Kollektion 1:

 

Die Vögel sangen sehr flott, aber das Lied war verschwommen, ohne klaren Ton und keine Leistungen im gesamten Lied; außerdem noch leichte Schnitzer, deshalb ist eine 0 gerechtfertigt.

 

Zu Kollektion 2:

 

Alle 4 Vögel einheitlich im Gesang und Höchstleistungen bei vollständiger Reinheit, trotz Einseitigkeit ein sehr guter Eindruck und 3 Punkte am Platze.

 

Zu Kollektion 3:

 

Trotz Vielseitigkeit und vorteilhafter Punktzahl, in allen Touren keine besonderen Leistungen und verwischen diese Vögel durch die Fehler den gesamten Eindruck, daher 0 Punkte Gesamteindruck.

 

Zu Kollektion 4:

 

Bei diesen Vögeln sind zwar keine Höchstleistungen, aber 3 Touren in schöner Form, die Vortragsweise gut und die Schockeln werden bei jedem Vortrag gebracht, die schlechten Pfeifen kommen selten zu Gehör und nur in leichter Form, deshalb der Eindruck gut und zwei Punkte zu vergeben.

 

Zu Kollektion 5:

 

Eine planlos zusammengestellte mit vollständig verschiedenem Gesangsgepräge.

Vogel 1 erreicht in der Hohlrolle zwar eine schöne Leistung, aber in den anderen Touren ist er nicht besonders, außerdem stört der Aufzug und sind 2 Punkte ausreichend.

Vogel 2 zeigt keine Leistungen und durch die Fehler wird der Eindruck beeinträchtigt, daher sind 0 Punkte gerechtfertigt.

Vogel 3 zeigt ebenfalls keine besonderen Leistungen, die leichte Schockel kommt selten zum Vortrag, kann also nicht mehr als 1 Punkt erreichen.

Vogel 4 erhält trotz Leistungen aber schwerer Fehler, keine Zuerkennung von Punkten für den Gesamteindruck.

Die Stammesharmonie fehlt im Stamm vollständig und infolge der verschiedentlichen gesanglichen Einstellungen tragen diese Vögel auch ihr Lied nicht zusammen vor.

 

Auch die Natur bietet Anregungen in gesanglicher Hinsicht. Was sollen wir in der Natur, werden die Züchter rufen, denn wir haben ja die Natur in der Vogelstube. Dennoch muss der Gesangskenner hinaus in Wald und Flur. Einsame Pfade, abgelegene Teiche und Seen soll er aufsuchen, um seine Kenntnisse in gesanglicher Hinsicht zu fördern.

Unsere freilebenden Vögel wollen wir belauschen und deren Gesang mit dem unserer Vögel vergleichen. Auch die Natur beherbergt Künstler, deren Gesang in einzelnen Strophen sich mit unserem Edelroller messen kann. Vergleichen wir nur bei sehr gut singenden Nachtigallen die wunderbaren Wasserrollen, die Knorren, welche in schöner Form vorgetragen werden, wenn auch in einer anderen Gangart; die tiefen Pfeifen, welche von einzelnen Exemplaren sehr schön vorgetragen werden; Rotkehlchen, Bluthänflinge mit ihren zarten Tönen. Aber auch der Gesang aller anderen Vögel ist interessant. Das Froschkonzert dürfen wir auch besuchen, denn auch hierbei hören wir Tonlaute, die vieles mit dem Gesang unseres Edelroller gemein haben. „Froschhohl" und „Unkenhohl" war bei alten Züchtern eine Bezeichnung für schöne Hohlrollen unseres Kanarienvogels. Mit freudestrahlendem Gesicht erzählen die alten Kämpen unserer Zucht von ihrem schönen „Froschhohl", dass sie vor Jahren hatten.

Sind es nicht auch wunderbare Töne, die wir bei einem solchen Konzert wahrnehmen? Dieser tiefe, hohle Ton, welcher von einzelnen Exemplaren hervorgebracht wird, ist wirklich hervorragend und sind diese Partien ähnlich den tiefen, tremolierenden Hohlrollen unserer Edelroller. Nicht alle Seen und Teiche beherbergen solche Künstler, sondern man findet sie nur an einzelnen Stellen. Der wirkliche Gesangskenner wird sich erst nach Stunden losreißen von diesem Genuss und würde die ganze Schar am liebsten mitnehmen in seine Vogelstube. Aber nicht nur solch Hohl, auch Schockeln hören wir bei solch einem Konzert. Ein wirklich klares u, nur ist es schneller aneinandergereiht, weil das h nicht angedeutet klingt. Wir hören auch dort ein b angedeutet. Deshalb darf der Züchter nicht nur sitzen und Vogeldreck kratzen, sondern hinaus in die herrliche Natur.

 

Entwertungstouren

 

Bei den Bewertungstouren haben wir sämtliche Tongebilde, welche für das Ohr einen angenehmen Wohlklang aufweisen, in Betracht gezogen, deshalb kommen bei den Entwertungstouren alle Gesangsstrophen in Frage, welche für das Ohr einen harten, unklaren, hochklingenden, scharfen Ton aufweisen, also unangenehm empfunden werden. Spricht jemand sehr laut und hat die Stimme einen harten aufreizenden Ton, so stört dieses die Stimmung in einer Gesellschaft. Auch unsere Vögel, die mit ihren lauten, harten Gesangsstrophen alles übertönen wollen, stören die Harmonie der anderen und den Gesamteindruck.

Alle Bewertungstouren können durch falsche Anwendung der Vokale oder falsche Zusammensetzung der Konsonanten und Vokale so entarten, dass dieselben zu entwerten sind.

Sehen wir uns die Prämierungsliste in der Rubrik Entwertungstouren an, dann finden wir, dass hier nicht alle Bewertungstouren benannt sind, deshalb wird sich jeder mit der Frage beschäftigen, wo werden die nicht genannten Touren bei vollständiger Entartung entwertet? Die nicht aufgeführten Touren, wenn dieselben so schlecht gebracht werden, dass es Entwertungstouren werden, oder eine andere Form und Gangart einnehmen, dass es andere Tongebilde werden, kommen in irgendeiner Entwertungstour in Abzug.

Zunächst die Klingelrolle. Diese wird, wenn der Konsonant r zu scharf gebracht wird und ein s mitklingt, zu einer Schwirre ausarten. Bringt der Vogel den Vokal i zu scharf, so öffnet er den Schnabel und ein s oder sch klingt mit, dann ist es ebenfalls eine Schwirre.

Die Hohlrollen werden bei Benutzung der Nebenvokale in der schlechtesten Form in Nasenturen oder harte Schwirren ausarten. Knorren werden mit Nebenvokalen und mit flachem Wasser durchsetzt, als breite, flache Schwirren oder Schnarren zu entwerten sein, weil in Verbindung mit Wasser ein sch eventuell mitklingt.

Von den abgesetzten Touren wird die Hohlklingel mit den Nebenvokalen gebracht als Nasentour in Erscheinung treten und ebenso die Schockel. Bei beiden Touren wird es besonders dann der Fall sein, wenn der Vokal ä im Klangbild erscheint; sie werden dann in den meisten Fällen auch eine schnelle Gangart einnehmen und der Nebenvokal wird scharf hervortreten.

Schwierigkeiten werden nur bei der Unterbringung der schlechten Glucken entstehen, aber dieselben werden in der schlechten Form als ein verwässertes u (verflachtes Wasser) zu Gehör gebracht und sind je nach dem Ton in eine Entwertungstour einzureihen.

Wenn nun auch eine Rubrik für schlechte Kollern nicht vorgesehen ist, so kann dieses über alle Touren erhabenen Gesangsgepräge in einer so schlechten Form nicht erscheinen.

Alle anderen Bewertungstouren, welche in der schlechten Form ihre Gangart und Form beibehalten, sind besonders benannt.

Um bei den Bewertungstouren die Wertgrenzen feststellen zu können zerlegten wir die für die einzelnen Strophen festgesetzten Punktgrenzen in drei Teile. Dieses wenden wir auch bei den Entwertungstouren an und bezeichnen die zerlegten Teile mit – kaum genügend -, -ungenügend –, und – mangelhaft - und versuchen auf dieser Grundlage die richtigen Punkte zu ermitteln, welche in Abzug zu bringen sind. Kaum genügend: 1-2 Punkte, ungenügend: 3-4 Punkte, mangelhaft: 5-6 Punkte. Während bei der Schnatter und Schnetter auf jedes Prädikat 4 Punkte entfallen.

 

Wasserrollen

 

Bei der Erhöhung der Punktgrenze bis 9 Punkte als Bewertung, wurden auch Wasserrollen als Entwertungstouren in der Prämierungsliste eingesetzt. Die Wasserrollen werden auch in ihrer schlechten, unklaren, plätschernden Form oder mit den Vokalen ö, a, ä gebracht, vollständig klanglos sein. Trotzdem werden sie als Wasser in ganz flacher Form zu Gehör gebracht, deshalb auch als Wasserrollen zu entwerten sein.

Entwertungsgrenze bis 6 Punkte.

Berücksichtigen wir nun, dass es vor nicht zu langer Zeit nur eine Bewertung bis zu 6 Punkte gab und jetzt eine Entwertung mit derselben Punktzahl, so müssen wir in Betracht ziehen, dass es auch sehr schlechte Wasserpartien gibt, welche früher schon in anderen Rubriken untergebracht wurden.

 

Schlechte Klingel

 

Bei dem Wort „schlechte Klingel" wird mancher Züchter sich seiner sehr schwer veranlagten Vögel erinnern, welche in dieser Tour im fortgeschrittenen Gesangsstudium oder später entarteten. Die Züchtung auf ganz tiefe Tonstücke hat zur Folge, dass der Vogel Tongebilde mit dem Vokal i nicht klar bringen kann. Wenn dieses in rollender Form noch möglich ist, wenigstens noch etwas Klang hat, so wird es in abgesetzter Form schwerer sein. Der Vogel öffnet den Schnabel und schreit dieses Tonstück heraus, dadurch kommen spitze, sehr hochklingende Töne zu Gehör, oder statt des Vokals i wird ein e gebracht und so wird das Klangbild flach. Tritt nun noch ein n, s, im Beiklang auf, so ist ein näselnder Ton hörbar und ist solche Tour als Nasenklingel zu bezeichnen.

Zu den Abarten der schlechten Klingel gehören auch Entartungen anderer Touren, z.B. ein ganz schnell gebrachtes tititititi, sisisisisi.

Entwertungsgrenze bis zu 6 Punkte.

Da nun eine Bewertung nur bis 3 Punkte möglich ist, so wird die Entwertung bis 6 Punkte für manchen unverständlich sein, aber in guter Form wird auch nicht soviel Wohlklang in Erscheinung treten, als in der schlechten Form im Gegensatz Misstöne auftauchen. Gerade die flachen und ganz schlechten Formen werden von Jungen leicht aufgenommen und sind Vögel mit solchem Gesangsgepräge verwerflich.

 

Schwirren

 

Hierbei unterscheiden wir weiche, harte, breite und Nasenschwirren. Die weiche Schwirre wurde früher als Bewertungstour noch anerkannt, aber in unserer Einheitsskala ist sie gestrichen. Die Gangart ist die der Klingelrolle, nur ein s klingt mit. Als breite Schwirre wird sie mit e und ä gebracht und wird ebenfalls ein s hörbar sein. Kommt nun noch ein ganz flacher Wasserton hinzu, so hört sich diese Tour noch schlechter und ganz breit an, als ob der Vogel den Ton aus dem Schnabel herauspresst. Die Nasenschwirre wird ebenfalls mit e gebracht, aber es erscheint im Beiklang noch ein ganz näselnder Ton.

Entwertungsgrenze bis 6 Punkte

 

Aufzug

 

Sehr gute Vögel werden einen leichten Aufzug als Übergang in eine andere Tour bringen. Es hört sich an, als ob der Vogel Luft holt, um weitersingen zu können und dadurch kommt ein aufzugähnlicher Ton hervor, der als verzeihlicher Fehler anzusehen und nur zu vermerken ist. Es haben aber auch viele Vögel Angewohnheiten, einen aufzugähnlichen Ton beim Einsetzen des Liedes zu bringen. Harte Aufzüge werden ritz, retsch auch ratsch gebracht und nehmen sehr schlechte Formen an, indem der Vogel ein retsch recht lang zieht. Eine vollständige Ausmerzung wird in tiefen Stämmen nicht möglich sein, weil ganz leichte Aufzüge bei einzelnen Vögeln immer wieder in Erscheinung treten werden.

Entwertungsgrenze bis 6 Punkte

Große Sorgfalt ist bei der Auswahl der Vorsänger am Platze, denn Aufzüge werden von der Nachzucht leicht aufgenommen.

 

Schlechte Pfeifen

 

In Verbindung des Konsonanten d mit dem Vokal i wird ein schlechter Klang nur dann hervortreten, wenn der Vogel den Vokal schärfer betont, als der Konsonant, dagegen wird eine Pfeife auf ti gebracht, zu entwerten sein, weil t den hochklingenden Ton des i nicht dämpft, sondern noch begünstigt. Wird nun das t nur leicht angedeutet und schreit der Vogel ein i heraus, so ist es eine sehr spitze Pfeife. Erscheint nun als Konsonant ein z oder tz also zizizizi, tzie tzie, so handelt es sich um Ziehpfeifen, welche oft und noch recht gezogen gebracht, das ganze Lied verunstalten und scharf zu entwerten sind. Auch tiefe Pfeifen werden mit einem näselnden Beiklang gebracht und derartig gequetscht herausgestoßen, dass eine Entwertung eintreten kann.

Auch alle Abarten der Nasenpfeifen werden mit den Vokalen e, ö, ä gebracht und haben einen scharf näselnden Beiklang.

Entwertungsgrenze bis zu 6 Punkte.

Wenn auch die guten Pfeifen als Abschluß des Liedes sehr geschätzt werden, so sind doch die schlechten Pfeifen der Schrecken des Züchters. Die Pfeifen werden von der Nachzucht früh erfasst und werden nun solche schlechten Pfeifen von den Jungen gehört, so ist es, als ob die Pest ausgebrochen ist; in kurzer Zeit bringt fast der ganze Stamm derartige Pfeifen.

 

Nasentouren

 

In dieser Rubrik werden alle stark entwerteten, rollenden und auch abgesetzten Touren mit ihren schlechten Vokalen untergebracht werden können. Besonders werden es die Vokale e, ö, und ä sein, denn dieselben klingen schon nasal und unklar. Tritt nun noch ein mitklingendes ns in Erscheinung, so ist es die schlechteste Tour der Nasentouren und ist für die Nachzucht besonders gefährlich.

Entwertungsgrenze bis 6 Punkte

 

Schnarren

 

Schnarren sind zum größten Teil entartete Knorren. Kommt bei der Knorre auf den Vokal a (Knarren) der Konsonant sch zu ´Gehör, so ist die Schnarre fertig. Es knorrt nicht mehr, sondern es schnarrt nur noch.

Derartige Töne hören sich besonders schlecht an und sind verwerflich.

 

Locken

 

Was unter Locken zu verstehen ist, wird vom Züchter oft falsch ausgelegt. Werden vier Vögel zur Ausstellung vorbereitet und stehen besonders, so werden diese, bevor dieselben den Gesang aufnehmen, sich gegenseitig erst durch einen Lockruf verständigen, ob alle beisammen sind und dann sofort den Gesang aufnehmen. Diese Lockrufe sind als Entwertungstour nicht anzusehen. Unter Locken kommen vielmehr sogenannte Beiwörter in Frage. Genau wie viele Menschen ohne Beiwörter keinen Satz sprechen (äh, ja, ehm), so kommen auch bei einzelnen Stämmen mitten in der Gesangsstrophe Beiwörter (wiß, wiß, ting, ting, ping, ping) zu Gehör, die in keinem Zusammenhang mit der gebrachten Tour stehen und deshalb unter Locken zu entwerten sind, weil der Gesang dadurch gestört wird. Der Vogel wird dieses nur

1 - 2-mal einflechten und ohne Unterbrechungen weitersingen. Aber auch zum Schluss werden solche Beiwörter gebracht. Junge Vögel werden es eventuell fallen lassen, wenn dieselben zwischen oder neben flott durchsingende Hähne gestellt werden.

Entwertungspunkte bis 6 Punkte

 

Schnetter und Schnatter

 

Diese beiden Wörter bringen schon zum Ausdruck, dass es sich um sehr schlechte Gesangsstücke im Kanarienlied handeln muss. Auch hier unterscheiden wir harte und weiche Schnettern und außerdem die in Wasserstämmen vorkommenden weichen Wasserschnettern, welche von den Züchtern für flaches Wasser gehalten werden. Durch die schnellen Schnabelbewegungen, als ob der Vogel mit dem Schnabel klappert, wird der schlechte Klang noch erhöht und wird hierbei auch ein sch mitklingen. Die breiten und harten Schnettern werden ebenfalls mit sch und einem kurz abgerissenen e gebracht, in schneller Gangart und schnellen Schnabelbewegungen. Aber auch in anderer Form werden dieselben auftreten, wie

tettettettettett

seßseßseßseß

Die Schnatter hat genau dieselbe Gangart wie die Schnetter, nur wird hier der Vokal a oder ä mit den betreffenden Konsonanten gebracht.

Entwertungspunkte bis 12 Punkte.

Eine scharfe Entwertung ist gerechtfertigt, denn es handelt sich um scheußliche, das Ohr schwer beleidigende Tonstücke.

 

Zitt und Schapp

 

Diese groben Fehler werden genauso gebracht, wie dieselben ausgesprochen werden, aber auch Japp Japp wird ebenso schlecht klingen und sind Vögel mit derartigen Gesangsstücken von der Prämierung ausgeschlossen.

 


 

 

Bei den gesamten Besprechungen über das Lied unseres Kanarienvogels haben wir nun alles behandelt, was wir hören können. Wir sehen aber, dass der Vogel erheblich den Kropf aufbläht und deshalb wollen wir einmal die Bewegungen des Kropfes bei den einzelnen Touren betrachten.

 

Zunächst bei den Bewertungstouren

 

Die Grundbedingung ist, dass der Vogel bei guten Touren den Schnabel fast geschlossen hat. Alle rollenden Touren werden auch in den Bewegungen des Kropfes eine fortlaufende, also rollende Bewegung auslösen.

Bringt der Vogel eine zarte Klingelrolle, so stellen wir bei scharfer Beobachtung nur kaum wahrnehmbare fortlaufende Bewegungen fest, die erst mehr in Erscheinung treten, wenn der Vogel den Konsonanten r schärfer hervorbringt. Bei allen Gangarten der Hohlrolle werden teils schwache, teils stärkere Bewegungen hervortreten. In der ü-Lage (voll herausgebracht) wird man das rollende Tempo schwer beobachten können, welches in o-Lage noch schärfer hervortritt, während es in zarter u-Lage nicht mehr so hervortritt. Wird nun die Hohlrolle in zarter Form und in der u-Lage gebracht, so werden wir nur ein Aufblähen des Kropfes bemerken und Bewegungen nicht wahrnehmen, besonders dann, wenn der Konsonant r nur schwach mitklingt, so dass wir glauben, nur noch den Vokal u zu hören, weil dieser Ton durch den vollständig geschlossenen Schnabel hindurchgepresst wird.

Versuchen wir einmal , dem Vogel diese Töne nachzuahmen, so werden wir feststellen, dass es uns nicht möglich ist, diese Töne in klangvoller Form hervorzubringen, wenn wir den Mund auch nur wenig öffnen und je weiter wir denselben öffnen, desto klangloser wird der Ton.

Schöne geschraubte Knorren werden besondere Bewegungen des Kropfes hervorrufen, es tritt eine etwas zitternde, rollende Bewegung ein, die durch den brummenden Ton hervorgerufen wird und ist hierbei ein besonders starkes Aufblähen des Kropfes zu sehen, welches in der o-Lage besonders zum Ausdruck kommt.

Die Beobachtungen bei den Wasserrollen werden den verschiedenen Gangarten entsprechen und auch andere sein. Kullernde Partien werden auch etwas andere Bewegungen auslösen, weil durch das im Beiklang auftretende bl abweichende, also veränderte Bewegungen hervortreten. Denken wir uns ein stark fließendes Wasser im Gebirge, so sehen wir immer kleine Blasen an die Oberfläche kommen und in dieser Form stellen wir uns auch diese Bewegungen vor.

Die Klingeln und Hohlklingeln werden wellenartige Bewegungen hervorrufen, die bei den tiefen Hohlklingeln besonders zu beobachten sind.

Durch den Konsonanten h bei der Schockel wird eine stark hervortretende, scharf abgesetzte Bewegung ausgelöst, als ob der Vogel den Ton abstößt. Im Anfangsstadium der Junghähne, wenn der Ton als Schockel noch nicht voll hörbar für den Züchter ist, werden diese Bewegungen des Kropfes schon Merkmale sein, dass die Tour studiert wird.

Der Konsonant gl bei der Glucke wird zwar ähnliche Bewegungen auslösen, aber eine solche scharf abgestoßene Form tritt nicht ein, weil durch den Ton gluck eine solche Bewegung nicht ausgelöst werden kann. Sprechen wir ein ho ho aus, so können wir uns die schärferen Wirkungen in den Bewegungen des Kropfes leichter erklären.

Selbst tiefe Pfeifen werden die scharf abgesetzten Bewegungen wie bei der Schockel nicht auslösen, denn der Konsonant d wird in anderer Form hervorgebracht.

Die Entwertungstouren werden mit geöffnetem Schnabel gebracht und wird der Ton immer schlechter, je weiter der Vogel den Schnabel öffnet. Bei der Schnetter und Schnatter und bei ganz harten, lauten Klingeln werden die schnellen Schnabelbewegungen die uns an den Storch erinnern, auffallen, deshalb wird auch der Ausdruck öfter gebraucht: „Der Vogel klappert mit dem Schnabel".

 

 

 
   

 

 

 
   

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